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Politik

Der Aufstand der Mönche

Ein Jahr ist es her, dass die September-Proteste in Myanmar durch das Militärregime brutal niedergeschlagen wurden. Es war die größte Protestbewegung des Landes seit zwanzig Jahren.

Protestierende buddhistische Mönche in Birma (Quelle: AP)

Die Militärjunta zögerte zunächst, gegen die protestierenden buddhistischen Mönche vorzugehen

Ende August des vergangenen Jahres kam es zu Demonstrationen gegen die von der Militärregierung angeordnete drastische Erhöhung der Preise für Benzin und andere Versorgungsgüter. Diese wurden zunächst von oppositionellen Kräften in Myanmar – wie Birma heute heißt – organisiert. Als das Militärregime diese Proteste brutal niederschlug, führten die im Land hochangesehenen buddhistischen Mönche die Demonstrationen fort. Daraus sollte sich innerhalb kurzer Zeit die größte Protestbewegung seit zwanzig Jahren entwickeln. Ein Rückblick auf die Ereignisse:

Myanmar, Anfang September 2007: Die buddhistischen Mönche setzen ihre Demonstrationen gegen die Preissteigerungen fort. Die Militärjunta zögert weiterhin, allzu hart gegen die Mönche vorzugehen, da diese auch bei den Militärs hohes Ansehen genießen.

Marc Farmaner, Myanmar-Experte der "Burma Campaign UK" in Großbritannien, geht zu diesem Zeitpunkt noch davon aus, dass es für das Militärregime sehr schwierig sei, mit den Mönchen umzugehen, denn es sei etwas völlig anderes, Zivilisten festzunehmen und zu foltern. "Aber wenn es sich um Mönche handelt - auf die kann nicht einfach geschossen werden, man kann sie nicht so einfach wegsperren oder foltern", so Farmaner.

Ermutigt vom Protest der Mönche schließen sich im Lauf der nächsten Wochen auch andere Bevölkerungsgruppen den Demonstrationen an. Zunehmend werden neben Rücknahme der Preiserhöhungen, Forderungen nach mehr politischen Freiheiten laut. Landesweit kommt es zu Protestzügen, die immer mehr Menschen anziehen.

Protestierende Menschen und Mönche (Quelle: AP)

Zehntausende Menschen schlossen sich den Protesten der Mönche gegen die Militärjunta an

Montag, 24. September 2007: In der ehemaligen Hauptstadt Rangun findet die seit zwanzig Jahren größte Demonstration statt. Zehntausende – Beobachter sprechen von über Hunderttausend Menschen – folgen dem Protestzug der Mönche. Auch in zahlreichen anderen Städten kommt es zu Massendemonstrationen.

Debbie Stoddard von der birmanischen Menschenrechtsorganisation "ASEAN Alternativ" in Thailand beschreibt die damalige Lage: "Die Mönche, die in Rangun, Mandalay und anderen Städten auf die Straße gehen, haben die breite Unterstützung der Bevölkerung. Auf jeden Mönch kommen inzwischen zwei oder drei andere Demonstranten, die sich ihnen anschließen."

Während die Militärregierung den Protesten bislang scheinbar untätig zusah, lässt sie nun an strategischen Stellen Polizei, Militär und Feuerwehr auffahren. Über Lautsprecher werden die Demonstranten aufgefordert, ihre Aktivitäten einzustellen. Die Angst vor einer blutigen Niederschlagung der Proteste wie vor zwanzig Jahren wächst.

Dienstag, 25 September 2007: Die Mönche setzten dennoch, unterstützt von der Bevölkerung, ihre Proteste fort. Erneut gehen Zehntausende auf die Straße.

Mittwoch, 26. September 2007: In der Nacht holt das Militärregime zum Gegenschlag aus: Soldaten stürmen Klöster und verhaften Hunderte. Zugänge zu den Pagoden, von denen die Proteste ausgingen, werden abgeriegelt. Auf den Straßen patrouillieren schussbereite Soldaten. Die Regierung verhängt eine Ausgangssperre und verbietet die Ansammlung von mehr als fünf Personen.

Die Mönche bei einer Kundgebung an der Shwedagon Pagode (Quelle: AP)

Mönche bei einer Kundgebung an der Shwedagon Pagode

Aung Zaw, Gründer der Internet Zeitschrift Irrawaddy News Magazine in Thailand, fasst die Lage in Rangun zusammen: "Augenzeugen berichteten mir von Warnschüssen, um Demonstranten zu verjagen, die sich nicht an die Ausgangssperre hielten. Telefonverbindungen wurden gekappt und seit letzter Nacht mehrere prominente Oppositionelle verhaftet. Ihre Häuser wurden durchsucht und einer nach dem anderen von der Militärpolizei an einen unbekannten Ort gebracht."

Donnerstag, 27. September 2007: Ungeachtet des Versammlungsverbotes kommt es in Rangun erneut zu Massenprotesten. Wieder ziehen Zehntausende durch die Innenstadt und fordern in Sprechchören demokratische Reformen.

Innerhalb kürzester Zeit eskaliert die Lage, Sicherheitskräfte gehen mit Schlagstöcken und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor. Dabei werden auch Schusswaffen gezielt eingesetzt. Panikartig löst sich der Demonstrationszug auf, zurück bleiben – nach offiziellen Angaben – zehn Tote, darunter ein japanischer Pressefotograf, der nach Augenzeugenberichten gezielt per Kopfschuss getötet wurde.

Doch die Zahl der Toten liege wesentlich höher, sagte der australische Botschafter in Myanmar, Bob Davis, im australischen Rundfunk: “Wir haben unbestätigte Informationen, dass deutlich mehr Menschen getötet wurden, als die Soldaten gestern in Rangun das Feuer auf die Demonstranten eröffneten. Ich habe gestern Abend vor Einsetzen der nächtlichen Ausgangssperre mit einigen Leuten gesprochen und die haben mir bestätigt, dass viel mehr Leichen von den Straßen geräumt wurden." Unabhängigen Berichten zufolge sollen insgesamt über 200 Menschen getötet worden sein.

Freitag, 28. September 2007: Eine Welle von Massenverhaftungen und die Härte, mit der Sicherheitskräfte auch in den nächsten Tagen gegen Demonstranten vorgehen, lassen die Proteste innerhalb weniger Tage abflauen.

Die Hoffnung auf wirtschaftliche und politische Reformen ist durch die Niederschlagung der September-Demonstrationen zerstoben. Bis heute regieren die Militärs in Myanmar – ungeachtet nationaler und internationaler Proteste – mit eiserner Faust und verweigern sich nach wie vor jedem Dialog mit oppositionellen Kräften.

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