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Europa

Der "Baltische Weg"

Vor 20 Jahren blickte die Welt auf das Baltikum: In einer Menschenkette demonstrierten die Balten damals für ihre Unabhängigkeit. Sandra Kalniete hat die Kette am 23. August 1989 mitorganisiert.

Eine Menschenkette mit estnischer Flagge (Foto: dpa)

Über mehr als 600 Kilometer hielten sich Menschen an den Händen

23. August 1989. Es ist Mittwoch, warm, sonnig - und doch kein Spätsommertag wie jeder andere. Um 19 Uhr dröhnt aus Hunderttausenden kleinen Transistorradios die Ballade von den drei Schwestern, die am Meeresufer erwachen, um ihre Ehre zu verteidigen. Gesungen wird dreisprachig: "Das Baltikum erwacht. Estland, Lettland und Litauen."

Ein Tag voller Emotionen

Ein Haus in Riga (Foto: Birgit Johannsmeier)

Riga - die lettische Hauptstadt - war eine Station auf dem "Baltischen Weg"

Für mehr als zwei Millionen Menschen in Litauen, Lettland und Estland ist dieser Refrain das Signal, einander an die Hand zu nehmen. Sie sind zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Auto an die "Via Baltica", eine Fernverkehrsstraße durch das Baltikum, gekommen. Viele rollen ihre verbotenen Nationalflaggen aus. In der damaligen Sowjetrepublik Lettland ist Sandra Kalniete im Auto unterwegs. Die Kulturhistorikerin hat die "Lettische Volksfront" mitgegründet und muss einen reibungslosen Ablauf der Menschenkette garantieren. Sie ist besorgt, weil der Moskauer Kreml am Morgen die friedliche Demonstration verboten hat.

Trotz dieses Verbots stehen die Balten Hand in Hand in der 650 Kilometer langen Kette, die von der estnischen Hauptstadt Tallinn im Norden über die lettische Hauptstadt Riga in die litauische Hauptstadt Vilnius führt. "Das waren geballte Emotionen", erinnert sich Sandra Kalniete.

Eine Frau steht an einem Mirkrofon (Foto: Sandra Kalniete)

23. August 1988: Zum ersten Mal wird auf einem Kongress der Hitler-Stalin-Pakt öffentlich verurteilt und die Menschenkette geplant

Die Volksfronten aus Estland, Lettland und Litauen wollten mit der Menschenkette am 50. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes die ganze Welt an die geheimen Zusatzprotokolle des Nichtangriffpaktes erinnern. Darin hatten die Sowjetunion und Deutschland Europa unter sich aufgeteilt. Die drei baltischen Länder gerieten wie Finnland unter sowjetischen Einfluss - gegen ihren Willen. Doch Estland, Lettland und Litauen hätten als einzige Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Unabhängigkeit, die sie vor 1939 hatten, nicht zurückbekommen, sagt Sandra Kalniete. "In diesem Moment realisierte ich gar nicht, dass ich Geschichte schrieb."

Die Probleme nach der Unabhängigkeit

Was mit der gewaltlosen singenden Menschenkette beginnt, endet nach blutigen, aber vergeblichen Protesten Moskaus im Herbst 1991 in der staatlichen Unabhängigkeit der drei baltischen Länder. Alle drei Staaten sind heute Mitglieder der EU und der NATO. Sandra Kalniete sitzt heute als Abgeordnete im EU-Parlament. "Wir wissen, was es bedeutet, unter dem Diktat Russlands zu leben. Wir wünschen uns gute Nachbarschaft, aber wir erwarten Respekt."

Eine Frau vor einer lettischen Fahne (Foto: Sandra Kalniete)

Am 4. Mai 1990 erklärt Lettland schließlich seine Unabhängigkeit

Autorin: Birgit Johannsmeier
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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