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Wirtschaft

Der Anden-Tiger lahmt

300.000 neue Arbeitsplätze versprach der peruanische Präsident Alejandro Toledo bei seinem Amtsantritt vor neun Monaten. Heute lehnen drei Viertel der Peruaner die Wirtschaftspolitik des Harvard-Absolventen ab.

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Deutschland-Besuch wegen Unruhen abgesagt: Perus Präsident Toledo

Eigentlich wollte Perus Präsident Deutschland um weitere Unterstützung für sein darbendes Land bitten. Doch die am 15. Mai 2002 geplante Werbetour für den Anden-Staat fiel ins Wasser: Wegen innenpolitischer Unruhen musste Alejandro Toledo seinen Staatsbesuch in Deutschland kurzfristig absagen. Angesichts eines Streiks in der Stromindustrie hatte die Opposition Toledo aufgefordert, im Land zu bleiben.

Vom Schuhputzer zum Staatspräsidenten

Dabei schien Toledo die besten Voraussetzungen zu haben, das hochverschuldete Land wieder auf Vordermann zu bringen. Seine Karriere führte ihn vom Schuhputzer zum Staatspräsidenten. Nach dem Gewinn eines nationalen Poesie-Wettbewerbs erhielt er ein Stipendium für ein Wirtschaftsstudium an der Harvard-Universität in den USA. Vielen Peruanern erschien der Politiker indianischer Abstammung als "Erlöser aus dem Volke".

Das Volk war das korrupte Fujimori-Regime, eine Art verdeckter Militärdiktatur, leid. Nach einer Zeit der Ausbeutung durch das Regime erhoffte es sich bessere Jahre.

Alejandro Toledo - Brand in Peru

Alejandro Toledo spricht zum Volk

Toledo verbreitete im Wahlkampf Zuversicht und versprach einen wirtschaftlichen Aufschwung. Einen "größeren Sprung als die sogenannten Tigerstaaten" – also zum Beispiel Taiwan oder Korea – kündigte der 56-Jährige vor seinem Amtsantritt im Juli 2001 an.

Seine Wahlversprechen, Arbeitsplätze zu schaffen, die Armut auszumerzen, ausländische Investoren anzulocken und Steuern zu senken, hat Toledo aber nicht einhalten können. Nach Umfragen lehnen mittlerweile 71 Prozent der Peruaner seine Wirtschaftspolitik ab.

Kohabitation auf peruanisch

Der Wirtschaftswissenschaftler hat die ökonomische Realität in Peru wohl falsch eingeschätzt. Denn bei seinem Amtsantritt fand er ein durch Bürgerkrieg, Naturkatastrophen und Korruption ruiniertes Land vor. Hinzu kommt eine Auslandsverschuldung in Höhe von 32,28 Milliarden US-Dollar – etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts – und ein Handelsdefizit von 1,82 Milliarden US-Dollar. Erst im März diesen Jahres sagte Bundesaußenminister Joschka Fischer Entwicklungshilfe in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zu.

Auch politisch ist der Präsident geschwächt. Seine Partei "Peru Posible" – Mögliches Peru – verfügt im Parlament nur über 45 von 120 Mandaten. Bei den meisten Abstimmungen kann Toledo aber mit einer breiten Mehrheit rechnen. Grund: Sein unterlegener Gegenkandidat bei der Präsidentschaftswahl, der frühere sozialdemokratische Präsident Alan Garcia, arbeitet mit Toledo zusammen – nicht ganz uneigennützig. Garcia profitiert von der Popularität des "einfachen Staatsmannes" – will er doch in fünf Jahren selbst in den Präsidentenpalast einziehen.

Es gibt auch Pluspunkte

Toledo verzeichnet aber Erfolge bei der Demokratisierung Perus und der Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit: Eine unabhängige Wahrheitskommission versucht, die von Militärs und der Terrorgruppe "Leuchtender Pfad" begangenen Verbrechen an Tausenden von Zivilisten ans Tageslicht zu bringen.

Sichere Freundschaft

US-Präsident George Bush und Perus Staatspräsident Alejandro Toledo

Auch außenpolitisch gibt es Pluspunkte: Nach jahrelangen Grenzstreitigkeiten sitzen die Nachbarn Ecuador und Peru wieder an einem Tisch.

Im März besuchte US-Präsident George W. Bush das Andenland und sagte Entwicklungshilfe zu. Von einem breiten wirtschaftlichen Aufschwung ist Peru aber noch weit entfernt: Das Land zählt weltweit immer noch zu den ärmsten Staaten. Kreditwürdig ist Toledo bisher vor allem bei den Wählern: Sein Vertrauensvorschuss ist noch nicht vollständig aufgebraucht.

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