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Kultur

Der belgische Amokläufer schweigt

Die Motive des Amokläufers, der in einem Kindergarten in Belgien drei Menschen erstochen hat, sind weiter unklar. Der 20-Jährige äußerte sich bislang nicht zu der Bluttat, wie die Ermittler mitteilten.

Eltern und Polizei kurz nach dem Amoklauf in Belgien, Foto: ap

In Belgien herrscht Fassungslosigkeit

Ein Untersuchungsrichter erließ Haftbefehl wegen dreifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs. Er werde deshalb vorläufig in Haft bleiben, teilte die Staatsanwaltschaft in Termonde im Westen des Landes am Samstag (24.01.2009) mit. Der Mann hatte am Freitag zwei Kleinkinder und eine Erzieherin erstochen, zehn weitere Menschen verletzte er mit Messerstichen. Ignace Demeyer, Leiter eines Krankenhauses in Aalst, sagte, seit Ankunft der Kinder seien auch Fachärzte für plastische Chirurgie im Einsatz. "Das sind keine Verletzungen, die von einem Küchenmesser herrühren", sagte er. Bei den Todesopfern handelt es sich um zwei Jungen unter zwei Jahren sowie um eine 54 Jahre alte Erzieherin.

Ein Krankenwagen verlässt mit Opfern den Tatort, Foto: dpa

Der Amokläufer tötete drei Menschen und verletzte zehn

Wie Zeugen berichteten, fuhr der Täter auf einem Fahrrad vor der Kindertagesstätte "Fabeltjesland" ("Märchenland") vor und klingelte. Er sei sehr hager gewesen, mit weiß angemaltem Gesicht und schwarz geschminkten Augen, schilderten Augenzeugen. Auf seine Aussage hin, er habe eine Frage, sei ihm dann offensichtlich die Tür geöffnet worden, berichtete der flämische Rundfunksender VRT. In der Krippe befanden sich 18 kleine Kinder im Alter von höchstens drei Jahren und sechs Betreuer. Der Mann sei geradewegs in den Bereich für Babys gegangen und habe dort mit einem Messer um sich gestochen, berichtete Staatsanwalt Christian Du Four. "Danach ist er in einen anderen Bereich gegangen und hat dort seine Tat wiederholt."

Kein Drogeneinfluss

Nach kurzer Flucht konnte er festgenommen werden. Er sei im Gegensatz zu Medienangaben zuvor weder in einer psychiatrischen Anstalt gewesen noch sei er der Polizei aufgefallen. Auch stand er, wie sich später herausstellte, nicht unter Drogeneinfluss. Trotz stundenlanger Befragungsversuche wollte er sich nicht zum Motiv seiner Tat äußern. "Er kooperiert nicht mit uns", sagte Du Four.

Kronprinz Philippe am Tatort, Foto: AP

Kronprinz Philippe dankte Betreuern und Einsatzkräften

Berichte von Augenzeugen, der Mann habe bei seiner Festnahme kurz nach der Tat eine kugelsichere Weste getragen sowie mehrere Messer und ein Beil bei sich gehabt, wurden von den Behörden am Samstag nicht bestätigt. Die Polizei schirmte den Täter von der Öffentlichkeit ab: So wurde der Haftbefehl nicht im Gerichtsgebäude, sondern in der Polizeiwache von Dendermonde erlassen.

Prinzenpaar besucht Angehörige

Vor dem Tatort legten Menschen auch am Samstag Blumen ab. Innenminister Guido De Padt zeigte sich bestürzt und drückte den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. "Ich bin völlig fassungslos, und meine Gedanken gelten nun in erster Linie den Eltern, die diese Hölle mitmachen müssen."

Belgiens Premierminister Herman Van Rompuy sagte, das Land stehe unter Schock. Noch am Abend hatten Prinzessin Mathilde und Kronprinz Philippe Betreuer und Einsatzkräfte in einem Zentrum für die Angehörigen besucht. Flanderns Ministerpräsident Kris Peeters sprach von einer "unglaublichen" Tat, "die uns mit Horror und Trauer" erfülle. "Dieses Blutbad wird mit Sicherheit Spuren in unserer Gesellschaft hinterlassen."

Die Kommentatoren der belgischen Zeitungen zeigten sich am Samstag entsetzt über das Verbrechen. "Wir müssen mit der Erkenntnis leben, dass wir unsere Kinder nicht vollständig schützen können. Eine Erkenntnis, die fast nicht zu ertragen ist", schrieb "De Standaard". Das Blatt "De Morgen" meinte: "Konnte man dieses Drama verhindern? Ja, indem man vor jede Kinderkrippe eine Hand voll Polizisten stellt. Aber wer möchte sein Kind noch in solch eine Krippe bringen?" "Flandern hat seine Unschuld verloren", schrieb "Het Laatste Nieuws". "Aber was macht jemanden so wahnsinnig, dass er sich an den Kleinsten vergreift?" (ina)

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