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Politik

De Maizière kündigt Konsequenzen an

Nach dem Fund von Luftfrachtpaketen mit Sprengstoff hat Deutschland den Frachtverkehr aus dem Jemen gestoppt. Das Luftfahrtbundesamt wies Transportunternehmen an, Frachtstücke aus dem Land lückenlos zu kontrollieren.

Güter am DHL-Logistikzentrum in Leipzig(Foto: dpa)

Logistikunternehmen müssen sämtliche Fracht genau kontrollieren

Die vereitelten Paketbombenanschläge haben Sicherheitslücken in der weltweiten Terrorabwehr offenbart. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) räumte am Sonntag (31.10.2010) ein, dass Luftfracht "relativ wenig" kontrolliert wird. Die Terroristen hätten diese Lücke erkannt. Er bestätigte, dass eines der für die USA bestimmten Sprengstoffpakete über den Flughafen Köln/Bonn nach Großbritannien ging.

Der entscheidende Hinweis auf das auf dem britischen Flughafen East Midlands gefundene Bombenpaket kam nach Angaben von de Maizière vom Bundeskriminalamt. Die deutschen Sicherheitsbehörden hätten in der Nacht von Donnerstag auf Freitag "von einem befreundeten Dienst" den Hinweis bekommen, dass in an die USA gerichteten Paketen Sprengstoff sei. Das BKA habe dann sofort die Ermittlungen aufgenommen, die Nummer des Pakets ermittelt und an die britischen Behörden weitergegeben.

US-Ermittler vermuten den mutmaßlichen Al-Kaida-Terroristen Ibrahim Hassan al-Asiri hinter den Attentatsplänen. Er sei ein Hauptverdächtiger aufgrund seiner Erfahrung mit Sprengstoffen.

Thomas de Maizière , im Hintergrund Europa- und Deutschlandflagge (Foto: AP)

Laut Innenminister de Maizière wird alles für die Sicherheit getan

Als Konsequenz aus den Bombenfunden wurde der Luftfrachtverkehr aus dem Jemen nach Deutschland gestoppt. "Die Bundesregierung stellt sicher, dass ab sofort keine Luftfracht aus dem arabischen Land mehr in Deutschland ankommt", so Bundesinnenminister de Maizière. Zuvor hatte auch Frankreich sämtliche Frachtflüge aus dem Jemen gestoppt.

Strengste Kontrollen

Alle Luftfahrtunternehmen, Expressdienstleister und andere Firmen wurden vom deutschen Luftfahrtbundesamt angewiesen, lagernde und ankommende Fracht aus dem arabischen Land bis auf weiteres streng zu kontrollieren. Dies gelte insbesondere für Transit- und Transferfracht sowie für Fracht, die auf dem Straßen- oder Schienenverkehr weitertransportiert wird.

Teil der Gefährdungslage

"Wir tun gemeinsam mit unseren Verbündeten und den Bundessicherheitsbehörden alles, was möglich ist, für die Sicherheit der Bevölkerung", versicherte de Maizière. Der Vorfall füge sich in die derzeitige Gefährdungslage für Deutschland ein.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nannte die Terrorbedrohung "einen Teil dieser Zeit", mit der man sich auseinandersetzen müsse. "Darauf müssen wir unser Sicherheitsdenken einstellen", sagte Guttenberg am Rande des CSU-Parteitags in München.

Am Flughafen Köln-Bonn verladen

Nach Angaben der britischen Polizei war eines der verdächtigen Pakete in die USA und nach Großbritannien auf dem Flughafen Köln-Bonn umgeladen worden. Die am Freitag in London und Dubai sichergestellten Paketbomben waren im Jemen auf den Weg gebracht worden und sollten an Synagogen im Großraum Chicago gehen. Laut ersten Analysen enthielten sie den Industriesprengstoff PETN, der auch an Weihnachten 2009 bei einem vereitelten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug verwendet worden war.

SIM-Karte legte eine Spur

Toner-Kartusche (Foto: AP)

In dieser Toner-Kartusche war der Sprengstoff versteckt

Nach Angaben der jemenitischen Regierung, war bei einer der Bomben auch eine SIM-Karte gefunden worden, wie man sie für Mobil-Telefone benötigt. Diese brachte die Ermittler auf die Spur einer Studentin. Die junge Frau war zusammen mit ihrer Mutter in einem Armenviertel der Hauptstadt Sanaa gefasst worden. Beide wurden inzwischen wieder freigelassen.

In der jemenitischen Hauptstadt wurden zwei Dutzend weitere verdächtige Pakete entdeckt. Wie am Samstag aus Sicherheitskreisen verlautete, wurden Frachtarbeiter auf dem Flughafen sowie Mitarbeiter örtlicher Frachtfirmen befragt.

Terroristenhochburg

Die Arabische Halbinsel gilt als neue Hochburg der in Afghanistan und Pakistan militärisch unter Druck geratenen El-Kaida. Deren Gruppe im Jemen gilt schon länger als der aggressivste Arm der Extremistenorganisation, die am 11. September 2001 die Anschläge in den USA verübte. Ein Vertreter der US-Regierung und mehrere Experten äußerten die Vermutung, dass die Pakete nur ein Test sein könnten, um die Frachtkontrollen und die Reaktion der Sicherheitsbehörden zu testen.

Autorin: Eleonore Uhlich/Hajo Felten (dpa dapd,afp,rtr)
Redaktion: Hans Ziegler

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