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Kultur

"Den richtigen Ton getroffen"

Die amerikanische Öffentlichkeit und die US-Medien nehmen großen Anteil an der Europareise von George W. Bush. In Sonderbeilagen, ausführlichen Kommentaren und zahlreichen Live-Schaltungen verfolgen sie jeden Schritt.

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Die Amerikaner hören genau zu, was ihr Präsident im Ausland sagt

Hohe Erwartungen waren in den USA an diese Reise geknüpft, nicht zuletzt deshalb, weil die Medien schon vor Beginn intensiv über darüber berichtet hatten. Den Schwerpunkt legten sie dabei meist auf der Wiederherstellung der angespannten transatlantischen Beziehungen. Bush besuche Europa im Wissen, was ihn dort erwarte, nämlich ...

"... unterschwellige Spannungen als Folge der Invasion des Irak und der falschen Geheimdienstberichte zu irakischen Massenvernichtungswaffen." (ABC)

Allgemeiner Beifall

Großes Verständnis äußern die meisten Medien für den konzilianten Ton, in dem Bush die Freundschaft zwischen Vereinigten Staaten und Europa in seiner Brüsseler Grundsatzrede beschwor.

"Er hat viele Dinge angesprochen, die den Europäern wichtig sind. Er sagte, dass er sei für ein starkes und vereintes Europa, weil dieses ein starker Verbündeter für die USA sei. So klar hat sich in dieser Frage noch kein US-Präsident geäußert. Und er hat gesagt, dass das vordringlichste Ziel ein Frieden im Nahen Osten sei. Worte, wie sie alle in Europa hören wollten." (CNN-Korrespondent Robin Oakley)

Sogar Bush-Kritiker, wie der frühere NATO-Oberbefehlshaber in Europa, Wesley Clark, zollten Bush für seinen Brüsseler Auftritt Lob.

"Er hat den richtigen Ton getroffen, hart gegenüber Russland, er hatte Recht, indem er Syrien zum Verlassen des Libanon aufforderte. Er hat Recht, wenn er sagt, dass Europa und die USA zusammen Großes leisten können. Dies ist vom Grundsatz her die richtige Verankerung unserer Außenpolitik. Ich wünschte, Bush hätter das vor vier Jahren erkannt. Aber jetzt müssen den Worten auch Taten folgen, und dass gilt auch für die Allierten." (Wesley Clark)

Was meinen die Leute auf der Straße?

In der amerikanischen Bevölkerung findet die Tatsache, dass Bush die erste Auslandsreise seiner zweiten Amtszeit nach Europa unternommen hat, ebenfalls breite Zustimmung. In der Hauptstadt Washington äußerten sich die meisten befragten Passanten am Montag so wie diese junge Frau:

"Ich habe Deutschlands Einwände gegen den Irakkrieg geteilt. Und um unsere Beziehungen zu Europa, die um zwei Jahrzehnte zurückgeworfen wurden, wieder in den alten guten Zustand zu bringen, wird es mehr als nur einen Besuch brauchen. Aber es ist ein guter Anfang."

Eine andere Meinung vertrat dieser Amerikaner:

"Ich meine, er sollte sich vor allem um den Zustand unserer Wirtschaft hier in den USA kümmern. Er kümmert sich zuviel um die Europäer, er sollte lieber sich den Problemen zuhause widmen."

Wo ist Europa?

Neu ist die Aufmerksamkeit, die die US-Medien der EU widmen. Die "New York Times" erinnert ihre Leser in dieser Woche daran, dass die EU mit ihrem gemeinsamen Bruttosozialprodukt von elf Billionen Dollar fast auf gleicher Augenhöhe mit der US-Wirtschaft liege. Wie überhaupt die europäischen Institutionen und ihre Politiker den Amerikanern erst einmal nahe gebracht werden müssen.

Seit der Irak-Krise wissen zwar viele, dass der französische Präsident Jaques Chirac heisst, aber wer bitte ist Javier Solana? Viele US-Medien begleiten die Bushreise mit einer interaktiven Karte, damit auch Amerikaner, die sich mit der europäischen Geographie nicht ganz so gut auskennen, die Reise ihres Staatsoberhauptes nachvollziehen können. Schließlich waren Mainz und Bratislava auf US-Landkarten bislang ziemlich weiße Flecken.

Im Übrigen registrieren die US-Medien durchaus, dass in den transatlantischen Beziehungen die Zeit vorangeschritten ist. So erinnert die "New York Times" in einer nostalgischen Betrachtung daran, dass schon Bushs Vater im Mai 1989 Mainz besucht hatte - damals habe er eine entspannte Dampferfahrt auf dem Rhein unternommen, während für seinen Sohn der gleiche Fluss 16 Jahre später für jeglichen Schiffsverkehr gesperrt wird.