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Politik

Debatte um US-Spezialeinheit zur Terroristen-Jagd

Der Druck auf Donald Rumsfeld hält an. Nach US-Medienberichten gibt es eine geheime Spezialeinheit zur Aufspürung von Terroristen, die unter Umgehung rechtsstaatlicher Methoden arbeitet. Das Pentagon dementiert.

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Anti-Terror-Spezialisten: Navy Seals

Als äußerst merkwürdig, konspirativ und als ein Stück hysterischen Journalismus haben Sprecher des US-Verteidigungsministeriums den Bericht des Magazins "New Yorker" bezeichnet, der von dem angesehenen Journalisten Seymor Hersh stammt.

Hersh, der Ende der 1960er Jahre bereits das My Lai-Massaker amerikanischer Soldaten an vietnamesischen Zivilisten aufgedeckt hatte, beschreibt in dem Artikel, wie das Pentagon im Jahr 2002 eine geheime Kommando-Einheit geschaffen haben soll, deren Verhör-Methoden später auch im Abu Ghraib-Gefängnis in Bagdad Einzug erhalten hätten.

Streng geheime Elite-Truppe

"Diese Einheit bestand aus eigens rekrutierten Mitgliedern der Spezial-Einheiten "Delta-Force" und den "Navy Seals", darunter auch paramilitärische Einheiten des CIA", betont Hersh. "Diese Leute bekamen falsche Identitäten und arbeiteten streng geheim. Ihre Aufgabe bestand darin, die Bürokratie zu umgehen und einfach zuzupacken, wenn irgendwo, zum Beispiel in Indonesien, ein Terrorist auftauchte. Sofort waren Leute dieser Spezial-Einheit zur Stelle, ohne Visum und ohne das jemand davon erfuhr, schnappten sich den Typ und verschwanden wieder."

Diese als SAP - "Special Access Programm" - bezeichnete Vorgehensweise sei von Rumsfeld persönlich autorisiert worden, mit Wissen des Weißen Hauses und von Präsident Bush persönlich. Zu den Verhör-Techniken dieser Spezial-Agenten, die ab Herbst 2003 auch im Irak angewandt wurden, gehörten Hersh zufolge auch die sexuelle Bloßstellung und andere Zwangstechniken.

Kompromittierende Fotos

"Die Idee war, dass man Informationen herauspressen wollte, indem man die Betroffenen sexuell kompromittierte", sagt Hersh. "Zum Beispiel indem man sie nackt fotografierte und damit drohte, diese Fotos anderen zu zeigen. In manchen Fällen erhoffte man sich dadurch sogar, dass sich die Betroffenen so zur Beschaffung weiterer Informationen in ihren jeweiligen Milieus bereit finden würden."

Das Nachrichtenmagazin "Newsweek" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, der Chefjurist des Weißen Hauses, Alberto Gonzales, habe bereits Anfang 2002 in einem an Präsident Bush gerichteten Memorandum die "Genfer Konvention" zum Schutz von Kriegsgefangenen als "antiquiert" und "obsolet" bezeichnet. Im US-Außenministerium sei man gegen dieses Rechtsgutachten Sturm gelaufen.

Einzeltaten oder System

Kaum jemand in Washington glaubt inzwischen noch, dass die Misshandlungen von irakischen Gefangenen von den betroffenen US-Soldaten allein und ohne die Ermutigung Vorgesetzter ausgeübt wurden. "Ich habe niemals geglaubt, dass dies lediglich die Taten einiger schlimmer Militär-Polizisten waren", sagt Lindsay Graham, republikanischer Senator aus South Carolina. Er ergänzt: "Aber ich bin auch nicht bereit, gleich das ganze System anzuklagen, ohne über mehr Beweise zu verfügen."

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