″Demokratie ist etwas Schönes″ | Afrika | DW | 24.03.2014
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Afrika

"Demokratie ist etwas Schönes"

Der Westen kritisiert den Anschluss der Krim an Russland. Doch viele Afrikaner beobachten die Entwicklung mit Wohlwollen. Nicht zuletzt, weil sie zeigt, dass Europa nicht allmächtig ist.

Mit der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim hat der russische Präsident Wladimir Putin Europa und die USA gegen sich aufgebracht, sich im eigenen Land aber viele Sympathien gesichert. Unterstützung bekommt Putin auch von vielen Afrikanern. So gratulieren DW-Nutzer aus Nigeria und Niger auf der Facebook-Seite des Haussa-Programms dem russischen Präsidenten zu seinem Vorgehen. "Das ist ein Erfolg für Russland und eine Niederlage für die EU", schreibt Adamu Aliyu Amo Katsina aus der nigerianischen Hauptstadt Abuja.

Am Sonntag vor einer Woche (16.03.2014) sprachen sich die Einwohner der Krim in einer Volksabstimmung klar für einen Anschluss an Russland aus. Diese Entscheidung müsse der Westen akzeptieren, fordert Aqeebu Abdulwahab aus der nordnigerianischen Stadt Yola. "Demokratie ist etwas Schönes, wenn sie richtig verankert ist", kommentiert er - und fügt hinzu: "Möge Gott uns einen solchen Tag in Nigeria bescheren." Im Gegensatz zum überwiegend christlichen Süden ist der Norden Nigerias stark muslimisch geprägt. Religiös motivierte Konflikte sind an der Tagesordnung. Manche sehen eine Teilung des Landes als Lösung.

Sympathien für den Wunsch nach Selbstbestimmung

Französische Soldaten im Algerien Krieg 1962 Foto: STF/AFP/Getty Images

Der Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich kostete Algerien nach eigenen Angaben hunderttausende Menschenleben

Für Nourou Tall, Professor der Internationalen Beziehungen an der senegalesischen Universität Cheik Anta Diop, ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Afrikaner auf die Seite Russlands schlagen. Dass die mehrheitlich von Russen bevölkerte Krim zu einer westlich orientierten Ukraine gehören wolle, sei für viele undenkbar. "Wir kennen die Situation, von anderen beherrscht, kolonisiert und unterdrückt zu werden", sagt Diop im DW-Interview. Manche afrikanischen Staaten hätten ihre Freiheit von den europäischen Kolonialmächten erhandeln können. In Algerien, Guinea-Bissau oder Angola habe man sich die Unabhängigkeit dagegen erkämpfen müssen. "Da kann man ihre Sympathie mit den Einwohnern der Krim verstehen, die nun entschieden haben, dass sie zu Russland und nicht mehr zur Ukraine gehören wollen."

In der Debatte um die Krim-Annexion geht es aber nicht nur um theoretische Fragen von Demokratie oder Selbstbestimmung. Entscheidend ist auch, wer sich gegenübersteht. Die USA und die Europäische Union verurteilen das russische Vorgehen als völkerrechtswidrig - Länder wie Frankreich, Deutschland oder Portugal haben als ehemalige Kolonialmächte aber selbst nicht den besten Ruf in Afrika. "Russland hingegen ist für viele afrikanische Länder ein wichtiger wirtschaftlicher und militärischer Partner", sagt der nigerianische Diplomat und ehemalige Botschafter in Russland, Jibrin Dada Chinade, im DW-Interview. Chinade plädiert für einen stärkeren Dialog. Der Ort hierfür seien die Vereinten Nationen und speziell der UN-Sicherheitsrat, in dem auch afrikanische Länder vertreten sind.

Der Westen kann nicht mehr allein entscheiden

Dass der Westen die russische Krim-Annexion nicht einfach hinnehmen will, hält der Geschichtswissenschaftler Ado Mahamane aus Niamey in Niger für nachvollziehbar. "Die Annexion ist ein Versuch Russlands, die Sowjetunion wieder aufleben zu lassen", sagt er der DW. "Natürlich gefällt das dem Westen nicht." Europa und die USA hätten es geschafft, sich eine Monopolstellung in der Welt einzurichten. "Dadurch konnten sie sich aufführen, wie sie wollten. Nun sind die westlichen Länder besorgt, weil sie nicht mehr freies Feld haben."

Wladimir Putin und Macky Sall Foto: ERIC FEFERBERG/AFP/Getty Images

Senegals Präsident Macky Sall im September 2013 mit seinem russischen Amtskollegen

Doch DW-Nutzer in Afrika kritisieren nicht nur die westliche Haltung, allein über Recht und Unrecht entscheiden zu wollen. Auf der Facebook-Seite des Kisuaheli-Programms ist es Putin, der die meiste Kritik einstecken muss: So wünscht sich Kennedy Wandera aus Kenias Hauptstadt Nairobi, Putin möge aufhören, der Welt seinen Stolz zu demonstrieren."Was macht Russland in der Ukraine?", fragt auch der Tansanier Uchumi Philbert und fordert Sanktionen für Russland.

Ob Sanktionen der richtige Weg sind - darüber wird in afrikanischen Ländern lebhaft diskutiert. Viele ermahnen Europa und die USA, mit Moskau zu verhandeln, und erinnern an Russlands militärische Stärke: Da sei nichts undenkbar. Facebook-Nutzer Muhammad Ahmad Idris aus Niger sieht es gelassener. Das ganze Gerede über die Folgen für die russisch-europäischen Beziehungen werde sich schnell legen, kommentiert er: "Die Sanktionen gegen Russland haben da ihre Grenze, wo es um die Gaslieferungen Russlands nach Europa geht."

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