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Musik

Den Noten in Leipzig auf der Spur

Leipzig ist Musikstadt. Neben Johann Sebastian Bach hat die Stadt in Sachsen viele weitere berühmte Musiker und Komponisten angelockt. Ihnen widmet sich ein musikalischer Stadtrundgang.

Auftakt zur Leipziger Notenspur auf dem Marktplatz mit blauen Ballons

Eröffnung der Leipziger Notenspur Leipzig Deutschland

Es scheint nicht einfach, einen übergroßen Luftballon zu dirigieren, wenn kalter Nordwind über den Leipziger Marktplatz fegt. Die Choreografie zum Auftakt der "Leipziger Notenspur" ist weniger einstudiert als zufällig, doch die Tänzerinnen der Musikschule "Johann Sebastian Bach" in ihren blauen Kostümen lächeln das Durcheinander einfach weg. 23 im Wind zappelnde blaue Ballons - jeder von einer Tänzerin gehalten - symbolisieren je eine Station des musikalischen Stadtrundgangs.

Werner Schneider - Initiator der Leipziger Notenspur

Werner Schneider - Initiator der Leipziger Notenspur

Und während unten die Mädchen gegen die Naturgewalten kämpfen, stehen wenige Meter über ihnen auf dem Balkon des alten Leipziger Rathauses die Herren, denen sie diese Darbietung zu verdanken haben. Gleich neben Oberbürgermeister Burkhard Jung, der überschwänglich sein Leipzig als die "Welthauptstadt der Musik" anpreist, lächelt nicht weniger stolz Werner Schneider, der Vater dieser Notenspur.

Kurze Wege, langer Atem

Audio anhören 01:34

Musikalische Kostprobe? Das A-Capella-Ensemble "amarcord" zum Auftakt der Leipziger Notenspur

Schneider ist Physiker an der Universität Leipzig und Liebhaber klassischer Musik. Die Notenspur ist seine Idee, drei Anläufe hat er gebraucht, um die Stadt davon zu überzeugen. Erste Gedanken um diesen Rundweg, der nun 23 bedeutende Orte Leipziger Musikgeschichte symbolisch und über kleine Markierungen im Boden miteinander verbindet, hat er sich bereits 1998 gemacht. Anfangs wollte die Stadt von seinen Plänen wenig wissen, doch Schneider blieb hartnäckig. "Was wir in Leipzig haben, diese örtliche Dichte an authentischen Musikstätten weltberühmter Komponisten, und das alles zu Fuß erreichbar, das kann weltweit keine andere Stadt ihren Gästen bieten", sagt er. Womit der Physiker durchaus Recht hat und wovon sich acht Jahre später auch endlich die Stadt überzeugen ließ.

Werbung für die Notenspur vor der Leipziger Oper

Vor der Leipziger Oper

Denn für ein gutes Stadtmarketing, als Werbebotschaft für die Musikstadt an der Pleiße, ist diese Notenspur ein wahrer Segen. Der Norweger Edvard Grieg, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Richard Wagner und natürlich Johann Sebastian Bach - sie alle sind eng mit Leipzig verbunden, haben hier gewohnt und gearbeitet, und so die musikalischen Wurzeln dieser Stadt begründet. In den vergangenen Jahrhunderten zog es Dutzende deutsche und europäische Künstler, Schriftsteller und Komponisten in die sächsische Musikmetropole. Trotzdem hat es weitere sechs Jahre gedauert, bis alles Geld für das Projekt beisammen und der Slogan "Musik bewegt die Stadt" zu Papier gebracht war. Nun endlich ist es Realität und für Besucher zu sehen.

Im Wohnzimmer der Komponisten

Markierung im Boden zur Leipziger Notenspur

Markierungen im Boden weisen den Notenweg

Die fünf Kilometer lange Notenspur beginnt am berühmten Leipziger Gewandhaus. 300 Meter östlich führt sie weiter zum original erhaltenen Wohn- und Sterbehaus Felix Mendelssohn Bartholdys, danach zum Museum für Musikinstrumente. Mit seinen 5000 Exponaten gehört das Haus zu den größten Sammlungen der Welt. Über den alten Johannisfriedhof, auf dem berühmte Kantoren, Musikschriftsteller oder etwa die Mutter und auch die Schwester Richard Wagners begraben liegen, gelangt man zum Robert-Schumann-Haus. Hier lebte der Komponist von 1840 bis 44 mit seiner Frau Clara Wieck, und hier komponierte er unter anderem seine Frühlingssymphonie.

Die Notenspur führt zurück in den Stadtkern, vorbei am Richard-Wagner-Denkmal, der Oper, der Nikolaikirche und Nikolaischule. Berühmtester Schüler hier: Richard Wagner. Ebenfalls dabei, das Museum der bildenden Künste, danach geht es quer über den Marktplatz, vorbei an Station Nummer 13, dem alten Rathaus, weiter zum Thomaskirchhof mit den Highlights der Tour: der Thomaskirche und dem Bachmuseum. 27 Jahre hat Johann Sebastian Bach hier als Kantor gewirkt und viele seiner Hauptwerke komponiert, das Weihnachtsoratorium sowie Johannes- und Matthäus-Passion.

Zum Auftakt der Notenspur spielten an Dutzenden Orten große Orchester, kleinere Bands, sangen Laienchöre auf den Stufen vor der Oper. Die Besucher, manche extra zum Programm angereist, andere zufällig in der Stadt, waren überwiegend begeistert. "Eine tolle Sache für Leipzig, und besonders schön, dass die Initiative überwiegend aus dem Engagement der Bürger entstanden ist", so ein Zuhörer. Tatsächlich haben viele kleine Sponsoren das Projekt erst möglich gemacht, was zeigt, dass Leipzig eine Stadt von Musikliebhabern ist, die sich gern für ihr großes Erbe einsetzen.

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