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Wirtschaft

Der Antrieb aus der Steckdose stottert

Elektromobilität gilt als die Antriebstechnik der Zukunft. Aber noch sind die Ladezeiten der Akkus zu lang und die Reichweiten der Autos zu kurz. Hersteller, Wissenschaftler und Politiker wollen das aber jetzt ändern.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer steht in Berlin vor dem Motor eines Elektroautos vom Typ E-Golf(Foto: dpa)

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer vor einem Elektro-Golf von VW

BMW-Konzernchef Norbert Reithofer spricht vor dem Prototyp des Elektrofahrzeuges BMW ActiveE im BMW-Werk in Leipzig (Foto: Peter Endig)

Prototyp des Elektro-Modells "BMW ActiveE"

Da sage noch einer, es tue sich nichts am elektromobilen Standort Deutschland: Der Automobilbauer BMW investiert derzeit 400 Millionen Euro an seinem Standort in Leipzig. Dort will er ab 2013 Elektromotoren herstellen. Vergleichbare Projekte treiben auch Mercedes-Benz, Audi und Volkswagen voran. Konzerne wie Bosch, BASF, Evonik oder der Fahrzeuglampenhersteller Litech haben sich gar zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um hohe dreistellige Millionenbeträge in die Entwicklung der Elektromobilität stecken zu können.

Es winkt ein lukrativer Milliardenmarkt und das weiß auch die Bundesregierung. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle folgt einem ambitionierten Plan: "Wir wollen Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität in der Welt sein", sagt er. "Ziel ist es, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu haben." Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie stehe auf dem Spiel.

Deutschland hinkt hinterher

Toyota-Chef Akio Toyoda, bei einer Pressekonferenz zur Markteinführung des Toyota Prius der dritten Generation (Foto: dpa)

Erfolgreich mit Hybrid-Antrieb: Toyota-Modell "Prius III"

"Wir haben vor 125 Jahren das Auto hier erfunden", so Brüderle. Jetzt gehe es darum, die Technologieführerschaft zu behalten. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Der Wettbewerbsdruck ist enorm, und die Bundesrepublik hat die Nase keinesfalls vorn. Länder wie die USA, Japan, China, Korea oder Frankreich stecken Milliardensummen in den Aufbau ihrer elektromobilen Industrien und Märkte. Die USA schieben allein ihre Batterieindustrie in diesem und im kommenden Jahr mit umgerechnet gut vier Milliarden Euro an.

Der deutsche Wirtschaftsminister hingegen gibt sich beim Thema Fördergelder ungewohnt einsilbig. Von Kaufprämien für Elektroautos, wie sie in anderen Ländern selbstverständlich sind, will er nichts wissen und das Budget für Forschung und Entwicklung soll auch nicht weiter aufgestockt werden. "Für mich hat immer klarer Priorität, dass man Forschung und Entwicklung betreibt", versichert Brüderle. Gleichzeitig stellt er klar: "Ich warne davor, einen internationalen Wettbewerb um Subventionen zu starten."

Fördergelder sind rar

Dabei brauchen Industrie und Wissenschaft dringend mehr Geld, um den jetzt schon spürbaren Entwicklungsrückstand aufzuholen. Ausgerechnet bei der Batterietechnik - der Schlüsselkomponente der Elektromobilität - hapert es am meisten. Japan hat bei den Lithium-Ionen-Zellen einen bis zu zweijährigen Entwicklungsvorsprung.

Vier Milliarden Euro seien nötig, um allein die wichtigsten deutschen Forschungsprojekte bis 2013 sicherzustellen, heißt es im Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE). In ihr hatten sich auf Betreiben der Bundesregierung im Mai dieses Jahres Automobilbauer, Energieversorger, Zulieferer, Wissenschaftler und Gewerkschafter zusammengeschlossen. Henning Kagermann, Vorsitzender der NPE, drängt: "Wir müssen schnell und zielgerichtet handeln." Noch könne die Technologieführerschaft erreicht werden. "Neben Forschung und Entwicklung müssen wir auch neue Produktionstechnologien entwickeln, weil wir in die großen Stückzahlen kommen müssen, um die Kosten runter zu bringen", sagt Kagermann.

Elektroauto noch längst kein Massenprodukt

Mit anderen Worten: Das Elektroauto muss ein Massenprodukt werden und sich im Alltag bewähren, damit Deutschland sein ambitioniertes Ziel erreichen kann, führender Anbieter von Elektrofahrzeugen zu werden. Oder, wie es Minister Brüderle formuliert: "Wir dürfen es nicht wieder wie beim Faxgerät und beim MP3-Player versäumen, deutsche Innovationsprozesse in die Massenproduktion umzusetzen."

Autorin: Sabine Kinkartz

Redaktion: Klaus Ulrich

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