1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

DDR-Fotolegende Orwo lebt

Die ostdeutsche Fotolegende Orwo kam nach der Wende zunächst kräftig ins Trudeln. Heute zählt Orwo zu den größten Fotolaboren in Deutschland.

Tasse und andere Artikel mit Fotos drauf (Foto: DW)

Fotosgeschenke - einmal anders

Orwo, diese Buchstaben stehen für eine der bekanntesten Marken der DDR, sie stehen für "Original Wolfen". ORWO war einst Motor einer ganzen Region in Sachsen-Anhalt, genauer gesagt: im Chemiedreieck Bitterfeld-Wolfen. Orwo versorgte vor der Wende nicht nur die DDR, sondern fast den gesamten Ostblock und zahlreiche Entwicklungsländer mit Filmmaterial. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands aber begann ein hürdenreicher Weg, der letztlich aber zum Erfolg führte.

Auferstanden zur richtigen Zeit

Orwo-Geschäftsführer Peter Ulbricht vor einer Maschine, die digitale Fotos bearbeitet (Foto: DW)

Orwo-Geschäftsführer Peter Ulbricht

Die Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung waren für das traditionsreiche ostdeutsche Unternehmen Orwo äußerst turbulent. Es war ein Auf und Ab. Einige Versuche scheiterten, die Fabrik wettbewerbsfähig zu machen. 1998 kam das Aus für Orwo. Als Grund wurde die aktuelle Marktsituation in der Branche genannt. Der Insolvenzverwalter beendete das Geschäft mit den Filmen. Die Labore hingegen, die blieben weiter bestehen. Es waren Manager von Lintec Computer und der Tochter Pixelnet, die kurz darauf Interesse an Orwo hatten und gleich die Idee und die Ausrüstung der digitalen Fotografie mitbrachten. Das aber war der Zeit voraus. Denn das Interesse am Markt, erzählt Orwo-Geschäftsführer Peter Ulbricht, war noch nicht genug geweckt. Und Orwo ging ein weiteres Mal in die Insolvenz. Erst als sich ab 2003 das digitale Fotografieren rasant verbreitete, die herkömmlichen Farbfilme weniger gefragt waren, begann die Erfolgsgeschichte der ostdeutschen Fotolegende.

Orwo hatte ja bereits das notwendige technische Know-how - dank der Tochter Pixelnet. Die Maschinen waren neu und ein hochleistungsfähiger Internetanschluss war auch vorhanden: "Wir hatten den Vorteil, dass keine analogen Altlasten mehr da waren, dass wir einen sehr hohen Anteil überhaupt mit Digitalfotos ab diesem Zeitpunkt schon machen konnten", sagt Orwo-Geschäftsführer Peter Ulbricht. Über 80 Prozent aller Aufträge, die heute in Wolfen eingehen, sind digitale Aufträge.

Großkunden sorgen für kräftige Umsätze

Versandfertige Plastiktaschen mit Fotos, Kalender oder Postern in der Fotofabrik Orwo (Foto: DW)

Fertig für den Versand. Drogeriefilialen zählen zu den Großkunden

Zusammen mit Gerhard Köhler, der aus der Finanzbranche kommt, leitet Peter Ulbricht das Unternehmen. Der gelernte Physiker hat alle Höhen und Tiefen der DDR-Legende Orwo miterlebt. Vor der Wende haben in der Filmfabrik noch 15.000 Menschen gearbeitet - heute sind es nur noch 240. Das Unternehmen ist schlanker, moderner und profitabler geworden und zählt heute zu den größten Fotolaboren in Deutschland. Der Export spielt keine Rolle mehr. Zu DDR-Zeiten allerdings, so Peter Ulbricht, exportierte Orwo noch in 45 Länder - darunter auch Indien: "Wir haben nicht das Material, wo der Film selbst drauf produziert wurde, geliefert, sondern das Vervielfältigungsmaterial. Der Film wurde ja erstmal als Negativfilm produziert und wurde dann kopiert auf ein Positivmaterial als Vorführkopie". Und manchmal sei die Ware auch mit Naturalien bezahlt worden, sagt Ulbricht: "Es ist dann kein Geld geflossen, sondern es sind dann eben entsprechende Tonnen Reis und andere Produkte im Austausch in die DDR gekommen. Das war gang und gäbe."

Traumhafte Wachstumsraten

Fotobücher mit Landschaftsaufnahmen (Foto: DW)

Fotobücher liegen im Trend

In einem rasanten Tempo hat der Fotospezialist aus Wolfen seinen Umsatz in den letzten Jahren steigern können. Von 2004 bis 2009 betrug die durchschnittliche Wachstumsrate über 45 Prozent. Im letzten Jahr wurden etwa 28 Millionen Euro Umsatz erreicht. Die Produktpalette ist vielfältig. "Zum einen werden natürlich Fotos entwickelt. Und dann gibt es noch die begehrten Fotobücher. Ein Wachstumsmarkt, der immer rasanter wird, dem wir uns auch stellen", so Ulbricht. Und dann gebe es noch eine ganze Reihe von so genannten Fun-Produkten. Es sei möglich, eigene Bildmotive beispielsweise auf Tassen, T-Shirts, Teddybären, Kissen oder Bierkrügen aufbringen zu lassen. Und noch etwas werde immer stärker nachgefragt, sagt Ulbricht: die Fotokalender. Mit eigenen Fotos und der entsprechenden Software könnten ganz persönliche Kalender hergestellt werden.

Die Fotomarke Quelle ist nun in Wolfen zuhause

Arbeiterin klebt Fotos auf Tassen (Foto: DW)

Handarbeit ist unerlässlich

Der Wettbewerb auf dem Fotomarkt ist groß, denn der Markt ist heiß umkämpft. In den vergangenen Jahren haben viele kleine Fotolabore aufgeben müssen oder sie sind vom größeren Konkurrenten übernommen worden. So hat Orwo beispielsweise im vergangenen Jahr einen seiner Großkunden aus der Insolvenz übernommen - Foto Quelle. Das sei ein trauriges Kapitel, sagt Geschäftsführer Ulbricht. Seit 2005 hatte Orwo mit dem Traditionsunternehmen eine Partnerschaft. Auch die Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel, hier vor allem mit den großen Drogerieketten, bringt gute Umsätze. Da kommt es nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Schnelligkeit an. Aufträge, die heute reinkommen, sagt Peter Ulbricht, gehen morgen schon wieder raus: "Im Prinzip heißt das: ein Tag Lieferzeit."

Digitale Filme - das ist das Geschäft von heute. In der Hauptsaison, und dazu zählen Ferienzeiten und auch das Weihnachtsfest, werden in Wolfen täglich fast anderthalb Millionen Bilder entwickelt und wieder auf die Reise zu den Kunden geschickt. Wenn auch analoge Filme nicht mehr das Hauptgeschäft für Orwo sind, gibt es immer noch genügend Fotofreaks, die auf Filmrollen und Papierbilder nicht verzichten wollen - und die bedienen die Ostdeutschen auch weiterhin. Etwa 30 Millionen Filmrollen, so schätzt Geschäftsführer Peter Ulbricht, werden in Deutschland in diesem Jahr noch verkauft werden: "Wir waren mal bei 160 Millionen, die in Deutschland verkauft wurden, etwa um 2000 herum. Im Jahr 2000 war der Höhepunkt für den klassischen Film - von der Menge her. Und danach kam eben schrittweise die Digitalfotografie auf."

Während zahlreiche etablierte Fotolabore in Deutschland in den letzten Jahren von der rasanten Entwicklung überrollt wurden, Orwo hat den Wandel ganz offensichtlich geschafft: mit modernen, schnellen und attraktiven Angeboten. Und mit einer großen Portion Glück - nach einem langen Weg mit vielen Hindernissen.

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Zhang Danhong

Audio und Video zum Thema