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Politik

Der Autorechtler von Moskau

Lada fahren will in Russland eigentlich niemand, schon gar nicht Wladimir Putin. Trotzdem hat er durch einen Erlass den Import ausländischer Autos teurer gemacht. Wer dagegen protestiert, der macht sich Feinde.

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Sergej Kanaew fühlt sich in diesen Tagen verfolgt. Wenn es an seiner Moskauer Haustür klopft, schaut er vorher durch den Spion. Wenn dort jemand steht, den er nicht sofort erkennt, öffnet er nicht. Auch wenn sein Haustelefon klingelt, geht er nicht ran. "Ich glaube der Inlandsgeheimdienst FSB ist mir auf den Fersen", sagt Kanaew. "Wer weiß, vielleicht hören die mich sogar im Auto ab." Er versucht sich an einem Lachen.

Der 41-Jährige zog die Aufmerksamkeit der Staatsmacht auf sich, weil er als Vorsitzender des "Vereins zur Verteidigung der Autofahrer-Rechte" in der Hauptstadt immer wieder Proteste gegen die Erhöhung der neuen Importzölle organisierte.

80 Prozent teurer

Mareike Aden

Mareike Aden, DW-Studio Moskau

Je nach Alter und Hubraum-Umfang sind Import-Wagen seit Montag (12.1.2009) zwischen 20 und 80 Prozent teurer geworden. Zunächst einmal soll das für neun Monate gelten - Verlängerung alles andere als ausgeschlossen. Die russische Regierung will damit den einheimischen Herstellern, denen die Krise auf dem Automobilmarkt besonders hart zusetzte, die ausländische Konkurrenz vom Hals schaffen - und außerdem mehr ausländische Produzenten nach Russland locken. Denn für im Inland produzierte Wagen gelten die neuen Zolltarife nicht.

Doch selbst als der russische Automarkt Mitte 2008 noch boomte und Experten Russland schon als den bald größten Automarkt der Welt ausriefen, profitierten davon vor allem ausländische Hersteller. "Ein gebrauchter Import-Wagen ist besser als ein russischer Neuwagen", fasst Kanaew das Hauptproblem russischer Autohersteller wie Lada, Wolga oder Moskwitsch zusammen. Er selbst fährt in einem etwas klapprigen weißen Hyundai mit Rechtslenkung, der aus Japan importiert wurde, durch Moskauer Straßen.

Im Fernen Osten Russlands ist der Import asiatischer Autos einer der wichtigsten Industriezweige überhaupt. Deshalb gingen vor allem dort in den letzten Wochen immer wieder tausende Menschen gegen den Erlass Putins auf die Straße – und wurden bisweilen von staatlichen Spezialeinheiten auseinander geprügelt.

Neue Freunde

Kein Wunder, dass die Behörden auch Kanaews Aktivitäten im Blick zu haben scheinen - auch wenn die Moskauer Proteste bisher harmlos verliefen. Doch in diesen Tagen hat er nicht nur neue Feinde, sondern auch neue Freunde - auf die er lieber verzichten würde.

Oppositionsparteien jeder Art haben bemerkt, dass die Importzoll-Erhöhung landesweit mehr Menschen auf die Straße bringt als so manches andere politische Thema zuvor. Mit den eigenen Forderungen und Flaggen stimmen sie nun in die Proteste der Autorechtler ein und machen deren Kampf damit wohl noch aussichtloser.

Kanaew jedenfalls weiß nicht, wer ihm weniger derzeit weniger lieb ist: Die neuen Feinde oder die falschen Freunde.