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Made in Germany

Dennis Snower

Made in Germany bringt die Top-Ökonomen Deutschlands aus ihren Büros direkt in den praktischen Alltag. Diesmal: Dennis Snower im Arbeitsamt.

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Seine These: Die deutschen Arbeitsagenturen schaffen zu wenig Anreize für Arbeitssuchende, wieder einen Job anzunehmen. Snower will es besser machen, denn in der Ostsee-Region liegt die Arbeitslosenquote bei 13 Prozent. Trotz immer neuer Rekordzahlen in Deutschland hält der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft das Problem der Arbeitslosigkeit durchaus für lösbar. In Deutschland sei der Arbeitsmarkt allerdings zu wenig flexibel, findet der in Wien geborene US-Amerikaner. Er fordert mehr individuelle Beratung, die Entscheidungsfreiheit und Initiative bei den Arbeitssuchenden lässt. Wird Snower als Arbeitsvermittler seinen eigenen Ansprüchen gerecht?

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Das Weltwirtschaftsinstitut - hier ist er der Chef: Dennis Snower - Volkswirt und Arbeitsmarktexperte. Mit seinen Theorien will er frischen Wind in den deutschen Arbeitsmarkt bringen: "Was falsch läuft, ist eine richtig beinharte Kosten-Nutzen-Analyse: Die Arbeitsämter wissen nicht genau, wo sie den größten Mehrwert schaffen können und ihre Anreize sind nicht darauf fokussiert." Mehr Marktwirtschaft in der Arbeitsagentur - Dennis Snower will hier selber ran und es besser machen.

"Herr Snower, herzlich willkommen in der Agentur für Arbeit Kiel - schön dass Sie da sind. Ich werd Ihnen gleich Ihren neuen Arbeitsplatz zeigen ..." Der Volkswirt startet in seinen neuen Job als Arbeitsvermittler:

"Ich hab viel zu lernen - bis jetzt wars nur Theorie - und jetzt: auf in die Praxis!"

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Snowers erste Kundin - eine Krankenschwester: "Also mein Vertrag läuft zum 31. August dieses Jahres aus." - "Und das wissen Sie definitiv?" -"Ja, das weiß ich definitiv, es hat bereits ein Gespräch stattgefunden, wo mir das mitgeteilt wurde - dass der Vertrag nicht verlängert wird." Da kann Dennis Snower nicht helfen. Denn jetzt geht es um Formulare. Und die Arbeitssuchenden müssen warten. Die Krankenschwester will sogar für weniger Geld länger arbeiten - da verschlägt es dem Volkswirt glatt die Sprache. Doch tun kann er nichts - es ist keine Arbeit da.

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Ganz klar: Mehr Jobs müssen her - der Arbeitsvermittler braucht dringend Stellenangebote. Deshalb will Dennis Snower jetzt ran an die Arbeitgeber. "Guten Tag, Herr Weier, hier spricht Dennis Snower, von der Bundesagentur für Arbeit. Ich wollt fragen, ob‘s bei Ihnen Stellen frei gibt oder was sich bei Ihnen tut, ob wir Ihnen behilflich sein können." Am anderen Ende der Leitung: ein Mittelständler, der zwei Arbeitsplätze frei hat - aber nur hochspezialisierte: "So, Online-Programmierer suchen Sie, aber Sie sind sich noch nicht sicher ob die Nachfrage besteht."

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Snower muss erkennen: wenn überhaupt, bieten Unternehmen nur Jobs für Spezialisten oder für Aushilfskräfte - dazwischen gibts nichts. So läuft es hier jeden Tag - das Geschäft der 56 Arbeitsberater in der Arbeitsagentur Kiel. Snowers neue Kollegen sollen 30.000 Menschen bei der Job-Suche helfen. Doch das ist schwer, wenn keine Arbeit da ist. Dabei sind die Arbeitslosen durchaus flexibel und gut ausgebildet: "Das hat wirklich gezeigt, dass diese Arbeit, um mit dieser Herausforderung Arbeitslosigkeit fertig zu werden - ist eine menschlich wichtige - es ist kein theoretisches Spiel - Schicksale der Leute hängen hier im Spiel."

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Volkswirt Snower ist jetzt um eine Erfahrung reicher: es ist offensichtlich noch viel schwieriger Menschen in Deutschland eine Arbeit zu beschaffen als er je gedacht hätte.

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Und so hat Dennis Snower selbst seinen Auftritt im Arbeitsamt erlebt:

DW-TV: Was haben Sie als Erstes gedacht, als Sie erfahren haben, dass die Deutsche Welle Sie ins Volk schicken möchte?

Dennis Snower: Das wird eine wichtige Herausforderung sein. Meine Forschung soll praxis-bezogen sein. Wird sie den Relevanz-Test im Arbeitsamt bestehen?

DW-TV: Was hat Sie an dem Ausflug ins Volk gereizt?

Dennis Snower: Ich habe viel Erfahrung in der wirtschaftpolitischen Beratung über Arbeitslosigkeit aber derzeit noch relativ wenig Kontakt zu den Betroffenen, den Arbeitslosen. Der Ausflug war eine wichtige Chance, diesen Mangel zu mindern.

DW-TV: Mit welchen Erwartungen sind Sie gegangen?

Dennis Snower: Ich wollte mich ohne Vorurteile, völlig frei und offen, ins Geschehen werfen.

DW-TV: Wie hat Ihnen die Begegnung mit dem Volk gefallen?

Dennis Snower: Sehr. Ich war besonders beeindruckt, wie aufgeschlossen, willig und konstruktiv die Arbeitslosen waren, mit denen ich mich unterhalten habe.

DW-TV: Hat Sie etwas überrascht, vielleicht auch an sich selbst?

Dennis Snower: Mir wurde klar wie schwierig es oft ist, Arbeitslose zu vermitteln. Das habe ich selbst erlebt. Ich bin daher überzeugt, dass man Arbeitnehmern und Arbeitgebern zugleich maximale Anreize geben soll, maximal viel im Arbeitssuchprozess beizutragen.

DW-TV: Was war die größte Herausforderung für Sie vor Ort?

Dennis Snower: Die größte Herausforderung war, diese Erlebnisse in wirtschaftpolitische Einsichten zu übersetzen.

DW-TV: Welche Erfahrungen haben Sie mitgenommen? (persönlich aber auch beruflich)

Dennis Snower: Wichtige Erfahrungen. Auf persönlicher Ebene, sah ich mit besonderer Klarheit, dass Arbeitslosigkeit als Schicksalsschlag, nicht als Statistik, betrachtet werden soll. Auf beruflicher Ebene, bin ich überzeugt, dass die zentrale Herausforderung ist die gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen zu schaffen, so dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen natürlichen Anreize bekommen, Beschäftigung zu schaffen.

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