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Deutschland

Der besondere Reiz der Münchner Sicherheitskonferenz

Was im Februar für Cineasten die Berlinale ist, ist für Außenpolitiker die Sicherheitskonferenz. Jeder will dabei sein, wenn in München die Probleme der Welt diskutiert werden. Was ist das Besondere an diesem Ereignis?

Zwei Polizisten in schwarzen Uniformjacken schirmen den Konferenzort in der Münchner Innenstadt ab; im Hintergrund sind die Türme der Marienkirche zu sehen (Foto: AP)

Tausende Polizisten bewachen den Konferenzort

Ein kurzer Blick auf die Rednerliste: Es sind in diesem Jahr wieder viele alte Bekannte dabei. Der NATO-Generalsekretär kommt seit Jahren nach München, ebenso Javier Solana. Auch Angela Merkel trat schon im altehrwürdigen "Bayerischen Hof" auf, als sie noch die Opposition anführte. Die Konferenz ist ein beliebtes Ritual, und da die Sicherheitspolitik nicht jedes Jahr neu erfunden wird, klingen einige Reden manches Mal verdächtig vertraut. Man könnte die Lippen dazu bewegen.

Magische Momente gesucht

Wladimir Putin gestikuliert während der scharfen Rede, die er 2007 als russischer Präsident auf der Münchner Sicherheitskonferenz hielt (Foto: AP)

Wladimir Putin provozierte 2007 mit seiner Rede

Aber deswegen fährt natürlich niemand nach München, weder die Politiker noch die Beobachter. Es sind die zwei oder drei magischen Momente, auf die alle warten: Auf eine unerwartet scharfe Rede, auf einen neuen Staatsmann mit frischen Ideen oder ein Wortgefecht. Dann wird es immer ganz still im Saal, niemand tuschelt mehr, keine Tasse klappert. Alle lauschen und schauen gebannt auf den einen, der das Wort führt: Auf Kofi Annan zum Beispiel, als er noch UN-Generalsekretär war oder auf Wladimir Putin, der als russischer Präsident den Amerikanern die Leviten las.

In diesem Jahr wird es der neue US-Vizepräsident Joe Biden sein, dem alle ihr Ohr schenken. Wer eine Botschaft hat, der kann sie von München aus medienwirksam in die Welt schicken. Das hat sich inzwischen herumgesprochen.

Früher angestaubt, jetzt begehrt

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Verteidigungsminister Robert Gates unterhalten sich auf der Konferenz (Foto: AP)

Bundeskanzlerin Merkel und US-Verteidigungsminister Gates in München (Archivfoto)

45 Jahre hatte die Sicherheitskonferenz Zeit, um sich zur angesehensten sicherheitspolitischen Veranstaltung in Deutschland zu mausern. In der Anfangszeit beschäftigte sich die leicht angestaubte "Wehrkundetagung" vor allem mit der Entwicklung der Bundeswehr. Heutzutage geht es auch um Afghanistan, den Irak oder den Iran. Der Ansatz ist ein vorwiegend militärischer, erst in jüngster Zeit wird auch der ein oder andere Vertreter einer NGO eingeladen.

Dreh- und Angelpunkt bleiben die NATO und die transatlantischen Beziehungen. Für deren Qualität ist die Konferenz ein untrügliches Stimmungsbarometer. Ein Tiefpunkt war 2003 erreicht, als US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Bundesaußenminister Joschka Fischer wegen des Irak-Kriegs aneinander rasselten. Derzeit, nach dem Wechsel im Weißen Haus, steigt das Barometer wieder.

Hinter verschlossenen Türen

Der große Saal im Hotel Bayerischer Hof, in dem die Sicherheitskonferenz jedes Jahr stattfindet (Foto: AP)

Zutritt haben nur geladene Gäste für den Tagungsraum

Der Charakter der Münchner Sicherheitskonferenz hat sich in den letzten Jahren geändert: Es gibt mehr öffentliche Prominenz, dafür weniger internen Austausch. Inzwischen dürfen die Journalisten noch nicht einmal mehr die Kaffeepausen zusammen mit den Politikern und Experten verbringen. Der Saal ist wegen der drangvollen Enge ohnehin gesperrtes Territorium. Wirklich nur ein Sicherheitsproblem? Der einzige nicht-verbale Schuss, der jemals auf der Konferenz fiel, löste sich aus der Waffe eines Sicherheitsbeamten - er schoss sich selbst ins Bein.

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