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Politik

Der Absturz des Radiostars

Für ihr Alter (214 Jahre) hat die US-Verfassung immer noch ihre Reize: die weitgehende Meinungs- und Redefreiheit beispielsweise. Doch die ist nicht grenzenlos, wie ein bekannter Radio-Moderator feststellen muss.

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Der amerikanische Radiomoderator Rush Limbaugh ist ein "dicker, fetter Idiot", wenn man dem Satiriker Al Franken Glauben schenkt. Diese Einschätzung wundert niemanden, der auch nur einen der beiden kennt: Limbaugh ist ein reaktionärer Talkshowhost und auf dem platten Land sehr beliebt. Franken dagegen ist ein linksliberaler Buchautor und hat seine Fans eher in den großen Städten an Ost- und Westküste. Was Frankens Einschätzung angeht: Limbaugh könnte zwar ein paar Pfunde verlieren, fällt aber im ohnehin übergewichtigen Amerika nicht weiter auf. Seine Intelligenz dagegen – oder der spontane Mangel daran – hat ihn gerade eine Nebentätigkeit gekostet.

Political Correctness ...

Limbaugh moderiert nämlich nicht nur täglich stundenlang und ziemlich laut im Radio, sondern gehörte seit einiger Zeit auch zum Team der Football-Sendung "NFL Sunday Countdown", im Stellenwert einem Fernsehheiligtum wie der Sportschau vergleichbar. In dieser Sendung sagte er, Donovan McNabb, Quarterback der Philadelphia Eagles, sei wohl doch ein wenig überschätzt. Das mag so sein oder auch nicht – Limbaughs Begründung sorgte für den Skandal: McNabb, so sagte der konservative Laut-Sprecher, werde von den Medien ja nur hochgejubelt, weil er schwarz sei.

Und da ist es, das Thema, das jetzt die öffentliche Diskussion so sehr beherrscht wie sonst nur die Frage, ob Arnold S., Gouverneurskandidat in Kalifornien, seine Muskelmassen dazu benutzt habe, flüchtig bekannten Damen den Badeanzug vom wohlgeformten Körper zu reißen.

... und alltäglicher Rassismus

Denn im Zeitalter der Politischen Korrektheit, die - anderslautenden Meldungen zum Trotz – lebendig ist wie eh und je, sagt man solche Dinge, wie Limbaugh sie von sich gegeben hat, einfach nicht. Wir dürfen zwar davon ausgehen, dass mehr weiße Amerikaner so denken, als für das Zusammenleben von schwarz und weiß in einem Land gut ist; darüber geredet wird jedoch nicht, und schon gar nicht im landesweiten Fernsehen. Das zu wissen, ist – sorry, Mr. Franken! – Mr. Limbaugh intelligent genug; schließlich häuft er mit gezielt dosiertem Rassismus knapp unterhalb der Schmerzgrenze seit Jahren ein Vermögen nach dem anderen an. Was er jedoch unterschätzt hat, ist die Empfindlichkeit, mit der Amerika reagierte. Rassismus ist zwar alltäglich in den USA, doch möchte man beim sonntäglichen Footballgucken nicht auch noch darauf hingeweisen werden.

Das Thema beherrscht jetzt Nachrichtensendungen wie Talkshows, Limbaugh ist seinen Nebenjob los und sieht sich Vorwürfen der Drogensucht ausgesetzt; nur der eigentlich Betroffene reagiert noch vergleichsweise gelassen: Mit Kritik an seiner Leistung könne er ja leben, sagte Donovan McNabb, nur seine Hautfarbe hätte man doch aus dem Spiel lassen können.