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Kultur

Der Berg ruft wieder

Die Gailtalerin ist wieder da! Austro-Funk-Band "B-Funk Family" legt "Watzmann" von Wolfgang Ambros neu auf. Da trifft steirischer Jodel-Reggae auf Blech-Funk und psychedelische Background-Vocals.

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Nach 28 Jahren ist sie wieder da, die Gailtalerin, und fesch schaut sie aus: Die sündhafte Verführerin aus dem Kultalbum des österreichischen Liedermachers Wolfgang Ambros hat ihr Trachtenkleid abgelegt und feiert ein fetziges Funk-, Rock- und Reggae-Comeback. Die österreichische Club-Band B-Funk Family legt in dieser Woche einen flotten Remix der erfolgreichen Rockoper auf. Dieser wird mit seiner gekonnten Klettertour durch eine Vielzahl aktueller Musikrichtungen nicht nur die Alpenländler begeistern.

"Der Berg, der kennt koa Einsehen net"

So heißt es im Eingangssong, der sich noch am engsten an das 1974 erschienene Musikhörspiel anlehnt. Schon damals waren Verse wie "Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, du bist so groß und i nur a Zwerg" mehr als eine Parodie auf die kommerziellen Auswüchse der Alpendudler, Egerländer und sonstigen Volkstümler. Mit seinen 2.713 Metern ist der Hausberg von Berchtesgaden und zweithöchste Gipfel der deutschen Alpen schließlich über alle musikalischen Moden hinweg eine Ehrfurcht gebietende Erscheinung.

"The Return of Watzmann"

In Absprache mit Ambros entwickelte im Jahr 2000 der Intendant der Vereinigten Bühnen Wien, Rudi Klausnitzer, die Idee für eine Rückkehr des "Watzmanns" in neuem Gewand. Die B-Funk Family erhielt den Auftrag, die Musik für eine Bühnenshow mit dem Titel "The Return of Watzmann" zu komponieren. Wenn alles klappt, soll das Stück im nächsten Jahr zur Aufführung kommen. Aber erst einmal spricht die Musik für sich.

Blechfunk trifft Blödelverse

Spätestens im dritten Titel, dem bei Ambros heiß geliebten "Hollaröhdulliöh" lassen die B-Funker, die seit der Sonnenfinsternis von 1999 gemeinsam auftreten, die 70er Jahre weit hinter sich. Blödelverse wie "Ich habe mich verlaufen in einem Düngerhaufen ..." werden hier von sattem Blech-Funk vorangetrieben.

Austro-Pop outet sich als Weltmusik

"Das Knechtsleben" ist in neuer Gestalt ein Albtraum, eingerahmt vom Volkslied "Im Märzen der Bauer", rauschend und knisternd von einer uralten Vinyl-Platte eingespielt. Dazwischen wird der Knecht in einen frischen Jazz-Sound gelegt, der von psychedelischen Background-Vocals untermalt wird. Abenteuerliche musikalische Kletterpartien zeichnen auch andere Songs aus, im nächtlich-geheimnisumwitterten "Nackt und bloß" geht die Reise von den Alpen hinüber in Richtung Himalaya, und der Austro-Pop outet sich als Weltmusik.

Mit voller Wucht – haut's noch jeden in die Schlucht ...

Kaum weniger kühn ist der Jodel-Reggae in "Hiatamadl" – Jamaika meets Steiermark. Kein Song bleibt stilistisch ungebrochen, denn "im Tal find i koa Ruh". Was mit heimatseligem Vogelgesang beginnt, kann im "Watzmann"-Remix leicht in den etwas härteren Sound übergehen. Nostalgiker werden bei der Rückkehr des "Watzmanns" den nach seinem Löffel rufenden Großknecht vermissen – aber vielleicht hat es den ja schon in die Schlucht gehauen. AP/(pf)

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