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Flüchtlinge im Exil

Dear Germany | "Du bist ein wahrer Freund der Pressefreiheit"

Wie blicken geflüchtete Journalisten auf ihr neues Leben in Deutschland? In der DW-Videoserie "Dear Germany" erzählt Jasur Mammadov aus Aserbaidschan, wie er es geschafft hat - als Reporter in Deutschland.

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Dear Germany | "Du bist ein wahrer Freund der Pressefreiheit"

Fünf Journalisten aus Syrien, Uganda, Afghanistan, Pakistan und Aserbaidschan haben sich auf das Projekt "Dear Germany" eingelassen. Die Deutsche Welle wollte wissen: Wie ergeht es ihnen - ein, zwei oder eben acht Jahre nach ihrer Flucht? Wie denken sie über ihre neue Heimat? Was frustriert sie, worauf hoffen sie? Was wäre, wenn sie einfach mal alles aufschreiben könnten, einen Brief an Deutschland verfassen? Die Idee von "Dear Germany" war geboren.

Gemeinsam mit der DW schrieb jeder Teilnehmer einen offenen Brief an Deutschland. So unterschiedlich wie die Lebensläufe der geflüchteten Journalisten, so unterschiedlich fielen auch die Videobotschaften bei "Dear Germany" aus.

Was ist eine Nachricht? 

Der 41-jährige Jasur Mammadov kam vor drei Jahren von Aserbaidschan nach Deutschland. Wie viele andere kritische Journalisten bekam er den Druck des autoritären Staates unter Präsident Alijew immer stärker zu spüren. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Bielefeld und hat es - im Gegensatz zu vielen anderen geflüchteten Journalisten - geschafft, an seine alte Karriere anzuknüpfen.

Dabei musste er jedoch nicht nur mit Sprachproblemen kämpfen: "Für mich ist es oft schwierig zu erkennen, was eine Nachricht ist oder auch nicht - weil ich andere Dinge spannend finde als meine deutschen Kollegen", erzählt er. Auch der Kontaktaufbau zu anderen Journalisten - oft ein Türöffner für Jobs und neue Aufträge - dauert lange, sagt er.

Mittlerweile arbeitet Mammadov für einen öffentlich-rechtlichen Sender. Doch seine Herkunft hat er nicht vergessen: Auf seinem Blog berichtet er weiter über die Situation in Aserbaidschan. "In meiner Heimat sind viele Journalisten oder Aktivisten im Gefängnis", schreibt er in seiner Botschaft an Deutschland. Andere werden durch teure Geschenke bestochen oder durch schlechte und ausbleibende Löhne zum Aufgeben gezwungen. Er ist dankbar, dass er innerhalb kürzester Zeit wieder als Journalist arbeiten konnte. "Deutschland, du bist ein wahrer Freund der Pressefreiheit", schreibt er. Jetzt überlegt er einen Verein für geflüchtete Journalisten zu gründen. "Aber das braucht Zeit."

Falsche Anklagen 

Die Lage in Aserbaidschan spitzt sich laut "Reporter ohne Grenzen" immer weiter zu. Kritische Journalisten müssen mit Verleumdungsklagen rechnen. Zum Teil werden sie auch unter anderem Vorwand - zum Beispiel angeblichem Drogenbesitz oder Steuerhinterziehung - ins Gefängnis gebracht. Kritische Medien werden strukturell benachteiligt - und dürfen zum Beispiel nicht am Kiosk verkauft werden. Immer mehr Journalisten entschließen sich deshalb zu gehen. In Deutschland finden sie zum Teil eine neue Heimat: In Berlin wurde ein Exil-TV-Sender aufgebaut , Meydan TV. 

Die gefährlichsten Länder für Journalisten sind neben Syrien, Afghanistan, Mexiko, der Irak und der Jemen. "Reporter ohne Grenzen" zählte für das vergangene Jahr insgesamt 74 Morde an Medienschaffenden, 53 wurden gezielt wegen ihrer Arbeit getötet. Andere starben während eines Einsatzes. Doch auch aus Ländern wie Aserbaidschan und der Türkei müssen zunehmend immer mehr Journalisten fliehen, sagt Jens-Uwe Thomas von "Reporter ohne Grenzen". Nach ihrer Flucht nach Deutschland müssen sie ganz von vorne anfangen - und sich oftmals zunächst von ihrem Traumberuf verabschieden. Der Prestigeverlust wiegt schwer. "Das ist sicherlich frustrierend", sagt Thomas. 
 

 

Dear Germany | Fünfteilige Video-Serie
Realisation und Konzept: Madelaine Meier
Kamera und Schnitt: Madmo Cem Adam Springer
Redaktion: Verica Spasovska
 

 

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