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Politik

Demonstration gegen G8-Gipfel von Gewalt überschattet

Der friedliche Protest Zehntausender gegen den G8-Gipfel ist von Krawallen gewalttätiger Autonomer überschattet worden. Am Rande der Großdemonstration in Rostock griffen Vermummte Beamte an und stürzten Autos um.

Autonome werfen Pflastersteine auf eine Polizeikette, Quelle: AP

Autonome werfen Pflastersteine auf eine Polizeikette

Die friedlichen Demonstranten bildeten die übergroße Mehrheit , Quelle: AP

Die friedlichen Demonstranten bildeten die übergroße Mehrheit

Nachdem bei der Rostocker Großdemonstration gegen den G8-Gipfel ein breites Bündnis von Umwelt-, Entwicklungs- und Kirchenorganisationen friedlich in zwei Protestzügen durch die Stadt gezogen war, kam es ab dem Nachmittag zu massiven Zusammenstößen zwischen Polizei und teils vermummten Autonomen. Nach einer ersten Bilanz der Polizei wurden bis zum frühen Abend mehr als 150 Polizisten teils schwer verletzt. Elf Beamte mussten in Kliniken gebracht werden. Drei der Polizisten hätten sehr schwere Verletzungen wie offene Knochenbrüche davongetragen, sagte ein Polizeisprecher. Augenzeugen berichteten auch von verletzten Demonstranten.

Überwiegend friedlich

Die Organisatoren der Großdemonstration werteten ihre Veranstaltung gegen die G8 dennoch als Erfolg. Sie sprachen von etwa 80.000 Teilnehmern, die Polizei von etwa 25.000. Der Protest in der Rostocker Innenstadt verlief ganz überwiegend friedlich. "Es ist voll, es ist bunt, es ist eine Superstimmung", sagte Frauke Distelrath, Sprecherin des globalisierungskritischen Netzwerks Attac. Sie zeigte sich mit der Beteiligung "absolut zufrieden", obwohl die Veranstalter ursprünglich mit bis zu 100.000 Demonstranten gerechnet hatten.

Zusammenstoß von Demonstranten und Polizisten, Quelle: AP

Zusammenstoß von Demonstranten und Polizisten

Unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" waren Globalisierungskritiker aus dem gesamten Bundesgebiet und aus dem Ausland in Sonderzügen und Bussen nach Rostock gereist. Zu dem Protest hatte ein ungewöhnlich breites Bündnis von Gruppierungen aufgerufen, darunter Umwelt-, Entwicklungs- und Kirchenorganisationen ebenso wie Attac, Linkspartei und Grüne. Die Gruppen demonstrierten für eine Welthandelspolitik, die sich an sozialen Rechten, Demokratie und Umweltschutz orientiert.

Brennende Autos und Barrikaden

Polizisten und Clowns am Rande der Demonstration, Quelle: AP

Polizisten und Clowns am Rande der Demonstration

Doch aus einem so genannten schwarzen Block von 3000 bis 4000 zumeist vermummten Autonomen heraus kam es bereits am Nachmittag zu Flaschen- und Steinwürfen. Nach Polizeiangaben flogen außerdem Molotow-Cocktails und Feuerwerkskörper. Ein Polizeiauto wurde demoliert, die Scheiben einer Bank wurden eingeworfen, sagte ein Polizeisprecher. Die Straße war mit Steinen übersät, Hubschrauber kreisten. Nachdem sich die Lage zeitweise beruhigt hatte, flammten die Ausschreitungen am Abend massiv wieder auf. Autos wurden in Brand gesetzt und Barrikaden errichtet. Eine Reihe von Polizisten wurde so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus mussten. Zu Festnahmen konnte die Polizei zunächst keine genauen Angaben machen.

Für Unruhe bei der Großdemonstration sorgten zeitweise auch Berichte, wonach die rechtsextreme NPD nach dem Verbot ihrer Demonstration in Schwerin auf dem Weg nach Rostock sei. Die Rechtsextremen marschierten aber statt dessen spontan und dezentral in mehreren Städten auf. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte zuvor eine Klage der rechtsextremen NPD gegen das Demonstrationsverbot in Schwerin zurückgestellt.

Die Autonomen im schwarzen Block, Quelle: AP

Die Autonomen im schwarzen Block

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte den Gipfel der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) trotz des umstrittenen Sicherheitsaufwands wichtig und sinnvoll. In ihrer wöchentlichen Video-Botschaft sagte die Kanzlerin am Samstag, angesichts des großen Aufwands für die Sicherheit fragten viele: "Stehen die Ergebnisse auch in einem vernünftigen Verhältnis zu dem, was an Vorkehrungen getroffen werden muss?" Sie beantworte diese Frage "mit einem ganz klaren Ja". (stu)

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