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Afrika

Dekha Ibrahim Abdi - Frieden durch Dialog

Vor drei Jahren erhielt Dekha Ibrahim Abdi den alternativen Nobelpreis für ihr Engagement in ihrer kenianischen Heimat. Ihre Methode, Frieden an der Basis zu schaffen, hat sich seitdem in der ganzen Welt verbreitet.

Dekha Ibrahim Abdi (Foto: AP)

Die kenianische Friedensaktivistin Dekha Ibrahim Abdi

Nein, sagt Dekha Ibrahim Abdi, ihre Kindheit sei nicht wirklich glücklich gewesen. Denn ihre ersten sechs Lebensjahre waren Kriegsjahre. Nach der kenianischen Unabhängigkeit 1963 kämpften Rebellen im Norden des Landes für den Anschluss an Somalia. Als sie scheiterten, galten fast 30 Jahre lang Notstandsgesetze in Kenia. In dieser Zeit versuchte Abdi ein halbwegs normales Leben zu führen. Sie hatte Freunde mit ganz unterschiedlichen Religionen und aus den verschiedensten Regionen. Doch Anfang der 1990er Jahre überschlugen sich die Ereignisse: Bei Lokalwahlen brachen Unruhen aus, in Kenia wurde das Einparteiensystem abgeschafft und im Nachbarland Somalia brach der Staat gleich völlig zusammen.

Misstrauen unter Nachbarn

Eine Wahlstation in Nairobi 2008 mit ausgehängtem Wahlzettel an der Fensterscheibe (Foto: AP)

Konfliktgebiet Kenia – Nach den Wahlen brachen 2008 Unruhen aus, mehr als 1000 Menschen starben

"Auf einmal misstrauten sich Nachbarn, die Tür an Tür lebten. Wegen verschiedener politischer Ansichten oder ethnischer Herkunft rückten sie auseinander", erinnert sich Abdi. Sie entschied, mit einer Gruppe von Frauen die Friedens- und Entwicklungsorganisation von Wajir, ihrem Heimatort im Norden Kenias, zu gründen. Um die wachsenden Konflikte nicht nur Polizei und Militär zu überlassen, bauten sie einen Anlaufpunkt zur Streitschlichtung auf – ein Friedenskomitee.

"Es geht nicht darum, wer Recht hat und wer nicht"

Das Prinzip dieses Komitees ist simpel: Opfer und Täter kommen zusammen und sprechen mit einem neutralen Schlichter über das Problem, um die Ursache des Streits zu erkunden. "Es geht nicht darum, wer Recht hat und wer nicht. Wir suchen eine Lösung, die beide Seiten akzeptieren", meint Abdi.

Bis sich die Idee der heute 46-jährigen in Kenia durchgesetzt hatte, vergingen Jahre. Denn Klanführer hatten das Sagen und wollten sich nicht von ein paar jungen Frauen reinreden lassen. Aber es gab auch vernünftige unter ihnen, betont Abdi, die sich nicht nur ihrem Klan gegenüber verantwortlich fühlten, sondern auch an das Gemeinwohl der Gesellschaft dachten. So konnte sich die Idee eines Ortes zur Streitschlichtung langsam durchsetzen. Immer mehr Menschen hörten auf Abdis Rat: "Wenn du ein Haus bauen willst, musst du mit dem Fundament anfangen, und nicht mit dem Dach. Frieden muss in der Basis geschaffen werden. Da ist das Fundament."

Sture Regierungen

Barack Obama, rechts, trägt während eines Besuchs in Wajir 2006, Kenia, eine traditionelle Tracht. Links steht der Dorfälteste Scheich Mahmed Hassan. (Foto: AP)

Der damalige US-Senator Obama traf 2006 in Wajir den Dorfältesten Scheich Mahmed Hassan

Nur die Regierung des damaligen Präsidenten Moi wollte dies nicht begreifen. Für Daniel arap Moi war die Zivilgesellschaft ein Feind. Erst unter Präsident Mwai Kibaki entspannte sich die Situation 2002 langsam. Nach den Wahlunruhen 2007 und 2008 mit mehr als 1000 Toten habe auch der Letzte in der Regierung den Sinn von Friedensarbeit begriffen, meint Abdi. "Als die Gewalt nach den Wahlen ausbrach merkten sie‚ dass der Konflikt alle Bereiche der Gesellschaft betrifft. Innerhalb weniger Stunden kann die Stimmung im Land kippen und die Herrschenden verlieren die Kontrolle."

Mittlerweile berät Abdi die Regierung in Nairobi zum Thema Frieden. Auch ihre Idee zur Streitschlichtung hat sich durchgesetzt. Inzwischen gibt es in jedem Distrikt Kenias ein Friedenskomitee und auch im Nachbarland Somalia sind zwei Einrichtungen entstanden. Hier will sich Abdi noch stärker engagieren und als Vermittlerin im Streit mit Äthiopien dienen. Denn das Schicksal Somalias betrifft auch ihre Heimatstadt Wajir, in die immer mehr Flüchtlinge strömen.

Dekha Ibrahim Abdi ist für ihre Ideen nicht nur am Horn von Afrika bekannt. Sie hat sie mittlerweile in die ganze Welt getragen. Zwischen Südafrika, Großbritannien und den Philippinen reist die 46-jährige inzwischen umher. Doch auch in ihrer Heimat Kenia wartet noch eine Menge Arbeit, denn noch längst nicht alle Politiker hätten begriffen, so die Friedensaktivistin, dass sie ihr Volk vertreten, und nicht nur ihre eigene Volksgruppe.

Autor: Adrian Kriesch

Redaktion: Stephanie Gebert

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