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Wirtschaft

Der böse Gutmensch

Für eine Traumrendite hat Paul Singer Argentinien in die Staatspleite gerissen. Der Hedgefonds-Manager ist unnachgiebig mit den Anderen und großzügig mit den Seinen. Seine Strategie geht bisher auf.

Während sich die argentinische Bevölkerung derzeit große Sorgen machen muss, reibt sich Paul Singer wahrscheinlich die Hände. Der Hedgefonds-Chef ist wiedermal hartnäckig geblieben. Auch wenn bisher nicht feststeht, ob er seine Traumrendite auch ausgezahlt bekommen wird, Paul Singer hat abermals gesiegt - gegen ein ganzes Land.

Laut Forbes hat Singer mittlerweile ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Mit seinem Geld geht er großzügig um und gibt sich gerne als Philantroph. So unterstütz er mit seiner Stiftung, der "Paul E. Singer Family Foundation", die New Yorker Polizei, hilft Kindern und fördert Schulen. Auch gehört er zu den Unterzeichnern der Bill Gates Initiative "Giving Pledge", bei der Superreiche einen Großteil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke spenden. "Ich bin glücklich und dankbar, bei so einem ehrenwerten Unterfangen mitzuwirken", schrieb er bei seiner Aufnahme in den Kreis der Gönner.

Mann der Widersprüche

Singer ist konservativ. Beim US-Wahlkampf 2012 unterstütze er kräftig die Republikaner und wetterte gegen Barack Obama. Doch in einem Punkt gibt er sich liberal: Seit Jahren setzt er sich auch für die Homo-Ehe ein. Nicht ganz unbegründet - einer seiner Söhne ist homosexuell. So ist Singer für die einen ein Held - für die anderen ein skrupelloser Spekulant. Er kämpft für lockerere Regeln der Finanzindustrie, schimpft über die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank und ist leidenschaftlicher Anhänger des freien Marktes. "Was Argentinien zustößt, ist selbstverschuldet, einer schrecklichen Regierungspolitik geschuldet", sagte Singer noch Anfang des Jahres beim Wirtschaftsforum in Davos. "Wenn unser Streit die Regierung aufweckt, um ihre Wirtschaftspolitik zu ändern - umso besser." Argentiniens Regierung wiederum beschimpft ihn als "Aasgeier", als "Erpresser", der seine Rendite vor das Schicksal von 43 Millionen Argentiniern stellt.

Cristina Fernandez de Kirchner Argentinien Staatspleite Archivbild

Argentiniens Präsidentin Kirchner bezeichnet Singers Investmentgesellschaft als "Geierfonds".

Singer blickt mit seinen 69 Jahren auf eine steile Karriere zurück. Doch richtig steinig war der Weg für ihn nie. Er wuchs auf in einer wohlsituierten Familie. Der Vater Apotheker, die Mutter Hausfrau, das Haus der Familie stand in einem Vorort von New York. Nach einem Studium der Psychologie folgte ein Promotion in Jura an der Top-Universität Harvard. 1977 gründete er dann seine Investmentfirma. Das Startkapital von 1,3 Millionen Dollar besorgte er sich bei Freunden und Angehörigen, so das US-Magazin "Fortune".

Staatspleiten als Geschäftsidee

Seine Firma, die "Elliot Management Cooperation" verwaltet heute in mehreren Fonds ein Vermögen von 23 Milliarden Dollar. Von Beginn an konzentrierten sich Singers Aktivitäten auf Schuldscheine von bankrotten Unternehmen und Staaten. Während viele Anleger diese Papiere zu einem Bruchteil des Wertes auf den Markt warfen, griff Singer zu. Danach klagte er dann notfalls, um seine Ansprüche durchzusetzen. Erfolgreich war er so mit Schrottanleihen im Kongo und in Peru.

Seit zehn Jahren prozessiert Singer gegen Argentinien um sein Geld. Für ihn geht es dabei um den ganz großen Wurf. In einer Einigung nach dem Schuldenschnitt 2001, hätte er sein Geld vervierfachen können. Doch das hat ihm nicht gereicht. Bei einem eingesetzten Kapital von knapp 49 Millionen Dollar fordert er nun 800 Millionen plus Zinsen - eine Rendite von mehr als 1600 Prozent. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, ließ er sogar ein Schulschiff der argentinischen Marine beschlagnahmen - sozusagen als Pfand für seine Hedgefonds. Nun ist er bei seinem größten Coup fast am Ziel angelangt. Das Argentinien nun abermals in eine Staatspleite schliddert, kann Singer erst mal egal sein - er kann warten. Das Geld und die Ausdauer dafür hat er.

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