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Politik

Der Aufklärer

Politiker, Publizisten und Künstler reagierten mit Trauer und Bestürzung auf die Nachricht von Tode Rudolf Augsteins. Auch frühere Gegner würdigten ihn als Vorkämpfer der Demokratie in Deutschland.

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"Der Spiegel" erschien zum ersten Mal am 4. Januar 1947

"Rudolf Augstein war vielleicht der größte unter den Publizisten der Bundesrepublik. Als Mitbegründer des 'Spiegel' hat er die deutsche Medienlandschaft geprägt wie kaum ein anderer", sagte Bundespräsident Johannes Rau. Die Erfahrungen aus der Katastrophe des Nationalsozialismus habe "ihn zu einem der mächtigsten Streiter für die freiheitliche Ordnung Deutschlands" gemacht. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wollte am Abend eine Erklärung abgeben.

"Rudolf Augstein prägte Generationen von Journalisten. Sein Stil war unverwechselbar, seine politische Beobachtungsgabe brillant, sein Urteil scharf und unnachsichtig", sagte Außenminister Joschka Fischer (Grüne). Dem leidenschaftlichen Historiker Augstein habe die geschichtliche Einordnung des Tagesgeschehens besonders am Herzen gelegen.

"'Der Spiegel' ist durch Augsteins Wirken zu einem festen Bestandteil der deutschen Demokratie geworden", sagte CDU-Chefin Angela Merkel. Augsteins kritische Stellungnahmen seien für viele, auch für die Union, nicht immer einfach und schmerzlos gewesen, räumte sie ein. "Aber ohne ihn und den 'Spiegel' wäre vieles in Deutschland nie gesagt oder geschrieben worden."

Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) würdigte Augstein als "streitbaren großen Publizisten und Journalisten". Über den Verleger, der in den 1970er Jahren kurzzeitig Mitglied der Liberalen war, schrieb FDP-Chef Guido Westerwelle an Augsteins Witwe: "Mit Rudolf Augstein geht ein großer Publizist und ein Liberaler im Herzen und im Geiste von uns." Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sagte, Augstein sei ein "Wegbereiter der Demokratie in Deutschland" gewesen.

Repräsentanten der Medien bezeichneten Augstein als überragende Figur der deutschen Publizistik. "Spiegel" Konkurrent "Focus" würdigte Augstein als einen Mann, der für die Pressefreiheit und das Selbstverständnis der Journalisten viel durchgesetzt habe. "Er wird eine Lücke hinterlassen", sagte "Focus"-Chef Helmut Markwort. "Zeit"-Mitherausgeber Michael Naumann erklärte: "Augstein ist erst durch die Kritik an der Macht mächtig geworden - zum Wohle der Republik."

"Es ist, als wäre ein Vater gestorben", beschrieb der stellvertretende "Spiegel"-Chefredakteur Joachim Preuß die Gefühle der Mitarbeiter an der Hamburger Brandstwiete. Chefredakteur Stefan Aust erreichte die Nachricht vom Tod des Herausgebers nach "Spiegel"-Angaben in Hanoi, wo er den vietnamesischen Staatspräsidenten Tran Duc Luong treffen wollte. Sofort nach Erhalt der Nachricht trat Aust die Rückreise an.

Für den Historiker Arnulf Baring hat Augstein dem "deutschen Journalismus, der durch den Nationalsozialismus versaut worden war", wieder zur Geltung verholfen habe. "Er hat dazu beigetragen, dass die Medien sich als vierte Gewalt im Staate etablierten." Der Schriftsteller Ralph Giordano sagte: "Ich habe ihn bewundert, wenn auch nicht kritiklos. Ich war mit manchem nicht einverstanden, was er über Israel und den Nahost-Konflikt gesagt hast. Aber es ändert nichts an meiner Wertschätzung."

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