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Afrika

Demo für entführte Nigerianerinnen - auch in Bonn

In Deutschland und der ganzen Welt fordern Demonstranten Hilfe für die seit mehr als drei Wochen in Nigeria entführten Schülerinnen. Doch selbst im Ausland fürchten sich Nigerianer, die eigene Regierung zu kritisieren.

Sie sind nicht viele, aber sie sind laut: "Bringt unsere Mädchen zurück!", rufen die rund dreißig Demonstranten. Unter anderem Nigerianer, Deutsche, Ghanaer, Jamaikaner und Ugander demonstrieren an diesem Donnerstag (08.05.2014) in Bonn gemeinsam für die Freilassung der mehr als 200 Schülerinnen, die vor mehr als drei Wochen in Nigeria von der Terrorsekte Boko Haram entführt wurden. Sie forden, dass die nigerianische und andere Regierungen endlich entschlossen gegen die Gruppe vorgehen. Bis heute fehlt von den Mädchen jede Spur.

Demonstrantin vor den Vereinten Nationen Foto: Hilke Fischer

Von den Vereinten Nationen geht der Demozug zum Auswärtigen Amt

Die Einladung zu der Kundgebung kam erst am Vorabend, viele haben sich spontan entschlossen, an dem Protestmarsch teilzunehmen. So auch Ursula Neumann: "Immer, wenn ich von Boko Haram in der Zeitung lese, kommt mir die Wut hoch", sagt die Bonnerin. "Das hier gibt mir die Möglichkeit, auf die Straße zu gehen und nicht nur mit meiner Wut zu Hause zu sitzen."

Ihr Marsch führt die Demonstranten vom Bonner Sitz der Vereinten Nationen zum Auswärtigen Amt. Die Route ist bewusst gewählt, denn ihre Forderungen richten sich nicht nur an die nigerianische Regierung: "Wir wollen die Deutsche Regierung und die Vereinten Nationen dazu auffordern, ihren Beitrag im Kampf gegen Boko Haram zu leisten", sagt Oyiga Benedict Chijike.

Proteste mit Wirkung

In anderen Ländern haben Proteste wie dieser bereits Wirkung gezeigt. Weltweit brachten in den vergangenen Tagen Menschen bei Demonstrationen und in sozialen Netzwerken im Internet ihre Solidarität mit den Boko-Haram-Opfern zum Ausdruck. In Washington versprach Präsident Barack Obama inzwischen, Polizei- und Militärexperten nach Nigeria zu schicken. Unter anderem seine Frau Michele twitterte, sie bete für die entführten Schülerinnen. Auch Frankreich, China, Großbritannien und Kanada haben ihre Hilfe bei der Suche nach den Mädchen angeboten. Dutzende Prominente vom südafrikanischen Bischof Desmond Tutu bis zu Microsoft-Gründer Bill Gates und Rockstar Bono unterschrieben ebenfalls einen Aufruf an alle Regierungen, ihr Möglichstes zur Befreiung der Schülerinnen beizutragen.

Benedict Chijike Oyiga ist selbst Nigerianer. Der Ingenieur schreibt an der Universität Bonn seine Doktorarbeit. Er führt den Protestmarsch an - in Vertretung: Die Idee zur Demonstration hatte eine junge Nigerianerin, die gerade in Bonn ein Praktikum macht. Als sie von der Entführung der Mädchen erfuhr, startete sie spontan eine Online-Petition, in der sie alle Regierungen der Welt auffordert, bei der Suche nach den vermissten Schülerinnen zu helfen. Über 600.000 Menschen aus aller Welt haben die Petition bereits unterschrieben - so viele, dass sich die Initiatorin inzwischen nicht mehr traut, selbst mit den Medien zu sprechen. Denn die Forderung nach Hilfe aus dem Ausland enthält auch eine unverhohlene Kritik an der Unfähigkeit der eigenen Regierung. Solche Kritik ist in Nigeria unerwünscht.

Gefährliche Kritik

Benedict Chijioke Oyiga übergibt beim Auswärtigen Amt den Protestbrief Foto: Hilke Fischer

Benedict Chijioke Oyiga übergibt beim Auswärtien Amt den Protestbrief

"Viele, die noch Familie in Nigeria haben, haben Angst", sagt Raola Alonge. Die Ärztin aus Nigeria lebt seit acht Jahren in Deutschland. "Sie selbst sind hier in Deutschland sicher, aber ihre Familien sind es nicht. Die können dafür im Gefängnis landen, dass du hier in Deutschland deine Meinung sagst."

Alonge hat selbst eine Tochter und weiß: Die Entführung des eigenen Kindes ist der schlimmste Alptraum einer jeden Mutter. Adaora, eine junge Demonstrantin, die ihren Nachnamen lieber nicht sagen möchte, pflichtet ihr bei: "Ich war in Nigeria auch in einem Internat, genau wie die entführten Schülerinnen. Es ist kaum vorstellbar, was sie und ihre Eltern gerade durchmachen. Diese Terroristen müssen unbedingt gestoppt werden."

Nach einem halbstündigen Protestmarsch stehen die Demonstranten vor dem großen Tor am Bonner Sitz des Auswärtigen Amts. Sie haben gemeinsam einen Protestbrief unterschrieben, den sie hier abgeben wollen. Oyiga drückt auf den Klingelknopf - und tatsächlich: Kurze Zeit später kommt eine Vertreterin des Ministeriums heraus und nimmt den Brief entgegen - mit dem Versprechen, ihn an die Verantwortlichen in Berlin weiterzuleiten.

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