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Aktuell Deutschland

Demo gegen Rechts in Köln

Mehr als 15.000 Menschen haben in Köln gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus demonstriert. Nach den gewaltsamen Protesten rechter Hooligans im Oktober wollte die Stadt ein Zeichen setzen.

Ein Hauch von Karneval liegt in der Luft, als sich in Köln bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt der Protestzug gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit in Bewegung setzt. Zu der Kundgebung hatte das Aktionsbündnisses "Arsch huh, Zäng ussenander!" (Arsch hoch, Zähne auseinander) aufgerufen, das sich seit mehr als 20 Jahren in Köln engagiert.

Kurz vor 14 Uhr, dem offiziellen Beginn der Veranstaltung, sind zunächst nur einige hundert Menschen hinter dem Kölner Hauptbahnhof versammelt und unterhalten sich in kleinen Gruppen. Fahnen von Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisationen werden ausgerollt und in den kalten Wind gehalten. "Ich bin zuversichtlich, dass später noch viel mehr Leute kommen werden", sagt Christine Oberhäuser, eine pensionierte Lehrerin. "Nein zu Rassismus, Intoleranz und Gewalt" steht auf einem Spruchband, das sie gemeinsam mit anderen Mitstreitern in die Höhe hält. "Wir wollen zeigen, dass Flüchtlinge bei uns willkommen sind."

Trommeln und Spielmannszüge

Etwas weiter steht ein als Clown verkleideter junger Mann und hält eine Trommel in der Hand. "Sonst trommel ich eigentlich nur im Karneval", erzählt er. "Aber mir ist es wichtig, dass wir Kölner ein Zeichen setzen. Wir sind tolerant - nur Intoleranz tolerieren wir nicht!"

Auf der kleinen Bühne am Rande des Platzes tritt ein erster Redner ans Mikrofon, aber die Lautsprecheranlage scheint viel zu schwach ausgelegt, um den weitläufigen Platz zu beschallen. Bunte Spielmannszüge ziehen singend durch die nun deutlich angewachsene Menschenmenge. Es riecht nach Glühwein und Bratwurst vom nahegelegenen Weihnachtsmarkt.

Gewaltfrei und ruhig

Nur zwei Mannschaftbusse der Polizei parken am Rande des Bahnhofs - von den bei Demonstrationen meist üblichen Hundertschaften ist weit und breit nichts zu sehen. "Wir rechnen fest mit einem friedlichen Verlauf der Veranstaltung" sagt ein Beamter. Eine Gegendemonstration aus dem rechten Lager ist nicht angekündigt.

Langsam setzt sich der Protestzug in Bewegung. Bis zur großen Bühne in der Nähe des Ebertplatzes sind es nur wenige hundert Meter. Schweigend marschiert die nun auf mehrere tausend Menschen angewachsene Menge über die weitläufige Turiner Straße - den gleichen Weg, den am 26. Oktober die "Hooligans gegen Salafisten" genommen hatten. Damals kam es zu schweren Ausschreitungen und zahlreichen Verletzten.

"Köln ist bunt, nicht braun"

Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters erinnert bei der Abschlusskundgebung an diesen unrühmlichen Tag für die Stadt Köln. "Wir haben heute die Aufgabe, der Welt ein friedliches Bild unserer Stadt zu zeigen", ruft er der Menge entgegen. Er freue sich, dass so viele Menschen dem Aufruf von "Arsch huh - Zäng ussenander" gefolgt seien. "Köln ist bunt, nicht braun." Den Neonazis in Nadelstreifen - so bezeichnete jüngst NRW-Innenminister Jäger die islamfeindlichen Proteste von "Pegida" in Dresden - dürfe man nicht die Meinungshoheit überlassen. "Der Islam ist eine friedliche Religion. Und wenn jemand gegen Salafisten demonstriert, dann sind wir das, und nicht die Rechten", so Roters.

Mit viel kölscher Musik - unter anderem von Wolfgang Niedecken, den Höhnern und den Bläck Fööss - klingt ein bunter Nachmittag aus, an dem sich Köln von der Seite präsentiert hat, für die es bekannt ist: tolerant, weltoffen und immer bereit für ein bisschen Karneval - auch im Dezember.

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