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Wirtschaft

Debatte über globale Fragen an der Copacabana

Genau vier Monate nach dem großen UN-Gipfel Rio+20 geht es an Brasiliens Copabacana wieder um die Probleme dieser Welt. Der Rahmen ist viel kleiner - doch die Debatten nicht weniger leidenschaftlich.

Bild zum GES (Global Econmic Symposium) Aunahmeort: Rio de Janeiro, Oktober 2012 Quelle: GES, frei zur Verwendung für Pressezwecke Geliefert von Henrik Böhme

GES Global Economic Symposium

Es kostet etwas Überwindung, morgens bei strahlendem Sonnenschein Rios berühmten Traumstrand, die Copabacana, links liegen zu lassen und ins Tagungshotel zu gehen. Draußen die Idylle, drinnen die Probleme dieser Welt: Finanzkrise, Jugendarbeitslosigkeit, Ressourcenknappheit, Klimawandel. Doch wer Rio de Janeiro kennt, der weiß: Zwischen Idylle und bitterer Armut liegen nur ein paar Häuserblocks.

Ein Haus in der Cantagalo Favela in Rio de Janeiro, Brasilien (Foto: DW)

Nicht weit weg vom Tagungshotel: Die Favela Cantagalo in Rio de Janeiro

Brasilien als Hotspot

Zugleich haben sich die Organisatoren des 5. Global Economic Symposium (GES) ganz bewusst für Brasilien als Austragungsort ihres Forums entschieden. Man wähle Länder, die in Zukunft eine ganz besondere Rolle in der Weltwirtschaft haben werden, sagt GES-Chef Dennis Snower, zugleich Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Das sei vor zwei Jahren so gewesen, als man das GES in Istanbul ausgetragen habe, und nun eben sei man aus diesen Gründen nach Rio gegangen. Brasilien, so Snower im DW-Gespräch, werde beispielgebend für den Übergang eines Schwellenlandes zu einer Industrienation stehen – wenngleich noch unzählige Probleme zu lösen seien: Energiesicherheit zum Beispiel oder der soziale Zusammenhalt der Gesellschaft.

Lebhafte Debatten

Und damit ist man bei den Themen, um die es zwei Tage lang an der Copabacana geht. Natürlich drehen sich die Debatten auf den Panels und an den runden Tischen um die große Krise, die die Welt seit nun fünf Jahren in Atem hält. Wie kommt man aus dem Teufelskreis von immer neuen Schulden und Stimulierung des Wachstums heraus? Wie lässt sich die weltweit dramatisch ansteigende Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen? Wie bekommt man die Finanzmärkte in den Griff, welche Rolle müssen Zentralbanken spielen? Da schlagen die Wogen in den kühlen Tagungsräumen bisweilen hoch, zum Beispiel bei der Diskussionsrunde über die Jugendarbeitslosigkeit: Was machen sie in Deutschland besser als anderswo, wird da gefragt. Modelle aus Shanghai werden solchen aus Chicago und Sao Paulo gegenübergestellt – und immer wieder die Frage: Was kostet das? Und was ist eigentlich mit afrikanischen Ländern, fragt eine Teilnehmerin aus Kenia? Habt ihr da auch Antworten?

Dennis Snower, GES-Chef und Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (Foto: GES)

Verfolgt den ganzheitlichen Ansatz: Dennis Snower, GES-Chef und Präsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel

Keine fertigen Lösungen

Die Themen sind alle nicht neu, und Antworten versuchen auch andere solcher Foren zu finden. Das Besondere am Global Economic Symposium ist der breite Ansatz, verschiedene Themen zusammen zu führen: Denn so komplex, wie die Welt ist, so komplex sind ihre Probleme. Und sie lassen sich nur komplex lösen – so das Mantra von GES-Chef Snower. Daher wird in dem einen Tagungsraum um Rezepte gegen die Jugendarbeitslosigkeit gestritten, und gleich daneben um die Öl- und Gasvorkommen in der Arktis – und wem sie gehören. Und in der nächsten Runde geht es um Fiskalregeln als Mittel zur Haushaltskonsolidierung und dann wieder darum, wie Unternehmen die sozialen Medien am besten nutzen können.

Freiraum zum Denken: Das soll das GES vor allem sein. Am Ende der zweitägigen Debatte wird keiner der 600 Teilnehmer - Politiker, Wissenschaftler, Unternehmer - mit dem fertigen Rezept zur Rettung der Welt den Heimflug antreten. Aber alle Ideen, Vorschläge, Thesen werden zusammengetragen, analysiert und später in Buchform veröffentlicht: Die "Global Economic Solutions" werden dann Regierungen und wichtigen internationalen Organisationen zur Verfügung gestellt: In der Hoffnung, dass es nicht achtlos irgendwo im Regal verschwindet, sondern als Anleitung zum Handeln dient.

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