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Afrika

Der Bauer und der Fluss

Der Caledon, einer der wichtigsten Nebenflüsse des Orange River, markiert die Nordgrenze Lesothos zu Südafrika. Die südafrikanischen Landwirte kämpfen hier mit immer größeren Problemen, denn das Wasser wird knapp.

Der Caledon in Südafrika

Heftige Regenfälle spülen viel Ackerboden in den Caledon

Am südafrikanischen Ufer des Flusses, der durch Ablagerungen gelb-braun dahin fließt, erstrecken sich Mais- und Weizenfelder, Pinien- und Eukalyptus-Haine. Da und dort ein Wasserloch, Schafe und Stelzvögel. In dieser Region wird viel Landwirtschaft betrieben. Sie ist Afrikas größtes Anbaugebiet für Getreide und Gemüse. Das Gemüse muss jedoch intensiv bewässert werden. Und genau deshalb verbraucht die Landwirtschaft mit rund 60 Prozent das mit Abstand meiste Wasser im Einzugsgebiet von Caledon und Orange River.

Im Schatten uralter Bäume am Ufer des Caledon liegt die Farm "Alpha Estate“. Sie war früher eine Missionsstation. Jetzt leitet der studierte Landwirt Bruce Hamilton hier einen Betrieb, der Weizen produziert und für den Export auf 200 Hektar Kürbisfrüchte und Zucchini anbaut. Um sein Gemüse zu bewässern, braucht Hamilton aus dem Caledon im Sommer 70 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Doch der Fluss bereitet dem jungen Farmmanager zusehends Sorge.

Ein bedrohter Fluss

Der Farmer Bruce Hamilton in Südafrika

Bruce Hamilton

Immer wieder trocknet der Fluss neuerdings aus, berichtet Hamilton. Meist im November, manchmal sogar schon im Oktober. Die Ursachen lägen in den "Wetlands", den Bergsümpfen Lesothos. "Die speichern ja wie Schwämme das Regenwasser und geben es später allmählich an den Fluss ab. Leider betreiben die Kleinbauern Lesothos in den Sümpfen Landwirtschaft und das führt zu Erosion", erklärt Hamilton. Allmählich, klagt er, verlören die "Wetlands" ihre Funktion als Schwamm und nach starkem Regen rauschen nun die Fluten in kürzester Zeit den Fluss hinab. Bruce Hamilton befürchtet, dass die Schäden in den Sümpfen Lesothos zunehmend das Fließverhalten des Caledon stören könnten und es zu heftigeren Fluten und starker Trockenheit kommt.

Der Klimawandel dürfte diese extremen Bedingungen noch verschärfen. So befürchten Experten, dass der Klimawandel zu noch stärkeren Unwettern im Osten und noch länger anhaltenden Dürren im Westen des südlichen Afrika führen wird. Der Caledon und Orange würden dann wohl weniger Wasser führen, was auch durch den Bau neuer Staudämme nicht verhindert werden könnte. Bei der Fahrt über die von Bäumen gesäumten Farmstraßen zeigt Bruce Hamilton achselzuckend Bedauern für seine armen Kollegen in den übervölkerten Bergen Lesothos. Heftiger Regen spült dort nicht nur Erde an beackerten Steilhängen fort. Es entstehen zusätzlich auch unter der Erde Wasserströme, über die dann binnen Sekunden das Erdreich zusammenbricht und tiefe Gräben formt. Erosionsschutz betreibt kaum ein Bauer in Lesotho. Auch deshalb gibt es stetig weniger Ackerland.

Umweltschutz mit dem Computer

Bewässerung im Orange River

Bewässerung von Farmland am Orange River

Bruce Hamilton schützt seine an sanfteren Hügeln gelegenen Felder durch so genanntes Konturpflügen. Das Wasser wird durch Rinnen gleichmäßig über die Felder geleitet und so Erosionsschäden verhindert. Der Farmer weiß, dass der massive Dünger- und Pestizideinsatz von vielen seiner Kollegen die südafrikanischen Flüsse stark belastet. "Alpha Estate" indes produziert Gemüse für den sensiblen europäischen Markt und arbeitet daher mit modernsten Methoden. So sind die Felder in hundert Quadratmeter große Flächen eingeteilt, von denen ein Minibagger computergesteuert Bodenproben entnimmt, diese auf Tongehalt und Nährstoffe wie Kalium, Phosphat, Magnesium und Kalzium untersucht und die Informationen schließlich GPS gesteuert auf eine Landkarte überträgt.

Computergesteuert können die Arbeiter nun an den richtigen Stellen die geeignete Menge passenden Düngers verteilen. Ähnlich penibel geht Hamilton beim Einsatz von Pestiziden vor, denn er muss, neben den strengen Bestimmungen der EU, auch die seiner Kunden einhalten und zu denen zählen auch britische Warenhauskonzerne: "In Großbritannien sind etliche Chemikalien, die Südafrika bis heute erlaubt, verboten. Und auch über den Einsatz eigentlich unbedenklicher Mittel müssen wir genauestens Rechenschaft ablegen.“ Kein Wunder, dass auf etlichen Feldern der Farm "Alpha Estate" Arbeiterinnen das Unkraut noch von Hand jäten.

Thomas Kruchem, zurzeit in Südafrika

Redaktion: Jana Pareigis/ Katrin Ogunsade/ Christine Harjes

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