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Asien

"Den Worten müssen Taten folgen"

Die zweite Bonner Afghanistan-Konferenz ist zu Ende. Konkrete Vorschläge, wie sich die desolate Lage am Hindukusch verbessern könnte, wurden nicht geliefert. Dennoch war die Konferenz enorm wichtig, meint Ratbil Shamel.

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Vielleicht hatten sie voneinander abgeschrieben, die vielen Spitzenpolitiker auf der Bonner Afghanistan-Konferenz. Ihre Reden waren zum Teil identisch: "Wir werden die Menschen in Afghanistan nicht allein lassen." Einstimmig forderten sie die afghanische Regierung auf, mit allen Gruppen des Landes Friedensgespräche zu führen. Gemeint waren vor allem die Taliban. Doch die Taliban waren in Bonn nicht anwesend. Ob sie nicht kommen wollten, oder ob sie nicht eingeladen worden waren, wurde zu keinem Zeitpunkt wirklich geklärt.

Ratbil Shamel

Ratbil Shamel, Leiter der Afghanistan-Redaktion von DW-RADIO/DW-WORLD.DE

Die Bundesregierung als Gastgeber versicherte, sie werde die Afghanen nach 2014 nicht im Stich lassen. Wenn in rund drei Jahren alle ausländischen Kampftruppen das Land am Hindukusch verlassen, werde die internationale Gemeinschaft dem Land weiterhin zur Seite stehen. Die deutsche Hilfe werde sich, so Bundeskanzlerin Angela Merkel, noch stärker als bisher auf die Ausbildung der Sicherheitskräfte und den Wiederaufbau konzentrieren.

Doch wozu diese vollmundigen Versprechen? Den Menschen in Afghanistan soll offenbar das Gefühl vermittelt werden, dass sie diesmal wirklich nicht allein gelassen werden. Vor rund einem Jahr verkündeten die westlichen Regierungen, womöglich aus wahltaktischen Gründen, dass die Militär-Mission in Afghanistan Ende 2014 vorbei sein würde. Diese Botschaft löste in vielen Teilen der afghanischen Bevölkerung eine regelrechte Panik aus. Sie rief Erinnerungen an die 90er Jahre wach. Nach dem Rückzug der Roten Armee war das Land damals in einem grausamen Bürgerkrieg versunken. Die Menschen befürchten nun, dass das entstehende Machtvakuum zu den gleichen verheerenden Konsequenzen führen könnte.

Die Abzugpläne müssen den Afghanen verständlich gemacht werden. Das aber blieb aus. Viele Afghanen fragen sich, ob sie sich nicht besser schon heute mit den Taliban gut stellen sollten, da diese aller Voraussicht nach spätestens 2014 erneut zu den Mächtigen im Land gehören werden. Diese Sorge wurde im Westen erkannt, wenn auch zu spät. Die Bonner Afghanistan-Konferenz sollte das verloren gegangene Vertrauen wieder gut machen. Das ist ihr nur teilweise gelungen.

Dennoch können die Menschen in Afghanistan nun ein wenig Hoffnung schöpfen. Die internationale Gemeinschaft hat deutlich zum Ausdruck gebracht, bis 2024 auf der Seite Afghanistans zu stehen und den Friedens- und Aussöhnungsprozess unterstützen zu wollen. Den Worten müssen nun Taten folgen, damit sich das Leben der Menschen in Afghanistan tatsächlich verbessert. Nur wenn die Polizei gestärkt wird, kann sich die Sicherheitslage verbessern. Die Korruption muss entschieden bekämpft werden. Und nicht zuletzt muss Bildung für alle erreichbar gemacht werden. Um das zu erreichen, müssen die Afghanen und die internationale Gemeinschaft eine gemeinsame Strategie entwickeln. Die Bonner Afghanistan-Konferenz war der erste Schritt auf diesem langen Weg.

Autor: Ratbil Shamel

Redaktion: Ana Lehmann