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Sport

Demos in São Paulo gewaltsam aufgelöst

Wenige Stunden vor der WM-Eröffnung ist die Polizei in São Paulo gegen Demonstranten in der Nähe des Stadions vorgegangen. Ein Mann wurde festgenommen, mindestens zehn Menschen sind verletzt, darunter fünf Journalisten.

Die Militärpolizei setzte Tränengas, Schockgranaten und Gummigeschosse ein. Eine erste Kundgebung hatte sich gegen 10 Uhr Ortszeit (15 Uhr deutscher Zeit) an der U-Bahn-Station Carrão nahe dem WM-Stadion im Ostteil der Stadt formiert. Rund 100 Demonstranten versuchten von dort aus die angrenzende Bundesstraße Radial Leste zu blockieren, die die wichtigste Verbindung zwischen Stadion und zuständigem Polizeiquartier bildet.

Nachdem die Protestler die Aufforderungen der Polizei ignorierten, sich von der Straße fernzuhalten, lösten die Beamten die Kundgebung rund zehn Minuten nach ihrem Beginn gewaltsam auf. Ein Mann wurde festgenommen. Mindestens zehn Menschen wurden verletzt. Die CNN-Reporterinnen Barbara Arvanitidis und Shasta Darlington wurden von Granatsplittern verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Mindestens drei weitere Journalisten wurden ebenfalls durch Granatsplitter und Gummigeschosse der Polizei leicht verletzt.

Protest gegen Entlassungen nach Streik

"Die Polizei hat nicht interessiert, ob die Demonstration friedlich war oder nicht, sie wollte sie unter allen Umständen aufhalten und uns hindern, die Straße zu blockieren", erzählt die 23-jährige Demonstrantin Amanda.

Proteste in Sao Paulo (Foto: DW / M. Estarque)

Mitglieder des Schwarzen Blocks zündeten Mülltonnen an

Sie gehört zu den Teilnehmern, die sich von der ersten Demo des Tages aufgemacht haben, um eine zweite Kundgebung zu unterstützen: Nur eine Station weiter stadteinwärts in Tatuapé, ebenfalls an der Ausfallstraße Radial Leste gelegen, forderten Mitglieder der U-Bahn-Gewerkschaft die Wiedereinstellung von 42 ehemaligen Angestellten, die wegen ihrer Beteiligung am Streik vor einer Woche entlassen worden waren.

Mitglieder des Schwarzen Blocks zündeten Müll an und versuchten Verkehrsschilder aus ihrer Verankerung zu reißen. Auch hier feuerte die Polizei Tränengasgranaten und Gummigeschossen auf die Demonstranten. In dem Tumult flüchteten zahlreiche Protestler in das angrenzende Gewerkschaftsgebäude, das die Polizei umstellte. "Wir wollten keine Straße blockieren, sondern nur durch das Viertel marschieren", sagt Gewerkschaftspräsident Paulo Pasin. "Ich habe mir wirklich Sorgen um die Menschen hier gemacht. Die Haltung der Polizei ist beschämend. Diesmal konnte jeder sehen, dass die Brasilianer kein Recht auf Streik oder friedliche Demonstrationen haben."

Friedliche Demonstration für Sozialwohnungen

Für den Abend sind weitere Kundgebungen angekündigt: 3,5 Kilometer entfernt vom WM-Stadion im Stadtteil Itaquera besetzen Mitglieder der Bewegung obdachloser Arbeiter MTST (Movimento de Trabalhadores Sem-Teto) seit Wochen ein Stück unbebautes Land, das sie "Copa o Povo" (Weltmeisterschaft des Volkes) nennen. Darauf demonstrieren sie für ihr Wohnrecht.

Sao Paolo Ausschreitungen 12.6.2014 (Foto: Reuters)

Die Polizei löste die Demonstration mit Tränengas und Gummigeschossen auf

Am Pfingstmontag hatte die Stadtverwaltung eine Absichtserklärung veröffentlicht, wonach dieses Gelände mithilfe des staatlichen Wohnungsbauprogramms "Minha Casa, Minha Vida" (Mein Haus, mein Leben) mit Sozialwohnungen bebaut werden solle. Die heutige Demonstration solle der MTST zufolge wie alle vorhergehenden friedlich verlaufen.

Auch in den nächsten Wochen dürften die Demonstrationen weitergehen: "Wir werden während der Copa weiter protestieren", ruft die Demonstrantin Amanda, "und wir werden das Movimento Passo Livre (Bewegung für kostenlose Fahrscheine, d. R.) unterstützen, die eine Aktion in Kürze plant."

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