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Sport-News

Degenkolb fällt monatelang aus

Nach dem Horrorcrash im spanischen Trainingslager ringt man im deutschen Radteam Giant-Alpecin immer noch um Fassung. Kapitän John Degenkolb wird lange ausfallen. Derweil beginnt auch eine Sicherheitsdebatte im Radsport.

Auf Twitter finden sich Bilder vom "Tatort". Eine Landstraße nahe Calpe. Ein unbefestigter Seitenstreifen mit losen Steinen, im Hintergrund Olivenbäume. Im Vordergrund Einzelteile von Rennrädern. Geplatzte Reifen, gebrochene Rahmen, verbogene Felgen. Auf einem anderen Foto ist ein größerer Blutfleck zu sehen. Ein grauenvoller Anblick, erst recht wenn man die Geschichte dahinter kennt.

Frakturen und Prellungen

Sechs Radprofis des Teams Giant-Alpecin wurden auf dieser Landstraße in einen schweren Trainingsunfall verwickelt als ein Fahrzeug auf der falschen Fahrbahn frontal in sie hinein fuhr. Ein Crash mit erheblichen Folgen für das Team: Der deutsche Nachwuchsfahrer Max Walscheid erlitt einen Schienbein- und Daumenbruch, der Franzose Warren Barguil einen Kahnbeinbruch, der Schwede Fredrik Ludvigsson Prellungen am ganzen Körper, der Niederländer Ramon Sinkeldam Schnitt- und Schürfwunden und der US-Amerikaner eine Augenhöhlenfraktur sowie zahlreiche Prellungen und Schnittwunden. Kapitän John Degenkolb erwischte es mit am schlimmsten: Ein Zeigefinger wurde fast abgerissen, außerdem erlitt er einen Unterarmbruch und mehrere Schnittwunden.

Die niederschmetternde Prognose: Degenkolb wird voraussichtlich erst in drei Monaten wieder Rennen bestreiten können. Mögliche Siege bei Frühjahrsklassikern sind damit eine Illusion. Der Chirurg, der den deutschen Sprintspezialisten in Valencia operiert hatte, sagte der spanischen Nachrichtenagentur Efe: "Die Heilung dauert ein wenig länger, weil Degenkolb nicht nur ein normales Leben führen will, sondern auch Leistungssport auf einem sehr hohen Niveau betreiben möchte." Der Mediziner, ein international anerkannter Experte auf seinem Gebiet, berichtete, Degenkolb sei in einer dreistündigen Operation der Zeigefinger wieder angepflanzt worden. Außerdem seien der offene Unterarmbruch und die übrigen Verletzungen behandelt worden.

Verständlicherweise hat die Rückkehr ins Renngeschehen für Radprofi John Degenkolb nach seinem Unfall nicht höchste Priorität. "Es zählt im Moment einfach nur, dass John wieder gesund wird", sagte Jörg Werner, Manager des 27-Jährigen, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Teamchef Iwan Spekenbrink machte das Ausmaß des Vorfalls für die Saisonplanung klar: "Das war ein Riesenschock für uns alle. Es wird uns einige Monate zurückwerfen, aber wichtig ist jetzt nur, dass die Fahrer gut betreut werden", betonte Spekenbrink. Chad Haga versuchte es mit Humor zu nehmen: "Wer sagt 'Gehe mit dem Gesicht voran', ist ein Idiot", twitterte Haga.

Quintana fordert mehr Rücksicht von Autofahrern

Der Tour-Zweite Nairo Quintana solidarisierte sich mit den verletzten Kollegen und rief die Autofahrer zu mehr Vorsicht gegenüber den Radfahrern auf. "Leider ist es so, dass immer wieder Autofahrer uns Radprofis beim Training nicht beachten. Umso mehr möchte ich auch der Polizei unseren Dank aussprechen, die uns zu Hause bei unserem Training begleitet und Unfälle solcher Art verhindert hat", sagte der Kolumbianer. Der Kletterspezialist vom spanischen Movistar-Team hatte auch in der eigenen Mannschaft mit Adrian Malori ein Sturzopfer zu beklagen. Die schlimmen Verletzungen des Italiener (Schädelfrakturen und einen Schlüsselbeinbruch) resultierten aber aus einem Rennunfall bei Tempo 65 bei der Tour de San Luis in Argentinien. Inzwischen befindet sich Malori auf dem Weg der Besserung.

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