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Aktuell Deutschland

DDR-Heimkinder werden entschädigt

Der Bund und die ostdeutschen Länder zahlen 40 Millionen Euro in einen Fonds für frühere DDR-Heimkinder. Anträge auf Hilfen sollen nach Regierungsangaben ab Juli möglich sein.

Ehemalige DDR-Heimkinder sollen die gleichen Hilfen erhalten wie frühere Heimkinder aus der Bundesrepublik. Das geht aus dem Bericht zur Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR hervor, der am Montag in Berlin vom Bundesfamilien- und Bundesinnenministerium sowie den Fachministern der ostdeutschen Länder vorgestellt wurde. Das Dokument ist von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe erstellt worden und enthält auch Berichte und Forderungen der Heimkinder selbst.

Mit den Entschädigungen sollen unter anderem medizinische und pflegerische Leistungen finanziert werden. Hintergrund: Tausende Kinder und Jugendliche waren in der ehemaligen DDR bis 1989 insbesondere in den geschlossenen Kinderheimen und Jugendwerkhöfen unter teilweise erschreckenden, menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Die DDR verfolgte in ihren 474 staatlichen Kinderheimen, 38 Spezialkinderheimen, 32 Jugendwerkhöfen und besonders im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau mit der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen immer auch das politische Ziel, die Eingewiesenen zu sozialistischen Persönlichkeiten umzuformen.

Traumata durch Misshandlungen

Der Schatten eines Mannes ist neben einem Gitterfenster des ehemaligen geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau in Sachsen zu sehen (Foto: dpa)

Menschenunwürdige Zustände im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau

Die Einrichtungen unterstanden dem Ministerium für Volksbildung, seit 1963 also der Ministerin Margot Honecker, der Ehefrau von Staats- und Parteichef Erich Honnecker. Die Umerziehung sollte in den Jugendwerkhöfen durch militärischen Drill und erzwungene Einordnung in das Kollektiv erreicht werden. Infolge ideologischer Indoktrination, Misshandlungen und Missbrauch sind diese ehemaligen Heimkinder bis heute traumatisiert.

Bei der Vorstellung des Berichts kündigten die ostdeutschen Landesminister an, in ihren Bundesländern Anlaufstellen für ehemalige Heimkinder zu eröffnen oder auszubauen. Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) gab an, in der Einrichtung des Bundeslandes hätten sich in den vergangenen Monaten rund 570 Betroffene gemeldet. Sie sei froh und dankbar, dass der Fonds die "schwierige Situation" der DDR-Heimkinder etwas lindern könne.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärte, sie habe erst als Ministerin von diesem Unrecht erfahren. "Ich schäme mich, und es tut mir auch sehr leid", sagte sie. Die Zeit des Schweigens sei nun endgültig vorbei.

Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) betonte, kirchliche Träger hätten bei den DDR-Erziehungsheimen keine große Rolle gespielt. Zugleich räumte sie ein, dass über diese kirchlichen Einrichtungen wenig bekannt sei.

hf/kle (dpa, kna, epd)

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