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Europa

Demonstranten fordern Machtwechsel

Zehntausende haben in Mazedoniens Hauptstadt Skopje den Rücktritt von Premierminister Nikola Gruevski gefordert. Der kündigt eine noch größere Gegendemonstration an. Boris Georgievski berichtet aus Skopje.

In seltener Einigkeit haben etwa 20.000 ethnische Mazedonier, Albaner und Angehörige weiterer ethnischer Gruppen in den Straßen von Skopje den Rücktritt des Premierministers gefordert. "Gruevski hat geschafft, was in 24 Jahren Unabhängigkeit keinem Politiker vor ihm gelungen ist", sagte ein Demonstrant der DW in Skopje: "Er hat die Menschen vereint - und zwar gegen sich."

Seit Monaten steckt Mazedonien in einer tiefen politischen Krise. Die Opposition wirft Premierminister Nikola Gruevski und anderen Regierungsmitgliedern Korruption und Machtmissbrauch vor. Unter anderem hätten sie Journalisten und Justizbeamte massiv abgehört und dadurch in die Justiz und die Berichterstattung der Medien eingegriffen.

Seit Anfang März veröffentlicht der mazedonische Oppositionsführer Zoran Zaev immer wieder Telefonmitschnitte aus Gesprächen von Gruevski mit seinen Vertrauten, die das beweisen sollen.

Ruf nach Demokratie

Am Sonntag versammelten sich Menschen aus allen Teilen des Balkanstaates in der Hauptstadt, um ihrem Ärger über Gruevski und seine Regierung Ausdruck zu verleihen. Die Demonstranten trugen Plakate, auf denen der Premier und andere Regierungsmitglieder als Kriminelle und künftige Häftlinge dargestellt waren.

Meldungen zufolge wurden weitere Demonstranten von der Polizei aufgehalten und daran gehindert, sich den Protesten anzuschließen.

Massendemonstration der Opposition zum Sturz der Regierung in Mazedonien: Zoran Zaev am Rednerpult mit erhobener Faust (Foto: Reuter/O. Teofilovski)

Wirft der Regierung Korruption und Machtmissbrauch vor: Oppositionsführer Zaev

Unter den Teilnehmern befanden sich auch mehrere regionale und europäische Politiker wie der britische Europaparlaments-Abgeordnete Richard Howitt. "Viele Menschen sind nicht hier, um eine bestimmte politische Partei zu unterstützen, sondern um zu zeigen, dass sie mehr Demokratie wollen", so die Einschätzung des Labour-Politikers in einem DW-Interview am Rande der Kundgebung.

"Diese Proteste waren lange überfällig", sagte Katica Kjulavkova der DW - sie ist eine bekannte mazedonische Schriftstellerin und Mitglied der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste. "Diese Regierung hat kein Mandat von der Bevölkerung, dieses Land in eine Diktatur zu verwandeln. Aber genau das hat sie in den vergangenen neun Jahre getan."

Gegendemonstration am Montag

Am Samstag hatte Premierminister Gruevski einen Rücktritt erneut abgelehnt und erklärt, dass er eine Übergangsregierung nicht akzeptieren werde. Außerdem kündigte er für Montag eine Kundgebung seiner Unterstützer an, um die öffentliche Zustimmung für seine Regierung zu demonstrieren. "100.000 Menschen sind mobilisiert, um die nationalen und staatlichen Interessen kämpferisch zu verteidigen", heißt es in regierungsfreundlichen Medien.

Mazedonien Regierungskrise Rede Premiminister Gruevski im Parlament (Foto: Reuter/O. Teofilovski)

Denkt nicht an Rücktritt: Premierminister Gruevski

Auch Oppositionsführer Zaev betonte, nicht nachgeben zu wollen: "Wir werden nicht nach Hause gehen, bevor Gruevski zurücktritt. Rund 4.600 Aktivisten haben aus eigener Initiative entschieden, vor dem Regierungsgebäude zu übernachten und den Protest fortzusetzen."

Bis zum Abend verliefen die Proteste friedlich, und viele Demonstranten versicherten, sie würden genauso friedlich weitergehen. Dazu rief auch Maida Ahmeti von einer Studentenorganisation die Menge auf: "Wir haben keine Waffen, nur Blumen und Bücher."