Der Autor von ″Fire and Fury″: Wer ist Michael Wolff? | Aktuell Amerika | DW | 05.01.2018
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Enthüllungen über Trump

Der Autor von "Fire and Fury": Wer ist Michael Wolff?

Sein Enthüllungsbuch über Donald Trumps Präsidentschaft ist ganz vorne auf Amazons Bestseller-Liste. Wer ist der Mann hinter dem Buch, über das so viel geredet wird?

Nachdem er bereits mehr als 40 Jahre als Journalist gearbeitet hat, wurde Michael Wolff nun durch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" (Feuer und Wut: In Trumps Weißem Haus) über Nacht zur Berühmtheit.

Sein Buch zeichnet das Bild eines unter Donald Trump stümperhaft agierenden und dysfunktionalen Weißen Hauses. Das öffentliche Interesse an "Fire and Fury" ist so groß, dass Wolffs Verlagshaus Henry Holt und Company den Erscheinungstermin auf Freitag vorverlegt hat. 

Wenige Tage zuvor war der 64-Jährige außerhalb der amerikanischen Medienlandschaft noch weitgehend unbekannt. Aber sein neues Buch, vom Weißen Haus als "trashige Boulevard-Fiktion" abgetan, hat ihn auf Platz Eins von Amazons Bestseller-Liste katapultiert. 

Woher kommt Wolff?

Wolff wurde in New Jersey geboren und hat an der Columbia University in New York City studiert. Seine journalistische Karriere begann als Kopierkraft bei der "New York Times". Heute ist Wolff Mitarbeiter der Magazine "USA Today", "Vanity Fair" und "New York". Auch für "GQ" und den "Hollywood Reporter"hat er schon gearbeitet.

Hat er schon einmal ein Buch geschrieben?

Ja, Wolff ist Autor von mindestens einem halben Dutzend Büchern. Sein erstes Werk "White Kids" wurde 1979 veröffentlicht. Am bekanntesten ist Wolff wohl für sein 2008 erschienenes Porträt "Der Medienmogul: Die Welt des Rupert Murdoch".

Ähnlich wie nun Trump war auch der Medienunternehmer Murdoch damals höchst unzufrieden darüber, wie er bei Wolff wegkam. Umso überraschender, dass der US-Präsident dem Journalisten die Freiheit gewährt haben soll, sich frei im Weißen Haus zu bewegen, zu beobachten, wer kommt und geht und Leute zu befragen. Eigenen Aussagen zufolge führte Wolff 200 Interviews für sein Buch, unter anderem mit Trump selbst, und nahm viele davon auch auf.

USA Trump (Reuters/K. Lamarque)

Trump ist "not amused" über die 320 Seiten Hohn und Spott über ihn

Wie glaubwürdig ist Wolff?

Trump betitelt zwar gerne jegliche Nachrichten, die ihm nicht in den Kram passen, als "Fake News". Doch auch Journalistenkollegen stellten in der Vergangenheit in Frage, wie genau Wolff es mit der Wahrheit nimmt. Ein bekannterer Artikel über ihn ist von Michelle Cottle aus dem Jahr 2004. Im Politikmagazin "The New Republic" schrieb sie: "Sogar Wolff selbst gibt zu, dass konventionelle Berichterstattung nicht sein Ding ist. Er saugt viel mehr die Atmosphäre und den Klatsch und Tratsch um sich herum auf, sei es auf Cocktailpartys, auf der Straße oder ganz besonders bei ausgedehnten Mittagessen."

Dennoch hat Wolff bereits zwei Mal den National Magazine Award der USA gewonnen, einen davon für eine Serie, die er 2003 über den Irakkrieg schrieb.

Was hält Trump von dem Buch?

Wie zu erwarten nicht viel. Denn "Fire and Fury" ist voll von Aufsehen erregenden Enthüllungen. Und einige der erstaunlichsten Kommentare kommen von Steve Bannon, dem früheren Chefstrategen des Weißen Hauses. Bannon, der jetzt wieder die rechtsnationalistischen "Breitbart News" leitet, war im Sommer nach anhaltender Kritik durch Republikaner und Mitarbeiter des Weißen Hauses entlassen worden. 

Wie üblich reagierte Trump bereits auf Twitter auf Wolffs Buch und bezeichnete es als Fiktion, die auf falschen Fakten beruhe.

"Ich habe dem Autor dieses schändlichen Buches keinen Zugang zum Weißen Haus gewährt! Ich haben nie mit ihm für sein Buch gesprochen", tweetete Trump am Freitag. Es sei voller Lügen, falscher Darstellungen und Quellen, die nicht existieren. 

Kann Trump die Veröffentlichung verhindern?

Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. Sein Anwalt schickte zwar Unterlassungsbriefe an Wolff und seinen Verlag und drohte mit Klagen, falls das Buch nicht zurückgezogen werde. Aber anstatt die Veröffentlichung zu stoppen, entschieden sich die Verleger sogar, sie vorzuziehen: Das Buch sei ein wichtiger Beitrag zum öffentlichen Diskurs.

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