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Kultur

Deep Purple mit neuem Album "inFinite" auf Tour

Ihr Altersdurchschnitt ist 68, ihre Bandgeschichte bald 50 Jahre alt. Nach vielen wechselvollen Jahrzehnten sind Deep Purple nun mit neuer Platte am Start und gehen noch einmal auf Tour. Ein letztes Mal. Vielleicht.

Alte Herren? Sich dieses Attribut immer wieder anhören zu müssen, ist das Schicksal betagter Rockmusiker, die die Bühne auch mit gut 70 Jahren noch nicht verlassen wollen. Es gehört zum Älterwerden von Rockstars dazu, dass die Mähne grau und schütter wird, die kräftige Stimme von einst etwas brüchig und der Bauch ein bisschen fülliger. Dass man die gefühlten letzten zwanzig Jahre eine Abschiedstournee nach der anderen gibt und dann doch noch nicht aufhört - wahrscheinlich so lange, bis einer tot von der Bühne kippt oder einen ehrlichen Rockstar-Tod stirbt wie Lemmy Kilmister von Motörhead.

So geht es den Rolling Stones oder AC/DC, so geht es Udo Lindenberg - und Deep Purple geht es auch so. Deren Musiker haben zum Teil schon die untrüglichen Zeichen dafür erhalten, dass sie langsam mal kürzer treten sollten: Drummer Ian Paice (68) hat im vergangenen Jahr einen leichten Schlaganfall erlitten. Steve Morse (62) leidet an Arthrose in den Fingern. Ganz schlecht für einen Gitarristen. Bassmann Roger Glover (71) deutete schon an, dass man wohl nicht mehr ewig weitermachen werde.

Ein laaaaanger Abschied

Und so betiteln Deep Purple ihre anstehende Welttournee in weiser Voraussicht mit "The Long Goodbye". Da bleibt Spielraum - denn so eine "Abschiedstournee" kann unendlich in die Länge gezogen werden. In diesem Jahr schonen sich die Rock-Silberrücken nicht. Fest stehen schon mal diese Tourdaten: In Europa geht's am 13. Mai in Bukarest los - und ab dann spielen sie fast jeden Tag. In Deutschland besuchen sie am 19. Mai München, am 30. Mai Hamburg, und vom 6. bis 14. Juni sind sie fast täglich in einer anderen deutschen Stadt. Anfang Juli machen sie eine Pause, dann geht's einen Monat später in die USA. Und damit nicht genug: Alle Tourdaten gibt es hier.

Video ansehen 05:01

Deep Purple mit neuem Album

Öfter mal was Neues...

Deep Purple sind die Urgesteine des Hardrock - sie gelten als Gründerväter des Heavy Metal und sind vielleicht die letzte echte Rockband des Planeten. Sie vereinen alte und ganz junge Rockfans und sie werden niemals diesen einen Song loswerden: "Smoke on the Water". Sie spielen ihn bei jedem Konzert - und lästig ist der Song ihnen nie geworden. Der Trick: Sie variieren ihn jedesmal ein wenig.

Varition zieht sich durch die Bandgeschichte wie bei kaum einer anderen Truppe. In fast 50 Jahren wurde die Besetzung zehn mal gewechselt. Um den besseren Überblick zu behalten, wurden die verschiedenen Besetzungsphasen durchnummeriert: "Mk I" bis "Mk VIII". Die berühmteste war "Mk II" - mit den Gründungsmitgliedern Richie Blackmore, Ian Paice und Jon Lord, sowie mit Ian Gillan und Roger Glover. Die Besetzung war so erfolgreich, dass sie nach ihrem ersten Zerfall noch zweimal reaktiviert wurde. 

Jetzt sind nur noch Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice dabei - Richie Blackmore hat sich bereits 1993 endgültig von der Band getrennt und Jon Lord ist 2012 an Krebs gestorben.

Das 20. Studioalbum: in alter Frische

Jetzt ist das Album "inFinite" da. Deep Purple zeigen sich auf den Fotos im Booklet als Expeditionsteam im Ewigen Eis, ausgerüstet wie die großen Entdecker Anfang des 20. Jahrhunderts mit Fellmänteln, Holzskiern und Schlittenhunden. Ebenso klassisch der Sound auf dem Album: Deep Purple, das Original. Orgel- und Gitarre sind da, wo sie hingehören, die Drums treiben und Ian Gillan singt altersgemäß - er versucht sich gar nicht erst an seinem explovsiven Gesang von früher. So zeigen Purple direkt beim Opener "Time for Bedlam", wo es musikalisch lang geht: Es rockt, und es rockt hart.

Viele Songs klingen zwar, als stammten sie direkt aus den 70ern. Aber keinem haftet das leicht verblichene 70er-Feeling an - so wie bei einem alten Farbfoto. Songs wie "The Surprising" überraschen mit vielen Elementen, die man von einer Rockband in der heutigen Zeit nicht erwartet. Das Album kommt dennoch mit einer Frische daher, die man von den - pardon - Rocksenioren nicht erwartet hätte.

"Hip Boots" holt ein wenig Jimi Hendrix-Sound ins Jetzt, bei dem Blues-Rock-Kracher "One Night in Vegas" kommt man aus dem Kopfnicken nicht mehr raus. In "Birds of Prey" denkt man bei dem knackig-funkigen Groove zuerst ein bisschen an die Band "Rage Against the Machine" - doch dann singt Gillan mit elektronisch verfremdeter Stimme eine Hymne über endlosen Kriegswahn und das Ende aller Zeiten. Und schließlich wartet "inFinite" mit einem waschechten klassischen Blues auf: In einem Song, der gar nicht anders heißen darf als "Roadhouse Blues", mit kratziger Gitarre, Honkytonk-Klavier und Bluesharp, heißt es stilecht auch "Let it roll, baby roll". Es macht Spaß, das Album zu hören - und der letzte Song scheint zu bestätigen, was Deep Purple-Fans insgeheim glauben: Dass es noch sehr lange mit der Band weitergeht. Wenn alle gesund bleiben.

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