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Wirtschaft

Der Ölnerv liegt blank

Öl ist der Reichtum des Irak. Unter dem Wüstensand lagern die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Doch immer wieder wird der Export sabotiert. Jetzt haben die Fördermengen erneut einen Tiefpunkt erreicht.

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Zähflüssige Exporte behindern den Wiederaufbau

Es war ein ehrgeiziges Ziel das sich der irakische Ölminister Thamer Ghadban gesteckt hatte. Offiziell sollte der Irak bis Ende dieses Jahres die Ölförderung auf drei Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Nach Angaben der amerikanischen Energiebehörde EIA fiel die tägliche Rohölförderung von 2,2 Millionen Barrel im Oktober auf lediglich 1,8 Millionen im November.

Die Ölrechnung geht nicht auf

brennendes Öl

Immer wieder wird die Ölförderung sabotiert.

Eines der Hauptprobleme ist die Sicherheitslage. "Eigentlich hätte der Irak das Potenzial doppelt so viel Rohöl pro Tag zu fördern, also so viel wie vor dem Krieg, aber nicht unter diesen Umständen", erklärt der Ölexperte Muhammad-Ali Zainy, vom Centre for Global Energy Studies in London. Doch immer wieder werde die Infrastruktur aufs Neue sabotiert. Viele Pipelines im Irak brennen, oder arbeiten nur mit halber Kraft. Allein zwischen April und September zählte die EIA rund 130 Angriffe auf das irakische Energienetz. Es zu beschützen ist eine Mammutaufgabe, um die sich die englische Sicherheitsfirma Erinys kümmert. Rund 27.000 Angestellte bewachen die Ölfelder, dass sind rund dreimal so viele wie in der eigentlichen Ölförderung tätig sind.

Ölmulties schrecken zurück

Ein weiteres Problem sind mangelnde Investitionen. "Allein für die Instandsetzung der Infrastruktur auf das Förderniveau vor dem Krieg müsste der Irak bis zu fünf Milliarden Dollar aufbringen", erklärt Muhammad-Ali Zainy. Doch die großen internationalen Ölkonzerne haben das Interesse am Irak - zumindest mittelfristig - verloren. Den Unternehmen wie Shell und Exxon ist es zu gefährlich im Irak zu arbeiten. Auch juristisch ist ihre Rolle nicht geklärt. Die milliardenschweren Verträge des Saddam-Regimes mit China, Frankreich und Russland hängen rechtlich in der Luft und nach wie vor dürfen ausländischen Ölfirmen per Gesetz gar nicht in das nationale Ölgeschäft investieren. Ab nächstem Frühjahr soll das Monopol fallen, verspricht die neue irakische Regierung.

Eine Frage der Zeit

Irakische Ölraffinerie

Im Irak lagern schätzungsweise 115 Milliarden Barrel Rohöl.

Vor allem langfristig sind die Voraussetzungen für den Ölexport im Irak aber gut: Die Iraker müssen sich nicht an die Förderquoten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) halten und dürfen so viel Öl exportieren wie sie möchten. Die Produktionskosten sind mit ein bis zwei Dollar pro Barrel außerordentlich gering und Experten vermuten schon jetzt, dass durch den Einsatz westlicher Technologie die irakische Erdölproduktion innerhalb von vier bis fünf Jahren auf über fünf Millionen Barrel pro Tag gesteigert werden könnte. Doch hier schließt sich der Teufelskreis: Ohne Sicherheit keine wirtschaftliche Erholung und ohne Investitionen keine Öldollars, um die Infrastruktur gegen Sabotage zu schützen. Die Leidtragenden sind die Iraker, denn ohne das Öl ist der Wiederaufbau des Landes gefährdet.

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