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Sport

DEB-Auswahl schreibt Eishockey-Geschichte

In der Slowakei hat die Eishockey-Weltmeisterschaft mit einer Sensation begonnen. Die deutsche Auswahl, die eigentlich um den Klassenerhalt kämpfen wollte, besiegte zum Auftakt Rekordweltmeister Russland.

Die Russen Dimitri Kulikov und Yevgeni Nabokov kämpfen mit dem Deutschen Andre Rankel um den Puck (v.l.) bei der WM in der Slowakei (Foto: AP)

Die deutsche Mannschaft schlägt Russland

Die deutsche Nationalmannschaft hat zum Start der 75. Weltmeisterschaft in der Slowakei für einen Paukenschlag gesorgt und Rekord-Titelträger Russland mit 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) besiegt. Thomas Greilinger vom RC Ingolstadt (25. Minute) und der Düsseldorfer Patrick Reimer (58.) besiegelten in Bratislava den ersten WM-Sieg gegen die "Sbornaja" nach zuvor 37 Niederlagen. "Wir waren die bessere Mannschaft über 40 Minuten. Im letzten Drittel wurde es noch einmal eng, weil die Russen ja nochmal was machen mussten. Heute dürfen wir schon mal lachen und feiern", sagte der zum besten Spieler der Begegnung gekürte deutsche Keeper Dennis Endras. Vor dem zweiten Vorrundenspiel am Sonntag (01.05.2011) gegen die Gastgeber hat das Team von Bundestrainer Uwe Krupp damit bereits einen großen Schritt in Richtung Zwischenrunde gemacht. Letzter Vorrundengegner ist am Dienstag (03.05.2011) Slowenien.

Nationalsport in der Slowakei

Spielszene aus der Eishockey-Begegnung Slowakei - Schweiz beim Deutschland Cup 2010 (Foto: Augenklick)

Nationalsport in der Slowakei

Dem Bann des Pucks kann sich in der Slowakei niemand wirklich entziehen, denn Eishockey ist dort Nationalsport. Bis zum 15. Mai wird sich das Leben der Slowaken nach den Anstoßzeiten der WM-Spiele richten, vor allem, weil das Turnier erstmals in dem kleinen Karpatenstaat ausgetragen wird. "Wir leben Eishockey" - der inoffizielle WM-Slogan bringt die kollektive Begeisterung der Menschen für den Sport mit dem Puck auf den Punkt. Jetzt biete sich die Chance, "der Welt zu zeigen, dass wir eine wirkliche Eishockey-Nation sind", sagte dann auch Staatspräsident Ivan Gasparovic im Vorfeld der Weltmeisterschaft.

Zuletzt allerdings hatte der Glanz des slowakischen Eishockeys ein wenig nachgelassen. Seit dem frenetisch bejubelten WM-Titel 2002 und der Bronzemedaille ein Jahr danach gab es nichts mehr zu feiern. Im März 2010 wurde gar Glen Hanlon, ein kanadischer Ex-NHL-Torwart, als erster Nicht-Slowake auf die Trainerbank gesetzt. Mittlerweile bröckelt die allgemeine Meinung, dass die Slowakei selbstverständlich die weltbeste Eishockey-Nation sei. Aber bei einem WM-Erfolg wäre das alte Selbstverständnis natürlich wiedererstarkt.

Spielorte sind Bratislava und Kosice

Die Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slowakei (Foto: CTK Photo/Jan Koller)

Die Orange Arena in Bratislava

Das Turnier wird in den Städten Bratislava und Kosice ausgespielt. Bratislava ist die Hauptstadt des Landes und war vor der Spaltung der Tschechoslowakei gemeinsam mit Prag zuletzt 1992 Austragungsort einer Weltmeisterschaft. Die deutsche Mannschaft spielt alle WM-Partien im Stadion von Ondrej Nepela, das während der Titelkämpfe Orange Arena heißt. Die älteste Eishockeyhalle des Landes, in der bei der WM rund 9200 Zuschauer Platz finden, wurde seit April 2009 komplett umgebaut und vor kurzem offiziell übergeben. In Bratislava werden alle Partien der Viertel- und Halbfinals sowie das Endspiel am 15. Mai ausgetragen.

Die ostslowakische Regionalhauptstadt Kosice kämpft seit jeher mit der Rolle, hinter Bratislava nur die "Nummer zwei" im Land zu sein. Der Zuschlag für die Austragung der Eishockey-WM 2011 dürfte die Stadtväter mit besonderer Genugtuung erfüllt haben - vor allem, weil neben dem Sportlichen auch auf 2013 hingewiesen werden kann, wenn Kosice "Europas Kulturhauptstadt" ist. Die Steel Arena ist ein Multifunktionsbau im Zentrum der Stadt. Gut 7600 Fans passen in die Halle, die auch den zuletzt drei Jahre in Serie erfolgreichen Meister HC Kosice beheimatet.

Zurückhaltung nach dem Höhenflug

Bundestrainer Uwe Krupp hinter der deutschen Nationalmannschaft in vollem Einsatz (Foto: Pressefoto Mika)

Bundestrainer Uwe Krupp hinter der deutschen Nationalmannschaft in vollem Einsatz

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hatte ihr WM-Ziel bewusst zurückhaltend formuliert: Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp wollte erst einmal nur nicht absteigen. An eine Siegesserie wie vor einem Jahr bei der Heim-WM glaubt niemand. Der Halbfinal-Coup von 2010 ist verjährt. "Wir müssen ganz klar erstmal schauen, dass wir nicht in die Abstiegsrunde kommen", betonte Kapitän Michael Wolf vor der WM.

Marcel Goc, Jochen Hecht, Dennis Seidenberg und Marco Sturm (l-r) im deutschen Nationaltrikot (Foto: Daniel Karmann/dpa)

Goc, Hecht, Seidenberg und Sturm (l-r) im deutschen Trikot

Zumal die Krupp-Truppe auch auf prominente Unterstützung aus der NHL verzichten muss. Vorerst nicht mit dabei sein wird Christian Ehrhoff. Der Verteidiger ist bei seinem Club Vancouver Canucks in der nordamerikanischen Eishockey-Liga weiter unabkömmlich. Kurz vor Turnierbeginn hatte Jochen Hecht seinen Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft bekanntgegeben. Der 33 Jahre alte Stürmer war mit den Buffalo Sabres im NHL-Achtelfinale gescheitert und will nun nicht mehr für Deutschland antreten. "Auf NHL-Spieler spekulieren wir ohnehin nicht", räumte Reindl ein und ergänzte selbstlos, er freue sich sogar für Ehrhoff, dass er in den USA noch gefordert sei. Gespannt sein darf man nun aber, wie es mit dem DEB-Team nach dem historischen Sieg gegen Russland weitergeht.

Autor: Calle Kops (mit sid, dpa)
Redaktion: Andreas Ziemons