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Asien

Der Anfang vom Ende

Auf der Kabuler Afghanistan-Konferenz ist ein ein offizielles Abzugsdatum beschlossen worden. Ein Fehler, meint Ratbil Shamel.

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Ratbil Shamel, Leiter der Afghanistan-Redaktion der DW

Zum ersten Mal wurde eine internationale Afghanistan Konferenz in Kabul veranstaltet. Außenminister und Vertreter von rund 70 Staaten waren gekommen, um ein Datum für das Ende der internationalen Afghanistan Mission festzusetzen. Zumindest diese Aufgabe wurde rasch erfüllt: 2014 soll die afghanische Regierung in der Lage sein, die Verantwortung für die Sicherheit im Land zu übernehmen.

Dieses Datum ist zwar nicht neu, es wurde auch vor rund sechs Monaten in London erwähnt, doch nun ist es offiziell. Zudem wurde diesmal der Wunsch nach einem Abzug der internationalen Streitkräfte aus Afghanistan vom afghanischen Präsidenten im Namen der Afghanen in Kabul geäußert. Mit anderen Worten: Karsai war wieder einmal zur Stelle, als man ihn brauchte.

Das Volk glaubt den Versprechen nicht

Nun kann die internationale Gemeinschaft mit einem ruhigen Gewissen einpacken, obwohl die eigentlichen Ziele nicht erreicht worden sind: Die Taliban und al-Kaida sind noch nicht besiegt und Afghanistan ist sehr weit vom Frieden, Demokratie und Wohlstand entfernt. Dennoch betonen viele westliche Politiker: Der Abzug 2014 muss sein. Der Westen werde aber Afghanistan noch lange beistehen, auch dann, wenn keine westlichen Soldaten mehr in Afghanistan stationiert sind. Man werde das afghanische Volk nicht allein lassen, so die Beteuerung.

Das afghanische Volk glaubt aber solchen Versprechungen nicht. Es hat noch gut in Erinnerung, was nach dem Abzug der Sowjetmacht aus ihrer Heimat geschah. Nach einem Jahrzehnt der Besatzung und des Krieges folgten Bürgerkrieg und Willkürherrschaft der Warlords. Das Leben wurde so unerträglich, dass der Einzug der Taliban in die Hauptstadt von vielen als eine Befreiung gefeiert wurde. Erst kurze Zeit später merkten die Menschen, dass die Taliban keine Befreier waren.

Ein Abzugsdatum hilft den Friedensgegnern

Nun haben viele Afghanen Angst, dass sich die Geschichte in ihrem Land wiederholen könnte – und das zu Recht. In den vielen Erklärungen der Kabuler Afghanistan-Konferenz ist nicht explizit erklärt worden, wie die afghanische Regierung in die Lage versetzt sein soll, allein für die Sicherheit zu sorgen. Was in den letzten neun Jahren nicht gelungen ist, wird in den kommenden drei Jahren nicht zu leisten sein.

Der Westen will raus aus Afghanistan, das ist verständlich. Dieser Abzug sollte aber erst dann geschehen, wenn die Afghanen selbst in der Lage sind, ihr Land zu führen. Ein Datum für einen baldigen Abzug festzusetzen, hilft in erster Linie nur den Gegnern des Friedens in Afghanistan.

Autor: Ratbil Shamel
Redaktion: Mathias Bölinger

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