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Wirtschaft

Der alte Riese wankt – 100 Jahre General Motors

Der amerikanische Autoriese General Motors feiert am 16. September sein 100-jähriges Bestehen – in seiner wohl schwersten Krise mit Rekordverlusten in Milliardenhöhe. Bringen Öko-Autos und neue Märkte die Wende?

Firmensitz von General Motors in Detroit (AP)

Die Autostadt Detroit ist Firmensitz von General Motors

William Durant (Archiv)

William Durant gründete vor 100 Jahren General Motors

Zu seinem Jubiläum steht der US-Konzern am Scheideweg. An Krisen ist General Motors (GM) gewöhnt, begleiteten diese den Konzern doch fast von Beginn an. Am 16. September 1908 gründete der ehemalige Kutschenbauer William Durant in Flint, Michigan, die General Motors Corporation. Durant startete mit der Marke Buick, bevor er auf Einkaufstour ging und viele der damals noch jungen amerikanischen Automarken erwarb: Oldsmobile, Pontiac, Cadillac und später Chevrolet.

Erfolgsgeschichte General Motors

Bereits 1920 stand General Motors erstmals vor dem Kollaps. Nur durch Finanzspritzen einiger Banken konnte der Konzern am Leben erhalten werden und bald darauf zu einem der Industriegiganten der Welt expandieren. 1923 gelang General Motors der Sprung nach Europa, wo der Konzern im dänischen Kopenhagen sein erstes Werk eröffnete.

Opel-Logo in einem Autorückspiegel (AP)

Opel gehört seit 1929 zu General Motors

1929 übernahmen die Amerikaner dann auch die Kontrolle beim deutschen Autobauer Opel. Ende der 20er Jahre zog General Motors schließlich an Ford vorbei und stieg zum größten Autokonzern der Welt auf. Anders als Ford setzte General Motors nicht auf Massenproduktion, sondern verfolgte eine Mehrmarkenstrategie nach dem Motto "ein Auto für jeden Geldbeutel und jeden Zweck". Zum Erfolg trug auch bei, dass die Amerikaner bei General Motors schon früh Autos auf Pump kaufen konnten. Schnelle Modellwechsel schufen zusätzliche Kaufanreize.

Ölkrise trifft General Motors

In den 70er Jahren begann der Riese zu wanken. Die ersten Ölpreisschocks stürzten den Automobilmarkt in die Krise und begünstigten den Aufstieg japanischer Marken. General Motors verlor zusehends Marktanteile und musste in den 80er Jahren Zehntausende Mitarbeiter entlassen. Auf Phasen der Erholung, in denen der Konzern vor allem mit Transportern und Geländewagen Gewinne machte, folgte eine lang anhaltende Krise, die nun Dauerzustand zu sein scheint: Seit dem Jahr 2005 hat General Motors Verluste von rund 70 Milliarden Dollar eingefahren.

Probleme auf dem Heimatmarkt USA

Vor allem auf dem Heimatmarkt USA gerät General Motors zunehmend ins Wanken: Kam in den 70er Jahren noch fast jedes zweite in den USA verkaufte Auto von General Motors, so liegt der Marktanteil heute bei gerade einmal 20 Prozent. Nach über 75 Jahren an der Spitze überholte in diesem Jahr zudem der japanische Autobauer Toyota den US-Konzern und verkauft nun weltweit die meisten Autos.

Hummer von general Motors auf der Automesse in Detroit (DPA)

Der Hummer von General Motors verbraucht bis zu 30 Liter auf 100 Kilometer

Auf seinem Heimatmarkt hat General Motors die Zukunft verschlafen: lange fuhren Geländewagen und Pick-Ups satte Gewinne ein. In Zeiten hoher Spritpreise und angesichts der Kreditkrise bevorzugen Amerikaner heute kleinere uns sparsamere Autos.

General Motors einstiges Flaggschiff "Hummer", einst das Statussymbol schlechthin, ist nun Sinnbild der Krise: 2007 verkaufte General Motors in den USA noch über 80 Prozent seiner Hummer. Im ersten Quartal 2008 brach die Quote um 40 Prozent ein. Der Konzern kämpft mit Rekordverlusten in Milliardenhöhe. Die Aktie lag zuletzt so tief wie seit fünf Jahrzehnten nicht und manche Experten halten selbst eine Insolvenz für nicht mehr völlig ausgeschlossen.

Hoffnungsträger Opel

Nicht viel anders sah die Entwicklung bei der deutschen GM-Tochter Opel aus. Nach jahrelangen Verlusten zog General Motors 2005 die Notbremse und verordnete der deutschen Automarke ein knallhartes Sanierungsprogramm: 9.000 Stellen wurden abgebaut. Dieser Schritt machte den Autobauer wieder profitabel. "Opel ist heute ein grundsolides Unternehmen, das technisch gut aufgestellt ist", sagt der Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. Auch General Motors hat das erkannt und möchte bis 2012 neun Milliarden Euro in Opel investieren.

Die Zukunft: Schwellenländer und Öko-Autos

Elektroauto Volt von General Motors (AP)

Das Elektroauto Volt kann mit Elektrizität, Benzin oder Biodiesel betrieben werden

Sein Heil sucht General Motors nun – wie fast alle anderen Traditionshersteller – in Schwellenländern wie Indien, China, Brasilien und Russland. Vor allem Opel ist in Russland erfolgreich. General Motors rechnet damit, dieses Jahr rund 100.000 Fahrzeuge dort abzusetzen.

Die Wende sollen zudem Öko-Autos bringen. Größtes Prestigeprojekt von General Motors ist das Elektroauto Volt, das von einem deutschen GM-Ingenieur entwickelt wurde. 2010 soll das Auto in den USA auf den Markt kommen. Ein Jahr später wird es als Opel-Modell auch in Europa zu haben sein. (san)

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