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Europa

Der beliebteste Deutsche in Polen

Seit 16 Jahren lebt Steffen Möller in Polen und ist dort mittlerweile zum zweitbekanntesten Deutschen avanciert - gleich nach dem Papst. Als Kabarettist tourt er durchs Land und bringt ganz Polen zum Lachen.

Steffen Möller, deutscher Kabarettist in Polen (21.06.2007/Karlheinz Schindler /dpa )

Ein Deutscher in Polen: der Kabarettist Steffen Möller

"Was ist der Unterschied zwischen einem polnischen Optimisten und einem polnischen Pessimisten?", fragt Steffen Möller das Publikum an diesem Abend. "Der polnische Optimist sagt: 'Was immer wir auch tun, es hat doch sowieso keinen Sinn: Morgen kommen die Russen und deportieren uns nach Sibirien.' Daraufhin sagt der Pessimist: 'Was bist du doch für ein hoffnungsloser Optimist! Deportieren? Zu Fuß müssen wir laufen.'" Das Publikum bricht in schallendes Gelächter aus und applaudiert Möller.

Ein Spiel mit Vorurteilen

Steffen Moeller auf der Bühne

Steffen Möller in seinem Element: auf polnischen Bühnen

Wenn der Deutsche auf der Kabarett-Bühne steht, lachen die Polen über sich selbst. Mit seinem hellrosa Hemd, dem schwarzen Sakko und seinem ordentlichen Seitenscheitel sieht Möller eher wie ein Geschäftsmann als wie ein Kabarettist aus. Möller ist 40 Jahre alt und spricht fließend polnisch. Auf Anhieb wurde er ein Superstar in Polen - entgegen aller Klischees und Vorurteile.

"Wir halten uns alle an bestimmte Klischees", meint Möller. "Wir Deutschen gelten als humorlos, unromantisch und in gewisser Weise ist das die ideale Ausgangsposition für einen Kabarettisten." Und für eine Bilderbuchkarriere, denn Möller hat die Herzen der Polen im Sturm erobert. Dabei fing vor 16 Jahren alles harmlos an.

Der beste Gag: der Deutsche in Polen

Steffen Möller studierte damals in Berlin. Eines Tages sah er in der Mensa ein Plakat. "Ich fand das exotisch: zwei Wochen Polnischkurs in Krakau für 600 Mark. Da habe ich mich für den Kurs angemeldet." Seine Familie habe nur gefragt, was er denn in Asien wolle? Aber er sei trotzdem hingefahren.

Und er blieb in Polen. Möller schlug sich zunächst als Deutschlehrer und Dozent an der Warschauer Uni durch. Eine Frage musste er damals ständig beantworten: Warum er denn als Deutscher freiwillig nach Polen gekommen sei? Die Polen hätten das überhaupt nicht nachvollziehen können, schmunzelt Möller.

"Da habe ich gemerkt, dass es eine super Gelegenheit ist, hier in Polen Kabarett zu machen. Es gibt hier so eine Art Nationalkrankheit - den Sadomasochismus. Die Polen glauben einfach nicht, dass man freiwillig nach Polen kommt", erzählt Möller. Wenn er sich einfach als Deutscher auf die Bühne stelle und erzähle, dass er wirklich freiwillig da sei, lachten sich die Polen schlapp. "Das ist schon alles, denn mehr mache ich nicht. Ich erzähle einfach meine Lebensgeschichte. Das reicht schon."

Polen können gut über sich selbst lachen

Seit fast zehn Jahren erzählt Möller seine Lebensgeschichte auf der polnischen Kabarettbühne. Während seiner Auftritte versucht er, das Geheimnis der polnischen Mentalität aufzuspüren. Der Deutsche hält den Polen einen Spiegel vor Augen und nimmt den polnischen Aberglauben und Trotz aufs Korn. Auch über beliebte Verschwörungstheorien und den Fatalismus macht sich Möller lustig.

"Mein Klempner in Warschau Piotr Szewczynski: Alle seine Kunden beten ihn förmlich an, weil er nämlich der letzte Klempner ist, der noch nicht in Irland ist", erzählt Möller auf der Bühne. "Er hat eine Visitenkarte, auf der steht: Piotr Szewczynski Klempner - langsam, teuer, unsolide. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich es kaum glauben. Ist das wirklich Reklame? 'Ja', sagt der Klempner ganz ernsthaft. 'In Wuppertal würden Sie damit aber Pleite machen', sage ich."

Zwei Herzen in einer Brust

Sein Erfolg bedeute aber nicht, dass die Deutschen weniger Humor hätten als die Polen, meint Möller. "Die Deutschen haben ihn, wenn sie wissen: Jetzt gleich kommt Humor", so der 40-Jährige. Zu Karneval beispielsweise wissen die Deutschen, dass praktisch alles Humor sei. Aber in Polen sei quasi immer Karneval. "Da ist mal schön, dass man am helllichten Tag Witze machen kann - ohne Vorankündigung. Der polnische Humor kommt öfter zum Vorschein."

Steffen Möller ist bereits "polonisiert", wie er immer wieder sagt. Sein Zuhause sei auf beiden Seiten der Oder.

Autorin: Justyna Bronska
Redaktion: Nicole Scherschun / Mareike Röwekamp

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