Den Schleier gelüftet: Haute Couture in Saudi-Arabien | Lebensart | DW | 11.04.2018
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Lebensart

Den Schleier gelüftet: Haute Couture in Saudi-Arabien

Das konservativ-muslimische Königreich setzt seinen Weg der Öffnung fort: Am Dienstagabend hat in Riad die erste Arab Fashion Week in Saudi-Arabien begonnen. Mit dabei: Jean Paul Gaultier und Roberto Cavalli.

Die erste Modewoche Saudi-Arabiens findet vor einem rein weiblichen Publikum statt. Angereist sind internationale Modestars wie Jean Paul Gaultier und Roberto Cavalli. Neben solchen Fashion-Größen werden aber auch die Arbeiten beliebter einheimischer Modeschöpferinnen gezeigt - zu den lokalen Modestars zählen etwa die Designerinnen Arwa Banawi und Maschael al-Radschhi. Die Besucherinnen der Modemesse können die neuesten Kollektionen nicht nur bestaunen, sondern auch sofort erwerben.

Vier Tage dauert die Veranstaltung im Ritz-Carlton-Hotel von Riad, die weit mehr ist als nur eine Modemesse: Sie ist auch als politisches Signal und damit als Fortsetzung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernisierung des Landes zu verstehen, die Kronprinz Mohammed bin Salman vorantreibt. Sogar eine Lockerung der strengen Bekleidungsvorschriften für Frauen stellte er kürzlich in Aussicht.

"Neue Ära für das Königreich"

Saudi Arabien: Fashionweek 2018 (Getty Images/AFP/F. Nureldine)

Vorbereitungen vor der Eröffnung

In dem erzkonservativen Land, das vom Wahhabismus, einer besonders strengen Auslegung des Islam, geprägt ist, schreibt die Kleiderordnung Frauen bisher vor, in der Öffentlichkeit einen langen schwarzen Mantel ("Abaja") zu tragen. Dieser Schleierzwang reduziert den Spielraum für modische Extravaganz natürlich erheblich.

Trotzdem sei Saudi-Arabien keinesfalls eine Modewüste, sagte Prinzessin Nura bint Faisal al-Saud, die Ehrenpräsidentin des Arabischen Moderats, der Nachrichtenagentur AFP. Der Arabische Moderat hatte die Fashion Week bereits im Februar angekündigt. "Mode stieß immer schon auf Interesse in Saudi-Arabien", so die Prinzessin bei der Eröffnung. "Wir versuchen, die Modeindustrie hier auf ein ganz neues Niveau zu heben." Von einer "neuen Ära für das Königreich und für die gesamte arabische Welt" sprach gar Jacob Abrian, der Chef des Arabischen Moderats.

Königreich im Wandel

Saudi Arabien: Fashionweek 2018 (Getty Images/AFP/F. Nureldine)

Besucherinnen, auch ohne Schleier, am 10.04.2018 bei der Eröffnung der Fashion Week in Riad

In der letzten Zeit hatte Kronprinz Mohammed bin Salman gleich mehrere tiefgreifende Gesellschaftsreformen angestoßen: Im Januar durften Frauen zum ersten Mal für Fußballspiele in Stadien gehen. Erstmals seit 35 Jahren werden wieder Filme in einem öffentlichen Kino gezeigt - bis zum Jahr 2030 sollen im Land sogar mehr als 350 Kinos entstehen. Mit einer Auswahl von Kurzfilmen nimmt Saudi-Arabien im Mai erstmals in seiner Geschichte am Filmfestival von Cannes teil. Ab Juni sollen Frauen selbst Auto fahren dürfen. Ihnen soll zudem erlaubt werden, in Zukunft ohne die Erlaubnis eines Mannes Unternehmen zu gründen. Bin Salmans erklärtes Ziel ist es, den Anteil der Frauen am Arbeitsmarkt von derzeit 22 Prozent auf mehr als 30 Prozent im Jahr 2030 zu steigern.

Eine zweite Ausgabe der Arab Fashion Week in Riad ist bereits für Oktober geplant. In Dubai, das bisher Gastgeber der Arab Fashion Week war, findet vom 9. bis 12. Mai schon die sechste Modemesse statt.

nf/bb (afp, arabnews.com, arabfashionweek.org)

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