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Kultur

Debatten über die Krankheiten der Menschheit

Diesen Montag (19.5.) beginnt die Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation im schweizerischen Genf. Aids, Tabak-Konsum und natürlich SARS sind wichtige Themen bei diesem 192-Länder-Treffen.

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Geißel des zivilisationskranken Menschen

"Der Besitz des bestmöglichen Gesundheitszustandes bildet eines der Grundrechte jedes menschlichen Wesens." - So steht es im Gründungsstatut der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die von Montag an in Genf (Foto) zu ihrer 56. Jahresversammlung zusammentritt. Und noch etwas ist in der WHO-Verfassung festgehalten: Die Bevölkerung muss über Gesundheitsrisiken vollständig aufgeklärt werden, und Regierungen tragen die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Völker.

Druck der WHO

WHO Gebäude in Genf

WHO-Gebäude in Genf (Archiv)

Die Realität sieht allerdings oft anders aus. So hat die chinesische Regierung anfangs nicht nur dem Rest der Welt, sondern auch ihrer eigenen Bevölkerung das Ausmaß der Lungenseuche SARS verschwiegen. Die Folge davon war, dass sich das Schwere Akute Atemwegssyndrom in rund 30 Länder ausbreitete und mehr als 570 Menschen das Leben kostete, die meisten davon in China, aber auch in Kanada gab es 24 Tote.

Es war nicht zuletzt dem Druck der WHO zu verdanken, dass Chinas Regierung letztlich die wahren Erkrankungszahlen preisgab und internationale Gesundheitsexperten ins Land ließ. Die WHO gab erstmals in ihrer Geschichte wegen einer Infektionskrankheit Reisewarnungen für die betroffenen Länder und Regionen heraus. SARS - so argumentierte man bei der WHO - geht alle Länder etwas an und muss global bekämpft werden. Denn die Lungenseuche könnte völlig außer Kontrolle geraten, wenn sie in noch ärmere Entwicklungsländer beispielsweise in Afrika überschwappt, erklärte die scheidende WHO-Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland schon Ende April.

Irak

Doch nicht nur SARS steht auf der Agenda des 192-Länder-Treffens in der Schweiz. Es geht auch um eine Reihe weiterer Krankheiten und Gesundheitsrisiken weltweit. Ein Thema ist zum Beispiel die Gesundheitssituation im Nachkriegs-Irak. Hier hat die WHO erst kürzlich vor dem Ausbruch einer Cholera-Epidemie in der Stadt Basra gewarnt. Überlaufende Abwässer und Müll haben dort offenbar das Trinkwasser verseucht. Dieses Phänomen beschränkit sich nicht auf den Irak; ein Sechstel der Weltbevölkerung verfügt über kein sicheres Trinkwasser. In Entwicklungsländern ist dies laut WHO-Angaben die Haupttodesursache.

Kinderlähmung, Aids

Auch das Thema Kinderlähmung dürfte zur Sprache kommen. Hier sind vorwiegend bestimmte Regionen in Afrika und Asien betroffen. Weltweit gab es im letzten Jahr fast 2.000 Polio-Erkrankungen – davon 99 Prozent in den Ländern Indien, Pakistan und Nigeria.

Ein Dauerthema bei der WHO ist auch Aids: Rund 40 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Aids-Erreger HIV infiziert, die meisten in Afrika. In manchen Regionen des Kontinents ist fast jeder dritte Erwachsene betroffen, in Südafrika sogar 25 Prozent der Bevölkerung.

Zivilisationskrankheiten und eine Formalie

In den entwickelten Industrieländern hingegen sind es überwiegend Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht sowie Alkohol- und Tabakkonsum, die die gesunden Lebensjahre verkürzen. Tabakkonsum ist beispielsweise das größte Gesundheitsrisiko in Westeuropa und führt weltweit jährlich zum Tod von rund 5 Millionen Menschen.

WHO Generalsekretär Jong-wook Lee

Jong Wook Lee aus Süd-Korea bei einer Presse-Konferenz in Genf, Schweiz, am 28.1.2003 nach seiner Nominierung zum Generalsekretär der WHO

Auf dem WHO-Jahrestreffen soll deshalb auch die internationale Tabak-Konvention verabschiedet werden. Das Abkommen sieht unter anderem ein komplettes Abgabeverbot an Jugendliche und größere Warnhinweise auf Zigarettenschachteln vor. Umstritten ist das vorgesehene Werbeverbot für Tabakprodukte. Besonders die USA und Deutschland haben hier in der Vergangenheit Widerstand bekundet, unter anderem wegen Bedenken in punkto Meinungsfreiheit.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt ist die Wahl des neuen WHO-Generalsekretärs Jong-Wook Lee (Foto), ein Mediziner aus Südkorea. Seine Wahl gilt freilich nur als eine Formalie.

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