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Politik

Denkmale und Gedenken

Während in Berlin das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" errichtet wird, warnen Kritiker vor einer "Hierarchisierung" der verschiedenen Opfergruppen: Einige von ihnen geraten dabei aus dem Blickfeld.

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April 2003: Baubeginn des Holocaust-Mahnmals in Berlin

Der Deutsche Bundestag beschloss am 25. Juni 1999, in Berlin ein "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" zu errichten. Unter dem Motto "Zukunft braucht Erinnerung" soll das Denkmal ein zentraler Ort der Erinnerung und Mahnung in Verbindung mit anderen Gedenkstätten und Institutionen sein. Neben dem Denkmal soll ein ergänzender "Ort der Information" entstehen. Den Anstoß zu dem Vorhaben gab 1988 ein Kreis um die Publizistin Lea Rosh.

Die Realisierung wurde der selbständigen "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" übertragen. Sie hat sich verpflichtet, "die Erinnerung an alle Opfer des Nationalsozialismus und ihre Würdigung in geeigneter Weise sicherzustellen." Dennoch lehnte es der Förderkreis um Rosh ab, das Denkmal gemeinsam mit den Opfer-Verbänden von Sinti und Roma, Homosexuellen oder Behinderten zu planen, so wie es diese vorgeschlagen hatten.

Daraufhin entstand eine breite Diskussion, ob ein Denkmal für alle Opfer des nationalsozialistischen Terrors sinnvoll sei oder eines, das der größten Opfergruppe der Juden gedenkt. Der Historiker Eberhard Jäckel meinte: "Der Mord an den europäischen Juden ist ein einzigartiger Vorgang gewesen und er verdient ein eigenes Denkmal."

Gleiche Behandlung aller Opfer gefordert

Dagegen warnt der Direktor der Stiftung "Topographie des Terrors", der Rabbiner Andreas Nachama, vor einer Hierarchisierung der verschiedenen Opfergruppen. Das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas werde nur dann angenommen, wenn auch für Sinti und Roma, Homosexuelle oder Euthanasie-Opfer "würdige Gedenksituationen" geschaffen würden, sagte der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin in einem Zeitungsinterview.

Das Denkmal reiht sich ein in eine Vielzahl von Gedenkstätten und Dokumentationszentren weltweit. Zu den bekanntesten gehören die Gedenkstätte "Yad Vashem" in Jerusalem und das "Museum of Jewish Heritage" in New York. In diesem Jahr neu eröffnet wird das Holocaust Museum in Budapest, das in einer leerstehenden Synagoge entsteht. Die offizielle Eröffnung findet in Anwesenheit des israelischen Präsidenten am 16. April zum 60. Jahrestag des Beginns des ungarischen Holocaust statt.

Mit dem Bau des "Denkmals für die ermordeten Juden Europas" in Berlin wurde im April 2003 begonnen. Das Einzigartige an dem Berliner Denkmal im Vergleich zu anderen Mahnmalen im Ausland sei die Größenordnung, so Reinhard Rürup von der Stiftung "Topographie des Terrors". Bei dem Vergleich der Diskussionen um Holocaust-Gedenkstätten im In- und Ausland gibt Rürup zu Bedenken, dass die Situation in Deutschland eine andere sei als im Ausland.

Gedenken an die Opfer

In anderen Ländern stehe das Gedenken an die Opfer im Vordergrund, während es in Deutschland auch darum gehe, über die Täter und ihre Gesellschaft aufzuklären. Auch Rürup ist der Auffassung, dass es eine Hierarchisierung der Opfer nicht geben sollte. Der Mord an den Juden sei weltgeschichtlich einzigartig, aber es gebe viele andere Opfer und "jedes Opfer muss für sich ernst genommen werden".

1996 wurde der 27. Januar zum "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" erklärt. An diesem Tag wurde 1945 das Konzentrationslager Auschwitz befreit, Zentrum der Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg. Reinhard Rürup hat sich gegen die Entscheidung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog ausgesprochen, da das Datum den Eindruck erwecken könne, dass Juden im Vordergrund des Gedenkens stünden. Seiner Meinung nach hätte ein Datum wie der 1. September (Kriegsbeginn 1939) die europäische Dimension des Nazi-Terrors deutlicher gemacht.

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