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Deutschland

Der andere Mitbewohner

Viele Studierende leben in WGs. Warum also nicht auch Flüchtlingen ein Zimmer anbieten? Das haben sich die Studierenden der Uni in Lübeck gefragt und schon war die Idee für die Interkulturelle WG geboren.

Deutsche Welle: Nur wenige Wochen nachdem Sie Ihr Projekt "Interkulturelle WG" gestartet haben, berichteten bereits mehrere Medien darüber und Sie wurden sogar in das Bundeskanzleramt eingeladen, um mit der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration über das Projekt zu sprechen. Hätten Sie mit so viel Zuspruch gerechnet?

Alexander Bigerl: Wir waren sehr überrascht, dass wir den Zahn der Zeit so genau getroffen haben und so ein großes Medienecho entstanden ist. Das war weder geplant noch hatten wir damit gerechnet, da die Idee eigentlich recht losgelöst von der aktuellen Flüchtlingsthematik aufkam. Wir hatten einfach darüber nachgedacht, dass Erasmusstudierende stets in WGs wohnen, wenn sie nach Deutschland kommen. Und dann haben wir uns gefragt: Warum läuft es so anders mit Geflüchteten, die ja auch nach Deutschland kommen und eine Wohnung brauchen? Außerdem glauben wir, dass man am besten im Zusammenleben mit anderen Menschen die Sprache die Kultur und den Alltag in einem Land kennen lernen kann.

Warum engagieren ausgerechnet Sie sich als Studierendenvertretung in dieser Frage?

Wir hatten einfach die Idee und über den Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss, Anm. d. Red.) hat man die Strukturen, um an die Studierenden heran zu kommen, die ja meistens in WGs leben und damit war es logisch, es dem Asta anzugliedern. Die Idee kam aus dem Referat Politik, Ausland und Soziales und wir arbeiten auch mit dem Lübecker Flüchtlingsforum zusammen. Das Forum ist Mitglied im Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein und dadurch waren wir so ein bisschen sensibilisiert für die gesamte Flüchtlings-Thematik.

Mittlerweile haben Sie bereits einen Afghanen sowie einen Syrer in eine WG vermittelt. Wie funktioniert das Zusammenleben?

Die Erfahrungen sind bisher ganz gut. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir nicht wollen, dass WGs jemanden nur aus purer Gutmenschlichkeit aufnehmen, sondern dass es auch im Zwischenmenschlichen passen soll. Am Anfang war es so wie immer, wenn man neue Mitbewohner hat. Man musste sich kennen lernen, jeder hat ja so seine Eigenheiten, aber beide Geflüchteten haben sich eigentlich sehr gut eingelebt. Von einem weiß ich, dass er sich sehr wohl fühlt und die WG für ihn jetzt ein bisschen wie eine Ersatzfamilie ist.

Inwiefern lässt sich Ihr Konzept Ihrer Meinung nach für ganz Deutschland umsetzen?

Das Projekt lässt sich gut in den Bundesländern umsetzen, wo die dezentrale Unterbringung erlaubt ist. In Lübeck übernimmt das Sozialamt zum Beispiel auch die Miete und es besteht kein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Flüchtling und Vermieter. Schwieriger ist es allerdings dort, wo den Menschen kein eigener Wohnraum gezahlt wird und die Unterbringung in Massenunterkünften Pflicht ist.

Insgesamt ist wichtig zu sagen, dass es sich hier um eine sehr spezielle Lösung handelt, die nur für eine sehr kleine Gruppe von Geflüchteten in Frage kommt. In Deutschland leben ja vor allem auch Menschen zwischen 20 und 30 in WGs und das sind auch die WGs, zu denen wir Kontakt haben. Dementsprechend ist die Zielgruppe auf Seiten der Geflüchteten auch auf Menschen zwischen 20 und 30 und Alleinstehende begrenzt. Familien sind in WGs schon dann eine schwierige Sache, wenn sich alle vorher kennen. Deshalb wollen wir keine Familien vermitteln.

Alexander Bigerl ist Referent für Politik, Ausland und Soziales beim Asta der Universität Lübeck. Er ist einer der Mitbegründer der "Interkulturellen WG".

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