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Kultur

Den Königsweg zum Film gibt es nicht

Wer einen der heiß begehrten Workshop-Plätze beim "Berlinale Talent Campus" ergattern konnte, ist glücklich. Rund 350 Teilnehmer aus 95 Ländern erhofften sich auf Deutschlands größtem Filmfestival einen Karriere-Schub.

Zwei junge Männer unterhalten sich und lachen dabei (Foto: Berlinale)

Immer auf der Suche nach den richtigen Leuten

Astrid Rondero aus Mexiko hatte ein klares Ziel, als sie sich beim "Talent Campus" beworben hat: Sie wollte hier ihren Kurzfilm "In Still Waters" zu Ende schneiden. Deshalb reichte die Studentin den 18-Minüter beim "Campus Editing Studio" ein, einem der ganztätigen Workshops der Akademie. Ihr Film wurde angenommen, und nun durfte Astrid einen ganzen Tag lang mit einer Regisseurin und Cutterin zusammenarbeiten, die sie seit Jahren bewundert: Susan Korda. "Es war unglaublich mit ihr. Alleine wäre ich nie so weit gekommen", schwärmt die 26-Jährige. Der Film ist nun nur noch 13 Minuten lang, aber Astrid ist glücklich. "Wir haben an den Stellen die Schere angesetzt, bei denen ich mir ohnehin immer unsicher war." Und sie hat ein neues Motto: "Kill your darling", was beim Schneiden heißt, dass man sich von seiner Lieblingspassage trennen soll. Wenn Astrid zurück in Mexiko ist, dann will sie den Film bei so vielen Festivals wie möglich einreichen.

Es geht um kreative Kontakte

Eine dunkelhaarige Frau mit Brille (Foto: Ricarda Otte)

Astrid hat in Berlin viel gelernt

Die zierliche Mexikanerin mit der großen Brille studiert an einer der renommiertesten Filmschulen Mexikos. Solch eine Schule gebe einem die Basis, meint Astrid. "Sie bringt dich an die richtigen Leute, um mit dem Arbeiten anzufangen", es sind die Kontakte, die zählen. Nicht die sozialen, sondern die kreativen. Ihr Film wäre auch ohne die Reise nach Berlin fertig geworden, aber er sähe anders aus.

Filmhochschulen sind überall anders

Zwei junge dunkelhäutige Männder über einen Prospekt gebeugt (Foto: Berlinale)

Filmemacher beim "Berlinale Talent Campus"

Mark Khalife ist ziemlich wütend, wenn er an die Zeit seines Bachelors an seiner Universität in Beirut zurückdenkt. "Es war einfach zu gemütlich dort, wir haben uns alle gegenseitig eingelullt. Wenn du nicht arbeiten musst, dann arbeitest du auch nicht", sagt er und klagt darüber, dass er keine richtigen Arbeitsproben vorzuweisen hat. "Wir haben immer nur Übungen gemacht, die waren aber nicht zielführend, weil es nie um das Endprodukt ging." Ein weiteres Manko: Es wurde nur mit digitalen Videos gearbeitet, nicht mit richtigem Filmmaterial. Mark ist 23 Jahre alt, er würde gerne noch einen Master in Regie machen, aber fest steht: nicht im Libanon. Er liebäugelt mit der US-Westküste, Großbritannien oder Berlin. Das Problem, keine eigenen Arbeiten vorweisen zu können, hat Sasha Romm nicht. Die Russin aus Sankt Petersburg ist gerade mal 20 Jahre alt und hat schon vier eigene Kurzfilme gedreht. Einfach, weil das bei ihr an der Hochschule so Usus ist. Sasha musste sich im ersten Jahr sofort spezialisieren, sie wählte "Kamera". "Wir können uns an unserer Uni zu jeder Tages- und Nachtzeit Kameras, Licht und Film ausborgen", sagt sie, für sie ist das ganz selbstverständlich.

Ein athletischer und künstlerischer Prozess

Der Produzent Mathias Schwerbrock (Foto: Ricarda Otte)

Mathias Schwerbrock war Produzent bei "John Rabe"

Für den Einstieg in die Filmbranche gibt es keinen Königsweg. Aber der deutsche Produzent Mathias Schwerbrock zum Beispiel gibt jedem, der ihn fragt, den Rat, immer beides zu machen. Theorie und Praxis. "Den Stress eines langen Drehs, das kann dir keine Hochschule beibringen", sagt er. Natürlich sei es dort die Regel, Projekte zu machen und einen realen Stress zu kreieren, aber das sei eben doch nicht dasselbe. Er selbst hat nie studiert und schätzt Veranstaltungen wie den "Berlinale Talent Campus" für die Vielfalt an Ideen und Projekten, die da auf einen einprasseln. Und vor dem Nachwuchs hat er großen Respekt: "Es ist gar nicht so einfach, bei all den technischen Neuerungen immer am Ball zu bleiben und sich zu orientieren", weiß er. Für Astrid ist die Phase, einen Film zu machen, ein athletischer Prozess. In der Praxis kann man sich die Muskeln antrainieren, aber das Künstlerische, das erfordert Gespür. "Und dieses Gespür, diese Sensibilität, die können sie dir nur in der Uni beibringen, nicht da draußen."


Autorin: Ricarda Otte

Redaktion: Gaby Reucher

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