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Europa

Den geistigen Nährboden austrocknen

Mit mehrmonatiger Verspätung hat der Terror islamischer Fundamentalisten nun auch Deutschland erreicht, wenn auch über Umwegen: Bei dem Anschlag auf Djerba sind 11 Deutsche gestorben. Heinrich Bergstresser kommentiert.

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So tragisch das Ereignis auf Djerba für die Betroffenen und Angehörigen auch sein mag, wirklich überraschen kann es nicht. Denn seit mindestens zehn Jahren tummeln sich in den Zentren Westeuropas Fundamentalisten und Eiferer aller Schattierungen. Mehr oder weniger offen stellen sie die bürgerlichen und demokratischen Errungenschaften Westeuropas wie Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und Freiheit in Frage.

Aber genau diese Errungenschaften, die keines der Herkunftsländer bietet, nutzt eine Minderheit gnadenlos und geschickt aus, ihre Botschaften mit den heutigen technischen und logistischen Möglichkeiten zu verbreiten und den geistigen Nährboden für Anschläge wie in Djerba zu bereiten.

Spät, sogar sehr spät, scheint es den politisch Verantwortlichen zu dämmern, was sich in Europa zusammenbraut. Dabei hätten einige kritische Blicke in den vergangenen Jahren nach London, Paris, Südfrankreich und auch bei uns in Deutschland genügt, zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, was sich in den Hinterhöfen und den angeblich religiös geprägten Vereinen abspielt.

Europa droht zum Rekrutierungsfeld für Feinde der Demokratie zu werden - vielleicht ist es es schon - wo Stellvertreterkriege in Form von geistigem Terrorismus und Anschlägen geführt werden. Gespeist werden diese Aktivitäten aus Militanz, Halbbildung, Frustration, Entfremdung und dumpfen, diffusen anti-demokratischen Einstellungen.

Wie will man da einen interkulturellen Dialog führen, wenn der Widerstand der Immigranten gegen kulturelle Veränderungen gegenüber früher größer statt kleiner geworden ist. Wenn in wichtigen Fragen vorzugsweise von Konsens geredet wird, wo doch Konsens als Prinzip auf Dauer Gift ist für die Demokratie?

Demokratie hat mit Transparenz, Partizipation, Legitimation und Widerrede zu tun, und es muss möglich sein, ein klares Bekenntnis zur Demokratie einzufordern, von allen. Und eine zentrale Säule der Demokratie ist die strikte Trennung von Staat und Religion. Diese zivilisatorische Leistung Europas, in der das historische Ja über das dogmatische Nein zur Säkularisierung gesiegt hat, muss mit ins Zentrum eines interkulturellen Dialogs rücken.

Die Verschärfung und Ausweitung des Strafrechts gegen Fundamentalisten kann allenfalls ein Hilfsmittel sein, aber kein Allheilmittel zur Lösung schwerwiegender politischer und gesellschaftlicher Probleme.