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Luftfahrt

Der Ausverkauf bei Air Berlin geht weiter

Viele Mitarbeiter der insolventen Air Berlin sehen einer unsicheren Zukunft entgegen - die Arbeitsagenturen stellen sich auf bis zu 1200 Arbeitslosmeldungen ein. Der Ausverkauf der Airline macht derweil Fortschritte.

Für die Technik-Tochter von Air Berlin ist ein Käufer gefunden: Das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht will das Unternehmen zusammen mit der Wartungsfirma Nayak erwerben. Der Vertrag solle noch diese Woche unterzeichnet werden, teilte Air Berlin am Donnerstag mit. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Rund 300 Mitarbeiter würden übernommen. "Für die weiteren rund 550 Mitarbeiter steht eine Transfergesellschaft zur Abfederung sozialer Härten bereit", teilte die Airline mit. Die Auffanggesellschaft könne "aufgrund der Liquiditätssituation" in diesem Verfahren ohne staatliche Beihilfe oder Unterstützung Dritter finanziert werden

Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus sprach von einem "guten Tag" für die betroffenen Mitarbeiter. Der Gesamtbetriebsrat Technik habe "beharrliche und konstruktive Arbeit" geleistet. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann erklärte, die Flugzeugwartungsfirma Nayak und der Logistikdienstleister Zeitfracht verfügten über eine "ausgezeichnete Expertise" und "starke Marktpositionen".

Ein paar Dutzend Maschinen warten noch auf Käufer

Die insolvente Fluggesellschaft verhandelt derzeit parallel mit Easyjet und Condor über den Verkauf von Teilen des Unternehmens. Das teilte ein Air-Berlin-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage mit. "Es ist ein knappes Rennen zwischen den beiden", fügte er hinzu. Offen blieb zunächst, wann im laufenden vorläufigen Insolvenzverfahren spätestens noch ein Abschluss mit einem der beiden Interessenten möglich ist. Air Berlin stellt an diesem Freitag ihren Flugbetrieb ein.

Mit der britischen Fluggesellschaft Easyjet verhandelt Air Berlin seit gut einem Monat über die Übernahme von etwa 25 Flugzeugen. Auch Easyjet bestätigte, dass die Verhandlungen am Donnerstag noch liefen. Zu den Erfolgsaussichten machte ein Unternehmenssprecher keine Angaben.

Die "kleine Lösung" steht

Die Auffanglösung für das Bodenpersonal der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin steht nach Verdi-Angaben. Die Transfergesellschaft für rund 1400 Beschäftigte werde am 1. November ihre Arbeit aufnehmen, teilte die Gewerkschaft am Donnerstag mit. Da die Airline abgewickelt werden müsse und dazu noch Personal benötigt werde, könnten zunächst nicht alle Beschäftigten der Verwaltung in die Gesellschaft zur Vermittlung und zur Qualifizierung wechseln.

Gestartet werde zunächst vermutlich mit rund 400 Beschäftigten. Andere Mitarbeiter könnten dann schrittweise folgen. Dies geschehe aber nicht automatisch, sondern muss laut Verdi auf freiwilliger Grundlage von den Betroffenen erklärt werden. Vom Berliner Senat und Air Berlin, die sich an der Finanzierung beteiligen wollen, war zunächst keine Stellungnahme dazu zu erhalten.

Die "große Lösung" für eine Transfergesellschaft über rund 50 Millionen Euro für etwa 4000 Mitarbeiter war gescheitert, da sich Bund und Länder nicht ausreichend an der Finanzierung beteiligen wollten.

"Herausforderung" für die Arbeitsvermittler

Die Berliner Arbeitsagenturen stellen sich darauf ein, dass sich kommende Woche bis zu 1200 Mitarbeiter von Air Berlin in der Hauptstadt arbeitslos melden könnten. "Das wird eine Herausforderung", sagte der Leiter der Arbeitsagentur Berlin-Nord, Christoph Möller, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Sollte außerdem keine Transfergesellschaft für die Verwaltungsangestellten kommen, rechnet er mit mehr Arbeitslosenmeldungen.

Die Jobchancen schätzt er vergleichsweise gut ein: "Ich denke, dass die meisten Mitarbeiter schnell wieder etwas finden, wenn sie sich schnell kümmern." Piloten und Flugbegleiter würden gesucht - auch für Flugzeuge, die übernommen werden. Es gebe aber auch in der Verwaltung viele unterschiedliche Berufsgruppen, etwa IT-Experten, Marketingexperten und Mitarbeiter in kaufmännischen Berufen. "Für alle bestehen gute Chancen auf einen baldigen Neustart. Klar ist aber auch, dass es bei manchen eine gewisse Sucharbeitslosigkeit geben kann", sagte Möller.

Die von ihnen organisierten Jobbörsen seien voll gewesen, sagte Möller. "Die Stimmung war nicht top, aber die Kollegen waren auch nicht am Boden zerstört. Die Mitarbeiter wissen, dass sie nach vorne gucken müssen." Sie hätten bereits einige zum 1. November in neue Jobs vermittelt.

dk/tko (dpa, afp, rtr)