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Politik

Der Ball rollt für alle

Eigentlich ist es kurios: In den Volkssportarten wie Hockey, Rugby oder Gaelic Football spielen die Iren "vereint": Iren aus dem Norden und der Republik in einem Team. Nur nicht auf der politischen Bühne und im Fußball.

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Der Ball rollt - über politische Grenzen hinweg

Irland im WM-Fußballfieber: Nach dem 1:1 Spiel gegen Deutschland jubeln die Iren weiterhin zuversichtlich für ihre Spieler im fernen Japan. Doch für wen jubeln die Nordiren? Denn: Die Mannschaft unter Trainer Mick McCarthy ist das offizielle Team der Republik Irland. Dennoch - für die Herzen der katholischen Iren in Nordirland wird mitgespielt...

Fußball ist Volkssport in Irland. Neben den traditionellen keltischen Sportarten Gaelic Football oder Rugby steht der Sport rund um das Leder an erster Stelle auf der grünen Insel. Doch anders als bei den traditionellen Sportarten spielen die Iren nicht in einem Team. Seit der Ausrufung der Republik Irland im Jahre 1921 gibt es zwei getrennte Fußballverbände: die FAI (Football Association of Ireland) in der irischen Hauptstadt Dublin und die IFA (Irish Football Association of Northern Ireland) mit Sitz in der nordirischen Hauptstadt Belfast. Das habe zum einen organisatorische Gründe, aber auch politische, so irische Sport-Experten.

Jubeln für die Unabhängigkeit?

Irischer Fussballfan bei der WM 2002

Irische Fans

Nun hat sich das Team der Republik Irland für die Weltmeisterschaften in Japan qualifizieren können. Fiebern im irischen Süden Katholiken wie auch Protestanten gemeinsam für "ihre" Spieler in Japan mit, so stellt sich das in Nordirland anders dar: Wer dort fußballbegeisterter Katholik ist, jubelt jetzt unter politischem Schatten: Denn die nordirischen Katholiken fühlen sich politisch eher der Republik zugehörig, leben aber in dem erst seit wenigen Jahren selbstverwalteten Staat Nordirland. Sie fiebern also nicht nur für den Sport, sondern indirekt auch für die politische Unabhängigkeit. Pikant, denn die irischen Spieler sind "irisch" auf dem Papier: 13 von 22 der irischen Nationalspieler sind ausgerechnet im ehemaligen "Feindesland" England geboren. Sie haben den irischen Paß, und somit die Berechtigung Fußball für Irland zu spielen, weil ihre Eltern oder Großeltern Iren waren. Aber es ist das Zugehörigkeitgefühl, das zählt.

Und daher sei es nicht so "günstig" in den nordirischen Kneipen neben protestantischen Iren, die sich der britischen Krone zugehörig fühlen, zu jubeln: "Viele meiner Freunde aus Derry (nordirische Provinz) fahren bei Spielen des irischen Teams lieber über die Grenze in die benachbarte irische Provinz Donegal um sich die Spiele dort anzuschauen", meint Kathrin McFadden aus Donegal. Sympathie auch geografisch.

Politischer Faktor Fußball

Andrew O'Connor, Sportredakteur des öffentlich rechtlichen Rundfunksenders RTE, bringt es gegenüber DW-WORLD auf den Punkt: "Wir reden in Irland selbst kaum darüber, warum wir eigentlich nicht in einem Team zusammenspielen. Aber wir wollen auch nicht zuviel Aufmerksamkeit auf den politischen Aspekt legen." Denn das gebe letztlich doch nur Ärger, den man nicht wolle. Denn mit Bemerkungen über Politik ist man in Irland vorsichtig: zu viele Feuer brennen noch - nicht nur in Belfast, sondern auch in den Köpfen der Menschen.

Der Bessere möge gewinnen

Irischer Fussballfan bei der WM 2002

Irischer Fan

Aber dennoch müsse man Fußball auch unter den Gesichtspunkten sehen, die er verkörpert und das seien sportliche. Und da sei die Mannschaft von Nordirland eben schlechter, so der Sport-Experte. In den 80er Jahren seien sie zwar die besseren gewesen, und konnten sich sogar für die WM in Mexiko qualifizieren, doch nun hat sie das Team in der Republik eingeholt. "Aber ich glaube die wären noch besser, wenn alle zusammenspielen", gibt O'Connor zu.

Letztlich sei es doch der Sport, der zählt: Die Unterstützung beider Seiten sei da: "Wir fühlen uns gut, egal welcher Konfession. Hauptsache, Irland hat sich für die WM qualifizieren können."

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