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Kultur

DDR-Kunst oder
Kunst in der DDR

Die Neue Nationalgalerie in Berlin zeigt eine Retrospektive über "Kunst in der DDR". 400 Werke aller Genres von 145 Künstler werden gezeigt. Doch nicht nur die Quantität, auch die Qualität soll diesmal überzeugen.

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Große Rückschau in der Berliner Neuen Nationalgalerie

Die DDR und die Kunst - das war in den vergangenen Jahren Stoff für endlose erbitterte Auseinandersetzungen. Bis Mitte der 1990er Jahre hielt der unsägliche Bilderstreit an. Kunst und Künstler aus dem anderen Deutschland wurden stigmatisiert. Die Auftragskunst, vor allem die eindeutig staatsnahen Werke des so genannten sozialistischen Realismus galten als Beweis dafür, dass in einem geschlossenen System richtige Kunst nicht gedeihen könne. Frühere Ausstellungen im Deutschen Historischen Museum, vor allem aber eine gründlich missglückte Schau in Weimar hinterließen bei vielen Westdeutschen den Eindruck, die meisten DDR-Künstler seien mit dem Staat verbandelt gewesen und hätten gehorsam das ihnen verordnete Menschenbild nachgezeichnet. Soweit, so schlecht. Nun aber hat sich die Neue Nationalgalerie an eine erneute, endlich – so hofft man – umfassende Retrospektive getraut.

Vorsichtige Annäherung an ein längst überfälliges Thema

Ausstellung Kunst der DDR Nationalgalerie

Plastik "O Deutschland, bleiche Mutter" von Fritz Cremer (1961-1965)

Die Kuratoren Roland März und Eugen Blume nehmen für sich in Anspruch, die erste gültige Retrospektive zur "Kunst in der DDR" erarbeitet zu haben, nicht die ultimative und nicht die letzte. Die Ausstellungsmacher sind sehr vorsichtig in ihren Formulierungen. Nicht die "DDR-Kunst", sondern "Kunst in der DDR" ist ausgestellt. Es ist keine Schau der, sondern eine Schau IN der "Neuen Nationalgalerie".

Und wie brisant das Thema auch nach über einem Jahrzehnt ist, haben alle schon im Vorfeld erfahren. Claus-Peter Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin weiß: "Jedes Wort zur DDR-Kunst kann falsch sein." Das ficht Kurator Eugen Blume jedoch nicht an. Seiner Ansicht nach ist in der Retrospektive eine gute Mischung aus der sogenannten staatsfernen, oppositionellen und der staatsnahen Kunst gelungen. "Wir haben das gesamte Feld ins Blickfeld genommen unter dem Aspekt: Kunst als Kunst."

Die Ausstellung und ihre unterschiedlichen Schwerpunkte

Das Konzept, nicht streng chronologisch vorzugehen, erweist sich als gelungen. Die Ausstellung beginnt zwar mit Werken wie Hans Grundigs düsterem Gemälde von 1946 "Opfer des Faschismus" oder der Plastik "Trauernde" von Will Lammert, folgt aber dann (in insgesamt 20 Abteilungen) der Intention, Wahlverwandtschaften, Traditionen, Stilrichtungen, Künstlergemeinschaften oder auch Kulturlandschaften vorzustellen, die sich vor allem in Dresden, Leipzig, Berlin oder Halle auffallend unterschiedlich herausbildeten.

Die Gruppe "Blaues Wunder" in Dresden um Jürgen Böttcher (bekannt unter dem Namen Strawalde) sammelte junge sinnesfrohe Künstler wie Peter Herrmann oder A.R. Penck um sich. Ganz anders malten die Berliner. Es entstanden Bilder "schwarzer Melancholie" wie beispielsweise Harald Böttchers düstere Schutthalden von 1958. Oder: kraftvoll-expressionistisch daherkommende Werke von Hans-Hendrik Grimmling, Walter Libuda oder Hartwig Ebersbach. Einzelgänger wie Gerhard Altenbourg, mit seinen existentiellen, berührenden Zeichnungen oder Carlfriedlich Claus mit verstörenden, sensiblen "Sprachblättern" erhalten ebenso Raum wie der umstrittene Willi Sitte.

Ein fester Platz in der Kunst des 20. Jahrhunderts?

Für den Generaldirektor der Staatlichen Museen Claus-Peter Schuster ist die Ausstellung im Kunsttempel Neue Nationalgalerie ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er ist sich aber durchaus darüber im Klaren, dass der nächste Schritt noch lange Zeit brauchen wird. Der würde nämlich darin bestehen, dass in nicht allzu ferner Zukunft, wenn es in der Neuen Nationalgalerie vielleicht eine ständige Sammlung über die Kunst des 20. Jahrhunderts geben wird, die "Kunst in der DDR" auch dort als fester Bestandteil verankert sein wird.

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