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Aktuell Amerika

Demonstranten attackieren Nationalpalast in Mexiko

Sechs Wochen nach der mutmaßlichen Ermordung von 43 Studenten in Mexiko schlägt die Wut der Menschen zunehmend in Gewalt um: Demonstranten setzten Autos in Brand und bewarfen Regierungsgebäude mit Brandsätzen.

"Warum tötet ihr uns, wenn wir doch die Hoffnung von Lateinamerika sind", skandierten Demonstranten in Mexiko-Stadt und forderten Aufklärung über das Schicksal der vor sechs Wochen entführten Studenten. Einige aufgebrachte Demonstranten versuchten in den Nationalpalast einzudringen. Eine Gruppe von Angreifern rammte Metallbarrikaden gegen die massive Eingangstür des Gebäudes und setzte sie kurzzeitig in Brand, konnte jedoch nicht hineingelangen. Auf dem Zócalo-Platz vor dem Palast hatten vor dem Zwischenfall Tausende Menschen friedlich protestiert. Der Nationalpalast wird von Präsdient Enrique Peña Nieto zu Repräsentationszwecken genutzt. Zum Zeitpunkt der Proteste hielt sich Nieto nicht in dem Gebäude auf.

Auch im Bundestaat Guerreros, wo die 43 Studenten verschwunden waren, gab es wütende Proteste. Mehr als 300, zum Teil maskierte Studenten marschierten zum Regierungsgebäude von Guerrero in der Stadt Chilpancingo und bewarfen es mit Molotow-Cocktails und Steinen. Mehrere Fahrzeuge wurden in Brand gesetzt, darunter auch ein Polizeiauto. "Sie haben sie lebend mitgenommen, wir wollen sie lebend zurück", skandierten die Demonstranten. "Wir wollen das Gleiche wie immer: Wir wollen unsere Kameraden lebend wiedersehen", sagte einer der vermummten Studenten der Nachrichtenagentur AFP.

Mexiko-Stadt Proteste und Gewalt nach mutmaßlicher Ermordung vermisster Studenten Foto: Reuters)

Demonstranten in Mexiko-Stadt

Ermordet und verbrannt

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft haben

drei mutmaßliche Mitglieder der Drogengang "Guerreros Unidos" gestanden

, die seit sechs Wochen vermissten Lehramtsstudenten ermordet, ihre Leichen verbrannt und dann die Überreste in einen Fluss geworfen zu haben. Nahe der Ortschaft Cocula in Guerrero entdeckten die Ermittler Asche und Zähne. "Ohne Zweifel hat es dort einen Massenmord gegeben. Wir müssen jetzt die Toten identifizieren, um zu klären, ob es sich wirklich um die Toten handelt", sagte Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam. Die Proben werden in einem Universitätslabor im österreichischen Innsbruck untersucht.

Der Fall der verschwundenen Studenten könnte Mexiko in eine tiefe Krise stürzen. So deutlich wie selten zuvor, legt das Verbrechen die engen Verbindungen zwischen staatlichen Institutionen und der organisierten Kriminalität offen. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen hatte der Bürgermeister der Stadt Iguala das harte Vorgehen gegen die Studenten angeordnet. Offenbar machten er und seine Frau mit den "Guerreros Unidos" gemeinsame Sache. Bislang gab es 74 Festnahmen in dem Fall, darunter 36 Polizisten und mehrere Gang-Mitglieder.

Präsident verspricht Aufklärung

Auch Staatspräsident Nieto gerät unter Druck. Er kürzte am Freitag eine Auslandsreise ab und versicherte, die Behörden würden alle Schuldigen dieses "furchtbaren Verbrechens" fassen. Den Eltern der Studenten versprach er, nicht eher zu ruhen, bis der Gerechtigkeit Genüge getan sei.

Die Studenten hatten am 26. September für den Rückweg von einer Spendensammelaktion in der Stadt Iguala mehrere Busse gekapert. Dies war eine übliche Praxis in ihrem Lehrerseminar, das als Hochburg linksradikaler Aktivisten bekannt ist. Auf dem Weg stoppte die Polizei die jungen Männer und tötete sechs von ihnen. Die anderen 43 Studenten wurden laut den Ermittlern an die mit der Polizei verbündete Drogenbande Guerreros Unidos übergeben.

ab/haz/wl (afp, dpa, rtr)

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