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Deutschland

Demjanjuk sitzt in Untersuchungshaft

Nach vergeblichem juristischen Kampf gegen seine Auslieferung sitzt der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk jetzt in deutscher Haft. Die US-Regierung begrüßte die Abschiebung nach Deutschland.

John Demjanjuk (undatiertes Foto)

Nach langem juristischem Ringen ist Demjanjuk nun in deutscher Haft (Archivbild)

Krankenwagen bei der Einfahrt auf das Gefängnisgelände (Foto: dpa)

Demjanjuk wurde im Krankenwagen ins Gefängnis eingeliefert

Demjanjuk war am Dienstagmorgen (12.05.2009) auf dem Münchner Flughafen gelandet und in die Münchner Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim gebracht worden. Die Abschiebung sei ein "historischer Moment in den Bemühungen der US-Regierung, Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen", betonte der Leiter der Kriminal-Abteilung im US-Justizministerium, Lanny Breuer, am Dienstag in Washington. Der KZ-Wächter Demjanjuk habe "viel zu lange die Freiheiten genossen, die er Tausenden verweigert habe". Jetzt werde er endlich zur Verantwortung gezogen für seine Rolle "in einem der entsetzlichsten Kapitel der Geschichte".

Die USA hatten Demjanjuk nach Deutschland abgeschoben, weil gegen ihn ein internationaler Haftbefehl des Amtsgerichts München besteht. Darin wird dem als Iwan Demjanjuk in der Ukraine geborenen Mann Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vorgeworfen. Er soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften im NS-Vernichtungslager Sobibor gehört haben.

Im selben Gefängnis wie einst Hitler

Dienstausweis von John Demjanjuk (Foto: dpa)

Ehemaliger Dienstausweis von Demjanjuk

Sollten ihn die Ärzte für verhandlungsfähig erklären, dürfte einer der letzten großen NS-Prozesse bevorstehen. Der Ermittlungsrichter der JVA Stadelheim verlas am Nachmittag den Haftbefehl gegen Demjanjuk. Der 89-Jährige sitzt nun im selben Gefängnis wie einst Adolf Hitler. Dieser hatte hier im Juli 1922 für sechs Wochen wegen Landfriedensbruchs eingesessen.

Sein Anwalt Günther Maull sagte am Nachmittag, er habe sofort Beschwerde gegen den Haftbefehl eingelegt. Die Beweise seien nicht stichhaltig und die Zuständigkeit der deutschen Justiz fraglich. Ulrich Busch, Demjanjuks zweiter Verteidiger, erwägt bereits Verfassungsbeschwerde gegen den Haftbefehl. Dies sagte er der Nachrichtenagentur AP. Die Abschiebung von den USA nach Deutschland zum Zwecke der Strafverfolgung sei ungesetzlich.

Wettlauf gegen die Zeit

Die Staatsanwaltschaft München will nach eigenen Angaben schon in den nächsten Wochen Anklage gegen den 89-Jährigen erheben. Ein ärztlicher Sachverständiger sei bereits mit der Begutachtung der Verhandlungsfähigkeit Demjanjuks beauftragt, erklärte der leitende Oberstaatsanwalt Manfred Nötzel.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte Demjanjuks Auslieferung und forderte, ihn schnellstmöglich vor Gericht zu stellen. Es sei ein Erfolg mit hohem symbolischen Stellenwert, wenn einer der letzten noch lebenden mutmaßlichen NS-Verbrecher in Deutschland zur Rechenschaft gezogen werden könnte, erklärte die Präsidentin Knobloch. "Es geht nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit", betonte sie.

Knobloch forderte mit Blick auf das hohe Alter und die angegriffene Gesundheit Demjanjuks einen raschen Prozessbeginn und sprach von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Der Kölner Publizist Ralph Giordano sagte im "Weser-Kurier" (Mittwochausgabe): "Ich hoffe, dass Demjanjuk für den Rest seines Lebens in den Knast kommt." (je/as/dpa/ap/afp)

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