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Deutschland

Den Tieren eine Stimme geben

Seit zehn Jahren steht der Tierschutz in Deutschland im Grundgesetz. Viel verbessert habe sich dadurch nicht, kritisieren Tierschutzorganisationen und fordern am Welttierschutztag mehr Rechte für Tiere.

Obwohl in Deutschland der Tierschutz seit zehn Jahren im Grundgesetz verankert ist, werden Millionen Tiere weiter in fensterlosen Hallen und engen Verschlägen gehalten, werden in Versuchen gequält und missbraucht. Zwar habe es Verbesserungen bei der Haltung von "Nutztieren" gegeben, heißt es im aktuellen Tierschutzbericht. Die Verbesserungen der vergangenen Jahre seien jedoch insgesamt marginal, kritisieren Tierschutzorganisationen. Sie fordern anlässlich des Welttierschutztages Tieren sowohl politisch wie auch juristisch eine Stimme zu geben.

Tierschutz im Grundgesetz – ein zahnloser Tiger

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) Foto: Carmen Jaspersen (dpa)

Ministerin Ilse Aigner will die Käfighaltung weiter erlauben

Die Tierschutzbewegung in Deutschland konnte in der Vergangenheit schon einige wichtige Erfolge erzielen, wie unter anderem die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz. Danach muss eine Abwägung stattfinden, zwischen dem Wohl der Tiere einerseits und den Interessen der Halter andererseits. Geändert hat sich am Leid vieler Tiere in den Ställen und den Laboren aber offensichtlich nicht viel. Nach wie vor können Hühner, Schweine und Rinder auf engstem Raum gehalten werden. Bei den Hühnern will Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner noch für über 20 Jahre die Käfighaltung erlauben. Dabei habe der Bundesrat, die Vertretung der Bundesländer, etwas anderes beschlossen, empört sich die rheinland-pfälzische Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Ulrike Höfken von den Grünen: Die Bundesregierung würde schlicht das Regieren verweigern.

Verbraucher werden bei Tierprodukten getäuscht

Welche Eier der Verbraucher verzehrt, ob aus Käfig-, Boden oder Freilandhaltung, bleibt bei Fertigprodukten völlig unklar. Grundsätzlich würden die Konsumenten in Deutschland nicht ausreichend darüber informiert, wie Eier, Fleisch, Milch oder Wolle produziert werden, kritisiert Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund.

Hennen drängen sich in einer legebatterie Foto: Joerg Koch (dapd)

Legebatterie: Woher stammen die Eier in Fertigprodukten?

Schröder setzt auf die Marktmacht der Verbraucher, um Veränderungen in der Tierhaltung herbeizuführen. "Der Verbraucher will handeln können, das heißt aber, er braucht auf den Packungen auch Kennzeichnungen, mit denen er handeln kann."  Der Verbraucher werde im Grunde getäuscht und die Unternehmen nutzten dies aus. Das dürfe es nicht geben, es müsse eine klare Kennzeichnung her, fordert Schröder.  Am besten wäre es jedoch, überhaupt keine Eier mehr aus Käfighaltung zu verwenden.

Tiernutz- statt Tierschutzgesetz

Zahlreiche "Schlupflöcher" im Tierschutzgesetz würden immer noch schlimmste Quälereien erlauben, sagt Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund. Es sei eher ein Tiernutzgesetz, das den Wünschen derjenigen sehr entgegenkomme, die Tiere nutzen wollen. "Es ist legal, Hühnern die Schnäbel abzubrennen oder auch Schweinen die Schwänze zu kupieren, die werden abgeschnitten ohne Betäubung. Es ist eine Katastrophe, das so etwas in einem Tierschutzgesetz steht", empört sich die Biologin.

Hausschweine in Massentierhaltung zusammengepfercht in einer kleinen Boxen

"Schweineleben": Stall in der Schweinezucht

Immerhin konnten die Tierschützer am vergangenen Dienstag (02.10.2012) einen kleinen Erfolg verbuchen. Sie hatten gegen ein Unternehmen aus Thüringen geklagt, das Schweine zu "Versuchszwecken" an das US-Militär verkaufen wollte. Den Schweinen sollten schwere Hieb- und Stichwunden zugefügt werden, um zu testen, wie lange sie anschließend überleben. Das Verwaltungsgericht Gera gab den Tierschützern recht und verbot das zweifelhafte Geschäft. Eisenhardt von Loeper vom Verein Menschen für Tierrechte begrüßt das Urteil. Es zeige, wie wichtig und notwendig die leider noch wenigen juristischen Entscheidungen zugunsten von Tieren seien.

Der Verein Menschen für Tierrechte, der Deutsche Tierschutzbund und auch die Verbraucherzentralen wollen gerade am Welttierschutztag mit deutschlandweiten Aufklärungsaktionen den Tieren eine Stimme geben. Sie fordern vor allem für Verbände ein Klagerecht gegen Tierquälerei. Bislang können nämlich nur Einzelpersonen gegen Verstöße vor Gericht ziehen und müssen dann langwierige juristische Auseinandersetzungen und mögliche Verfahrenskosten in Kauf nehmen. Nach Ansicht von Tierschutzorganisationen würde ein Verbandsklagerecht dazu führen, dass der in der Verfassung verankerte Tierschutz ein deutlich größeres Gewicht bekommt.