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Politik

Der belgische Schilder-Wald

Die Deutschen gelten europaweit als die größten Ordnungsfanatiker. Tatsächlich sind das die Belgier – wie unser Korrespondent Christoph Hasselbach bei einem Waldspaziergang festgestellt hat.

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Am Sonntag war ich mit den Kindern im Wald. Wir stiegen vor unserem Haus in die Straßenbahn und fuhren bis zur Endstation in einem Villenviertel. Von dort sind es nur fünf oder, wenn der Kleine läuft, zwanzig Minuten bis zum Wald.

Der war für uns ungewohnt. Sie sagen vielleicht: Wald ist Wald? Dann waren Sie noch nicht in einem stadtnahen Wald von Brüssel. Es fing damit an, dass da ein Schild stand mit der Aufschrift "Pilze sammeln verboten", gefolgt von einer längeren Erklärung auf französisch und flämisch, dass sonst die Artenvielfalt in Gefahr sei. Naja.

Jeder auf seinem Weg

Dann wurden die Erholungssuchenden alle Naselang darauf hingewiesen, was sie sonst noch alles nicht dürfen: nicht die Wege verlassen, nicht Mountain-Bike fahren, Hunde müssen bei Herrchen oder Frauchen bleiben. Überhaupt scheint der ganze Wald fein aufgegliedert zu sein, in Wege für Fußgänger, Jogger, Reiter und was weiß ich nicht noch alles. Und damit man sich auch nicht verläuft, haben sogar die Waldwege Straßennamen. Mit anderen Worten: Mit einem Stadtplan in der Hand findet man sich prima im Wald zurecht. Wir befanden uns zumeist auf dem Fuchsweg und bogen irgendwann in den Teichweg ein. Den Teich selbst erreichten wir nicht mehr, weil der Hunger zu groß wurde.

Ein paarmal war es etwas schwierig, mit dem Buggy durch den Schlamm zu kommen. Ich denke, ich werde mich beschweren, dass es keine geteerten Extrawege für diese Art der Waldnutzer gibt. Aber dann werden mich die Behörden sicher darauf hinweisen, dass Buggys im Wald verboten sind, weil deren Räder die feinen Pilzsporen und damit die Artenvielfalt zerstören.

Steckt die Kommission dahinter?

Es gab mal eine Zeit, da galten die Deutschen als Ordnungsfanatiker. In Wirklichkeit sind es die Belgier. Oder steckt etwa die Europäische Kommission dahinter?

Auf der Suche nach einer Erklärung fiel mir schließlich eine Autofahrt eine Woche zuvor ein. Etwa hundert Kilometer weit waren wir durch das nördliche Flandern nach Brüssel gefahren, nicht über die Autobahn, sondern über die Landstraße, weil ich das ländliche Belgien genießen wollte - bloß dass es dieses ländliche Belgien nicht gab. Praktisch die ganze Strecke war alles bebaut, hundert Kilometer lang. Es war eine Fahrt durch einen unendlichen Vorort von Brüssel.

Belgien ist überwiegend sehr dicht besiedelt. Und rund um Brüssel knüppelt es sich besonders. Wenn hier jeder so tut, als wäre er allein auf der Welt, gibt es Chaos, auch im Wald. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht mit den Verboten.